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Göttingen Camp auf dem Theaterplatz: „Wenn Freitage nicht reichen, streiken wir die ganze Woche“
Die Region Göttingen Camp auf dem Theaterplatz: „Wenn Freitage nicht reichen, streiken wir die ganze Woche“
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20:02 23.09.2019
FFF-Aktivisten stellten sich am Montagnachmittag in ihrem Camp am Theaterplatz vor und präsentierten ihr Programm. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

In Göttingen gibt es derzeit ein Streikcamp für mehr Klimaschutz. Es ist das erste seiner Art. Ausgerichtet wird es auf der Wiese vor dem Deutschen Theater (DT). Organisiert haben es knapp 20 Aktivisten der hiesigen Initiative „Fridays for Future“ (FfF). Bis zum Freitag gibt es ein tägliches Programm. Ziel des Camps ist es, auf den Klimawandel und seine Folgen aufmerksam zu machen und Entscheidungsträger in der Politik zu mehr Engagement im Klimaschutz zu drängen. Das Streikcamp-Programm begann am Montag mit einer Vorstellungsrunde.

Das Wohnzimmer auf der Wiese

Zu Beginn des Treffens im „Wohnzimmer“, wie Gianna Mascioni und Hannes Eggers von der FfF-Ortsgruppe Göttingen den aus alten Sofas und Strohballen hergerichteten Sitzkreis auf der DT-Wiese nannten, gibt es erst einmal die Information über Verhaltensregeln. So besteht ein Rauchverbot, Geschirr sollte zeitnah von jedem selbst abgewaschen werden. Ein Erste-Hilfe-Team steht für den kleinen Notfall zur Verfügung. In der Tat übernachten einige Camp-Teilnehmer auf der Wiese, der Kinder- und Jugendverband Sozialistische Jugend Deutschlands – „Die Falken“ stellte Zelte zur Verfügung. Unterstützung erfahren die Klima-Camper auch von Privatpersonen, vom Deutschen Theater und dem dort integrierten Bistro, von Bioläden und einem Großhandel für Lebensmittel etwa.

Aktion für Freitag wird erst erarbeitet

In Zusammenarbeit mit Göttinger Gruppen werde ein vielfältiges Programm angeboten, heißt es in einer Mitteilung von FfF Göttingen. Dienstag beispielsweise soll es Vorträge zum Thema Framing (15 Uhr) oder Kapitalismuskritik (16.30 Uhr) geben. An drei Abenden laufen Filme. Nicht jedes Angebot ist für die Allgemeinheit gedacht, wer Interesse hat, solle aber grundsätzlich kommen, müsse aber auch damit rechnen, dass die Camp-Teilnehmer einen Programmpunkt allein für sich in Anspruch nehmen, wie etwa ein Aktionstraining. Am kommenden Freitag ist zum Abschluss eine Aktion geplant. Welche konkret? „Die werden wir gemeinsam erarbeiten“, erklärt Eggers.

Arbeiten und Klausuren werden geschrieben

Um dem Ziel, den Klimaschutz zu verstärken, Nachdruck zu verleihen, haben Aktivisten der Jugendbewegung „Fridays for Future“ in Göttingen ein Protestcamp errichtet.

Die einführenden Worte hört sich eine Gruppe von Unterstützern und Sympathisanten an. Zu ihnen gehört Lena Kalka. „Ich finde es wichtig, dass weiter Druck gemacht wird auf die Regierung und das die Bewegung auch in Göttingen größer wird“, sagt die 18-Jährige. Auf die Frage, wie sie ihre Zukunft sieht, meint die junge Frau: „Ich bin schon sehr besorgt, wenn ich daran denke, unter welchen Umständen meine Kinder aufwachsen könnten. Das ist schon gruselig.“ Einige der jungen Camp-Teilnehmer sind Schüler, die sich in den Schulstreik begeben. Arbeiten und Klausuren würden jedoch wahrgenommen, heißt es.

„Selbstorganisiert lernen, was wichtig ist“

„Wenn Freitage nicht reichen, streiken wir eben die ganze Woche. Wir haben uns in dieser Woche unser eigenes Bildungsprogramm zusammengestellt“, lässt Mitorganisatorin Emmilie Hartge wissen. Sie fügt hinzu: „Selbstorganisiert lernen wir hier, was wichtig für unsere Zukunft ist.“ Mitstreiter Jesper Mücke ergänzt: „Die Organisation dieses Camps hat uns als Ortsgruppe vor viele Herausforderungen gestellt. Für uns alle war es wohl das erste Mal, ein derartiges Projekt umzusetzen.“ Die Planung habe mehrere Wochen in Anspruch genommen.

Für Camp-Teilnehmer wird vegan gekocht

Unterstützt wird das Camp auch von der Initiative Veggietag Göttingen. Vegetarische beziehungsweise vegane Ernährung sei deutlich klimafreundlicher als tierische, versichert Monika Zebski von der Initiative. Sie will, wie auch ihre Kolleginnen, für das Camp kochen und damit auf die ihrer Einschätzung nach zugleich gesundheitsbewusste Ernährungsform aufmerksam machen. „Und natürlich begrüße ich auch die FfF-Bewegung“, sagt Zebski.

Aus dem Selbstverständnis von FfF

Im Selbstverständnis von „Fridays for Future“ heißt es: „Wir sind der Überzeugung, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und stellen uns klar gegen Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung. Alle Mitstreiter werden gleichberechtigt behandelt, und wir agieren demokratisch. Wer diese Grundsätze anerkennt, ist als Mitstreiter herzlich willkommen und eingeladen, sich auch sofort aktiv an Planungen und Durchführungen von Aktionen zu beteiligen, die mit dem Ziel einer zukunftsfähigen und radikaleren Klimapolitik verbunden sind. Dafür nutzen wir Schulstreiks. Die Ortsgruppe Göttingen versteht sich als queerfeministisch, antirassistisch, antinationalistisch und positioniert sich klar gegen faschistische und nationalsozialistische Ideologien. Das gesamte Programm des Göttinger Streikcamps findet sich im Internet unter der Adresse https://fridaysforfuture.de/wp-content/uploads/2019/09/Programm-Streikwoche-FFF.pdf oder auf Flyern vor Ort.

Von Ulrich Meinhard

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