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Göttingen Proteste gegen Abschiebung am Tag des Anschlags
Die Region Göttingen Proteste gegen Abschiebung am Tag des Anschlags
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23:10 31.05.2017
Von Markus Scharf
Rund 100 Abschiebungsgegner haben am Mittwochabend in der Göttinger Innenstadt gegen Abschiebungen nach Afghanistan demonstriert.  Quelle: Hartwig
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Göttingen

Bei dem Terroranschlag am Mittwochmorgen im Diplomatenviertel der Hauptstadt sind nach bisherigen Erkenntnissen mehr als 80 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden. Es sei unverantwortlich, hilflose Flüchtlinge in ein Land zurückzuschicken, in dem ihr Leben tagtäglich in Gefahr ist“, sagte Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, am Mittwoch in Göttingen. Dieser und weitere Anschläge in jüngster Zeit hätten bewiesen, dass es derzeit keine Sicherheit für Zivilisten in Afghanistan gebe.

Das bestätigten auch die Redner während der Kundgebung am Gänseliesel. Auch viele der in Göttingen lebenden Afghanen hätten einen negativen Bescheid erhalten und müssten mit ihrer Abschiebung rechnen. „Wir erheben unsere Stimme gegen diese Asylpolitik“, so ein Sprecher des AK Asyl. Ein anderer ergänzt: „Wir leben in zynischen Zeiten. Flüchtlinge verdanken einem Anschlag, dass sie heute nicht abgeschoben wurden.“

Bisher hat Deutschland bei fünf Sammelabschiebungen mehr als hundert Personen nach Kabul ausgeflogen, zuletzt Ende April. Die Kritiker dieser Abschiebepraxis betonten am Mittwoch erneut, dass es keine sicheren Gebiete in Afghanistan mehr gebe und der Konflikt zwischen Regierung und den radikalislamischen Gruppierungen sich ausweite. Der Anschlag im streng gesicherten Wohnviertel von Kabul gibt ihnen recht.