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Göttingen Angeklagter soll 29-Jährige kurz nach der Hochzeit geschlagen und vergewaltigt haben
Die Region Göttingen Angeklagter soll 29-Jährige kurz nach der Hochzeit geschlagen und vergewaltigt haben
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18:28 18.03.2019
Im Prozess vor dem Landgericht Göttingen wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, seine kurzzeitige Ehefrau geschlagen und vergewaltigt zu haben.
Im Prozess vor dem Landgericht Göttingen wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, seine kurzzeitige Ehefrau geschlagen und vergewaltigt zu haben. Quelle: dpa
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Göttingen

Am zweiten Verhandlungstag eines Vergewaltigungsprozesses vor dem Landgericht Göttingen hat am Montag die kurzzeitige Ehefrau des Angeklagten als Zeugin ausgesagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, die 29-Jährige im November 2016 wenige Wochen nach ihrer nach islamischem Recht vollzogenen Eheschließung in ihrer Göttinger Wohnung geschlagen, mit dem Tode bedroht und vergewaltigt zu haben. Der 35-Jährige hatte am ersten Verhandlungstag die Vorwürfe bestritten.

Sowohl der Angeklagte als auch seine Ex-Frau stammen aus dem kurdischen Teil des Irak. Die 29-Jährige war nach eigenen Angaben 2015 mit ihrem damaligen Mann nach Deutschland gekommen. Noch im gleichen Jahre habe sie sich von ihm scheiden lassen, da er keine Verantwortung übernommen und sich nicht um ihre gemeinsame Tochter gekümmert habe.

Über die Vermittlung eines Bekannten kennen gelernt

Im Herbst 2016 lernte sie den Angeklagten über die Vermittlung eines Bekannten kennen, dem sie erzählt hatte, dass sie Geld für den Geburtstag ihrer zweijährigen Tochter benötige. Der Bekannte habe dann den ihr bis dahin völlig unbekannten Landsmann gebeten, ihr 150 Euro zu übergeben. Der 35-Jährige sei von seinem Wohnort in Bayern mit dem Zug nach Göttingen gekommen, habe ihr am Bahnhof das Geld gegeben, in ihrer Wohnung übernachtet und sei dann am nächsten Tag zurück nach Bayern gefahren.

Drei Tage später habe er ihr am Telefon einen Heiratsantrag gemacht. Sie sei überrascht gewesen, habe aber kurz darauf eingewilligt, berichtete die 29-Jährige. Sie habe den Eindruck gehabt, dass er ein guter Mensch und gut zu ihrer Tochter sei. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob sie verliebt gewesen sei, sagte sie: „Nein“. Für sie sei nicht wichtig gewesen, „dass wir uns lieben, sondern dass er gut zu meinem Kind ist.“ Auch ihren ersten Mann habe sie nicht aus Liebe geheiratet, die damalige Ehe hätten ihr Vater und ihre Geschwister arrangiert.

Wenige Wochen nach erstem Treffen geheiratet

Wenige Wochen nach dem ersten Treffen habe sie dann den 35-Jährigen im Beisein von drei Zeugen in ihrer Wohnung in Göttingen geheiratet. Anders als in ihrem Kulturkreis üblich habe er ihr vor der Hochzeit kein Gold geschenkt. Der Angeklagte habe dies zwar versprochen, das Versprechen aber nicht gehalten. Von Romantik oder Zärtlichkeit konnte ebenfalls keine Rede sein, nach der Eheschließung gab es nicht einmal einen Kuss.

Als der Angeklagte das dritte Mal über das Wochenende nach Göttingen kam, kam es nach Angaben der Zeugin erstmals zum Geschlechtsverkehr, der einvernehmlich gewesen sei. Am folgenden Abend habe der Angeklagte angefangen, eine Flasche Whiskey zu leeren. Es sei dann zum Streit gekommen.

Beleidigt und bedroht

Der 35-Jährige habe sie beleidigt, als Schlampe beschimpft und damit gedroht, sie umzubringen, wenn sie nicht schweige. Später habe er ihr mit der Hand ins Gesicht geschlagen. Sie habe sich zunächst wehren wollen, dann aber aus Sorge um ihre Tochter versucht, ihn zu beruhigen. Der Angeklagte habe jedoch weiter mit der Faust und der Hand auf sie eingeschlagen. Als sie ihm die Füße küssen wollte, „damit er aufhört“, habe er sie getreten, sagte die Zeugin unter Tränen.

Später habe er erklärt, dass er sie „haben“ wolle. Sie habe dann den Geschlechtsverkehr aus Sorge um ihre Tochter über sich ergehen lassen: „Ich wollte nur, dass er aufhört.“ Danach habe sie lange Zeit geweint, sich gewaschen und bis zum Morgen bei ihrer Tochter am Bett gesessen. Am Folgetag habe sie einer Freundin erzählt, dass ihr Mann sie geschlagen habe. Sie seien dann gemeinsam zu ihrem Trauzeugen gegangen, weil sie sich scheiden lassen wollte. Dort trafen sie auf eine deutsche Frau. Diese habe gefragt, wo ihre Verletzungen herkämen, und umgehend die Polizei verständigt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Heidi Niemann