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Göttingen Proteste bei Schünemann-Besuch in Friedland
Die Region Göttingen Proteste bei Schünemann-Besuch in Friedland
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06:17 19.11.2012
Von Jürgen Gückel
Gegen Asylpolitik: Protest beim Schünemann-Besuch in Friedland. Quelle: Hinzmann
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Friedland

Binnen zwei Jahren sollen der Bahnhof Friedland und Teile des Lagers zu einem parallel zum weiteren Aufnahmebetrieb arbeitenden Museum für „Abschied, Ankunft, Neubeginn“ werden. Fast 1000 Besucher nutzten am Freitag die Chance, sich über den alten Bahnhof und die Museums-Pläne zu informieren.

Dabei begann die Veranstaltung mit einem Missklang: Einige Besucher störten die Ministerrede mit Vorwürfen zu Abschiebung und Asylpolitik. Als die verteilt in den vorderen Reihen sitzenden Demonstranten Spruchbänder zückten, stürmten einige auf die Bühne. Beherzt warfen sich Personenschützer dazwischen, so dass der Angriff auf den Minister vereitelt wurde. Unter den Augen von Polizeipräsident Robert Kruse bändigten Polizisten und Thekenpersonal mit vereinten Kräften die Demonstranten. Festnahmen oder Verletzte gab es aber nicht.

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Proteste gab es beim Schünemann-Besuch in Friedland. Der niedersächsische Innenminister war zum Tag der offenen Tür des geplanten Museums gekommen. © Christina Hinzmann

Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) entschuldigte sich unter Applaus der 350 meist älteren Zuhörer für den Zwischenfall: „Meinungsfreiheit ja, aber Gewalt auf keinen Fall.“ An diesem historischen Ort, so Friedrichs, „treffen sich 60 Jahre gelebte Erfahrung, die Sachkompetenz der Gegenwart in Form zweier Bundesbehörden, einer Landesbehörde und einem Strauß flankierender Hilfsorganisationen.“Das geplante Museum führe deshalb das Thema Integration aus der Vergangenheit in die Zukunft. Museum und laufender Betrieb seien „Grundstein für ein bundesweites Kompetenzzentrum zu allen Fragen der Integration.“ Eine solche Einrichtung werde in Deutschland gebraucht.

Schünemann hatte seinerseits betont, dass nicht nur ein modernes Museum mit neuesten Kommunikationstechniken entstehe, sondern dass sich Friedland zum „Ort des Lernens, des Forschens und der Begegnung zu den Themen Flucht, Vertreibung, Migration und Integration entwickeln“ werde.

Bis zum Abend ließen sich beinahe 1000 Besucher über das Gelände führen. Besonders die provisorisch aufgebauten ersten Dokumentationen wie Zeitzeugen-Videos oder Filme über Spätheimkehrer wurden interessiert betrachtet. Nur unter Tränen, so gestand ein Mitglied des Chors der Russlanddeutschen, könne sie über Friedland „als erstes Zuhause“ sprechen – dann stimmte der Chor das Niedersachsenlied an.