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Göttingen „Ich hab gedacht, dass ich sterben muss“
Die Region Göttingen „Ich hab gedacht, dass ich sterben muss“
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17:00 11.09.2019
Wegen eines Raubüberfalls auf einen Rentner muss sich ein 18-Jähriger am Landgericht Göttingen verantworten. Quelle: r
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Göttingen

Im Prozess um zwei bewaffnete Raubüberfälle hat am Mittwoch ein 79-jähriger Rentner aus einem Ortsteil von Kalefeld (Kreis Northeim) vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt. Einer der Angeklagten, ein ebenfalls in Kalefeld wohnender 18-Jähriger, soll im Februar den Rentner gemeinsam mit einem gleichaltrigen Mittäter in dessen Wohnhaus überfallen haben. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Mittäter wurde inzwischen aus verfahrenstechnischen Gründen abgetrennt, er muss sich demnächst in einem gesonderten Prozess verantworten. Insgesamt müssen sich sieben Angeklagte vor Gericht verantworten, die in unterschiedlicher Besetzung zwei Raubüberfälle in Rittmarshausen und Kalefeld begangen haben sollen.

Der Rentner war damals schwer verletzt worden. „Ich hab gedacht, dass ich sterben muss, als ich am Boden lag“, sagte der 79-Jährige. Laut Anklage soll der nunmehr gesondert verfolgte 18-Jährige dem Rentner, als dieser auf ihr Klingeln hin die Haustür geöffnet hatte, zunächst Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Anschließend soll er den Rentner in die Wohnung gedrückt und ihm mit der Faust ins Gesicht und auf den Steinboden geschlagen haben. Die mit einem Messer bewaffneten Täter hatten erwartet, dass sie in dem Haus viel Geld finden könnten. Beide hätten ungeduldig und verärgert reagiert, als sie merkten, „dass da nichts zu holen war“, sagte der Rentner. Während des Überfalls gelang es ihm unbemerkt, den Hausnotruf zu betätigen. Als wenig später eine Pflegekraft eintraf, sei einer der Täter weggelaufen und habe dabei die Frau umgeschubst. Er sei dann nach draußen gegangen und habe um Hilfe gerufen.

Beckenbruch und Schädelprellung

Der 79-Jährige hatte durch die Gewaltattacken unter anderem einen Beckenbruch und eine Schädelprellung erlitten und musste deshalb eine Woche im Krankenhaus verbringen. Er habe mehrere Monate lang Schmerzen gehabt, berichtete der Rentner. Außerdem sei er seitdem beim Gehen beeinträchtigt, so dass er einen Rollator benutzen müsse.

Nach dem Klinikaufenthalt kam er für rund drei Wochen in Kurzzeitpflege. Das war für ihn ein weiteres traumatisches Erlebnis: „Ich hatte Angst, als ein Betreuer mich gegen meinen Willen in ein Altenheim packte“, sagte er. Er habe zunächst nach Hause fahren wollen, um einige Sachen zu holen. Dies sei ihm jedoch verwehrt worden, stattdessen habe man ihn direkt ins Altenheim gebracht. „Ich vermutete, dass ich da eingesperrt werde“, schilderte der Rentner seine Ängste.

Vertrauen missbraucht

Der Anklage zufolge soll eine 30-jährige Mitangeklagte den Tipp zu dem Überfall gegeben haben. Er kenne die Angeklagte seit fast 20 Jahren, sagte der Rentner. Damals seien häufig Kinder bei ihm auf dem Hof gewesen, um zu reiten. Die zu der Zeit etwa 12 bis 14 Jahre alte Angeklagte habe sich „recht geschickt angestellt“. Vor einiger Zeit sei sie wieder auf dem Hof erschienen und habe ihre Mitarbeit angeboten. Sie habe geholfen, die Pferde zu versorgen, und dafür auch Geld bekommen. Als nach einiger Zeit „das Helfen nachließ“, habe er ihr nichts mehr gezahlt.

Irgendwann fiel ihm auf, dass häufiger manche Sachen nicht aufzufinden waren. Er habe erst gedacht, dass er sie verlegt habe, sagte der Rentner. Erst später sei der Verdacht aufgekommen, dass die 30-Jährige dahinter stecken könnte und sie ihm mehrfach Geld und auch einen Tresorschlüssel geklaut habe.

Die 30-Jährige muss sich wegen dieser Vorwürfe demnächst in einem weiteren Prozess verantworten. Sie soll sich bereits Monate vor dem Raubüberfall die EC-Karte des 79-Jährigen verschafft und damit mehrfach Geld abgehoben haben. Ferner soll sie auf dessen Namen und unter dessen Konto Handy-Verträge abgeschlossen, im Internet eingekauft und an Glücksspielen teilgenommen haben.

Von Heidi Niemann

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