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Göttingen Protestaktion im Gottesdienst
Die Region Göttingen Protestaktion im Gottesdienst
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19:38 04.09.2011
Auseinandersetzung: Pater Hösl im Gespräch mit Aktivisten. Quelle: Heller
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Auf Schildern und Flyern forderten die Aktivisten unter anderem die Auflösung des Jesuitenordens und wendeten sich „Gegen Vergessen und Verdrängen“. Die Berufung Schneiders zum Superior der Jesuitenkommunität in Göttingen bezeichnete der Organisator Roland Laich als „unverantwortlich“. „Moralisch kann er der Aufgabe nicht gewachsen sein“, empört sich Laich. Auch Katrin Raabe ist „fassungslos“. Raabe war als Jugendliche selbst in St. Michael aktiv: „Ich fand, die haben tolle Sachen gemacht.“ Nun steht sie vor dem Portal und demonstriert: „Ich habe schon was gegen Schneider als Menschen.“

Theo Schneider war im vergangenen Jahr als Rektor des Aloisiuskollegs in Bonn zurückgetreten, um eine lückenlose Aufklärung der auch gegen das Kolleg gerichteten Missbrauchsvorwürfe zu ermöglichen. Er hatte in dem Kolleg seit 1984 als Internatsleiter und seit 2007 als Rektor gewirkt. Seit bekannt geworden ist, dass Schneider als Superior nach Göttingen wechselt, wird die Personalie kontrovers diskutiert.

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Manfred Hösl, Pfarrer an St. Michael, suchte vor dem Gottesdienst das Gespräch mit den Demonstranten. Sein Anliegen: „In Ruhe Gottesdienst feiern zu können.“ Hösl schlug vor, zu einem geeigneteren Zeitpunkt ins Gespräch zu kommen. Die Einladung, die Messe mitzufeiern, schlugen die Wortführer aus. „Wir wollen, dass Sie Herrn Schneider des Gottesdienstes verweisen.“

Auch Hösls Bitte, in Ruhe Gottesdienst zu feiern, blieb unerfüllt: Ein Teil der Demonstranten störte den Gottesdienst, als Schneider predigte. Hösl unterbrach den Gottesdienst und gab den Aktivisten Gelegenheit, ihr Anliegen vorzutragen. Schneider folgte still den zusammengetragenen Anschuldigungen. Die Vorwürfe sprach er während des Gottesdienstes nicht explizit an. In der Lesung aus dem Römerbrief hieß es: „Schwestern und Brüder! Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer.“

Von Lukas Breitenbach