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Göttingen Proteste gegen Pläne in der Sternstraße
Die Region Göttingen Proteste gegen Pläne in der Sternstraße
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19:47 19.08.2011
Von Michael Brakemeier
Zeichen des Protests: Transparent auf dem Gelände des ehemaligen Stern-Kinos.
Zeichen des Protests: Transparent auf dem Gelände des ehemaligen Stern-Kinos. Quelle: Heller
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Göttingen

Auch die Bewohner des angrenzenden Hauses im Feuerschanzengraben 14 waren in den vergangenen vier Wochen nicht untätig. 460 Unterschriften haben sie in der unmittelbaren Nachbarschaft gegen die geplante Neubauten auf dem Gelände gesammelt. Ihre Bedenken: Durch die geplanten, deutlich höheren Häuser als das bisherige Kino komme es zu einer starken „Verschattung“ auf der Südseite ihres und anderer Gebäude , sagt Initiator Hans-Christian Adam. Er spricht von „gewaltigen“ Neubauten.

Die Unterschriften haben die Anwohner inzwischen an die Stadt übergeben. „Die mit der Unterschriftenliste überreichte Stellungnahme werten wir gleichwohl wie eine Anregung und ein Bedenken im Zuge des Auslegungsverfahren, das erst noch folgt“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson.

Das rund 3000 Quadratmeter große Grundstück ist im Besitz der W&M Immobilien GmbH aus Klein Lengden. Sie plant dort zwei fünfgeschossige Stadtvillen mit bis zu 14 Eigentumswohnungen mit einer Größe zwischen 75 und 260 Quadratmetern. Je nach Lage soll der Quadratmeterpreis zwischen 2300 und 2600 Euro liegen. Um das verwirklichen zu können, muss ein bestehender Bebauungsplan aus dem Jahr 1998, der für das Gelände bereits Wohnbebauung vorsieht, geändert werden. Einer Aufstellung dazu hat der Bauausschuss des Rates der Stadt bereits zugestimmt. Die Vermarktung der Wohnungen hat indes bereits, ohne einen Bebauungsplan, der diese Bauweise ermöglichen würde, begonnen. Bei den Anwohnern nährt das die Vermutung, dass die Stadt dem Investor schon vor dem Beginn des eigentlichen Verfahrens Zusagen gegeben hat. Johannson kommentiert: „Zusagen hat der Investor jedenfalls keine, bestenfalls ein Signal durch den einstimmig gefassten Aufstellungsbeschluss. Aber auch der präjudiziert das Verfahren überhaupt nicht.“

Die Stadt habe vorab Gespräche mit mehreren interessierten Investoren geführt und der jetzige Eigentümer habe für das Grundstück „in jedem Fall“ ein Baurecht: entweder nach dem zurzeit noch geltenden Bebauungsplan oder auf Basis des Plans nach Abschluss des gerade angelaufenen Änderungsverfahrens.

Die Anwohner fordern hingegen, den Bebauungsplan von 1998 beizubehalten. Diese sieht nämlich eine ein- und dreistöckige Bebauung im Wechsel vor. Bei einer Überprüfung des geltenden Planungsrechts, hält Johannson dem entgegen, habe man festgestellt, dass diese ein- bis dreigeschossige Bebauung „nicht der gewachsenen Bebauung im Umfeld des Grundstücks“ entspreche. Eine eher kompakte Bauweise sei gefragt, um „den Anforderungen modernen Klimaschutzes gerecht werden zu können“. Zudem sei im städtebaulichen Leitbild 2020 formuliert, für neue Wohnbebauung „integrierte innenstadtnahe Lagen zu nutzen, um neue Versiegelung in Stadtrandbereichen zu vermeiden“.

Die Anwohner kündigten an: „Wir bleiben hartnäckig.“