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Göttingen Mord-Prozess: Angeklagter soll unberechtigt Konten seiner Eltern abgeräumt haben
Die Region Göttingen Mord-Prozess: Angeklagter soll unberechtigt Konten seiner Eltern abgeräumt haben
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00:23 11.04.2019
Das Gericht geht der Frage nach, ob der Angeklagte seine Mutter aus Geldnot getötet hat. Quelle: dpa
Göttingen/Herzberg

Aus den Zeugenaussagen geht hervor, dass der 47-Jährige im Herbst 2017 offenbar stark verschuldet war und wiederholt unberechtigt Geld von Konten seiner Eltern abgehoben und Überweisungen getätigt hatte. Die Mutter hatte deshalb sogar einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Bereits einige Jahre zuvor hatten die Eltern mehrfach ihr Testament geändert und verfügt, dass ihr Sohn nicht mehr als Schlusserbe eingesetzt sein sollte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, im September 2017 seine Mutter in ihrem Wohnhaus ermordet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er anschließend die Leiche in eine Blumenbank im Wohnzimmer einbetoniert. Die Polizei hatte die Leiche erst rund sieben Monate später im April 2018 nach einem Zeugenhinweis entdeckt. Der Angeklagte war einige Wochen später in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach seiner Verhaftung hatte er gegenüber der Polizei seinen dementen Vater, der inzwischen in einem Pflegeheim lebt, als Täter bezichtigt.

Mutter hat mehrfach Lastschriften zurückgegeben

Nach Angaben einer als Zeugin geladenen Sparkassenmitarbeiterin hatte die Mutter sich kurz vor ihrem gewaltsamen Tod mehrfach darüber aufgeregt, dass jemand unberechtigt Geld von ihrem Konto abgehoben hatte. Auf die Frage, ob jemand Zugriff auf ihre EC-Karte habe und ihre Geheimzahl kenne, habe sie gesagt: „Ja, mein Sohn.“ Die Kundin habe auch mehrfach Lastschriften zurückgegeben, weil von ihrem Konto unberechtigt Internet-Geschäfte und Überweisungen getätigt worden seien.

Einige Zeit später fiel der Bankmitarbeiterin auf, dass ungewöhnlich viele Transaktionen über das Konto abgewickelt wurden. Dieses sei so tief ins Minus gerutscht, dass fällige Abbuchungen nicht mehr vorgenommen und auch die Rechnungen des Pflegeheims für den dementen Vater nicht mehr beglichen werden konnten. So etwa sei früher nie vorgekommen, berichtete die Zeugin. Die Mutter sei eine bescheidene Frau gewesen, die immer gut mit ihrem Geld ausgekommen sei. Sie habe dann versucht, mit der 74-Jährigen Kontakt aufzunehmen. Es habe sich aber immer nur der Anrufbeantworter gemeldet.

74.Jährige holt sich juristischen Rat

Zwei Wochen vor dem mutmaßlichen Tag ihrer Ermordung suchte die 74-Jährige einen Rechtsanwalt auf und beauftragt ihn damit, den Aufenthaltsort ihres Sohnes zu ermitteln. Nach Angaben des Anwalts hatte sie dies damit begründet, dass dieser auf den Namen und auf Kosten seines dementen Vaters ein Auto gekauft und außerdem 1000 Euro vom Konto seiner Eltern abgehoben habe. Sie habe deswegen auch Strafanzeige gegen ihren Sohn stellen wollen. Eigentlich hatte die 74-Jährige ihm noch den Kaufvertrag für das Auto zusenden wollen. Er habe aber keine Rückmeldung mehr bekommen, sagte der Anwalt. Auch die Adresse ihres Sohnes habe er nicht ausfindig machen können.

Die Polizei Northeim hatte nach der Entdeckung des Gewaltverbrechens umfangreiche Vermögensermittlungen angestellt. Den Beamten fiel dabei auf, dass in der Folgezeit nach dem mutmaßlichen Tattag im September 2017 zahlreiche Überweisungen und Abhebungen von Konten der Eltern vorgenommen worden waren. Insgesamt seien bis zur Festnahme des Angeklagten rund 50 000 Euro von den Konten abgegangen, sagte der ermittelnde Beamte. Bei seiner Festnahme habe er eine EC-Karte seiner Mutter und Ausweisdokumente seiner Eltern bei sich gehabt. Laut Schufa-Auskunft seien die eigenen Konten des Angeklagten mit einem fünfstelligen Betrag in den Miesen gewesen. Außerdem habe gegen ihn eine Steuerforderung des Finanzamtes Starnberg von 19 000 Euro bestanden.

Ursprünglich hatten die Eltern den Angeklagten 1997 in einem ersten Testament als Schlusserben eingesetzt. Später änderten sie das Testament zweimal ab. Laut dem Schreiben einer Notarin wollten die Eltern damit verhindern, dass ihr einziges Kind „das Erbe durchbringt“.

Von Heidi Niemann

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