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Göttingen Am Anfang ging es nur um eine Portion Pommes
Die Region Göttingen Am Anfang ging es nur um eine Portion Pommes
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17:00 15.08.2018
Quelle: dpa
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Göttingen

Am Anfang ging es nur um eine Portion Pommes in einem Imbiss. Am Ende kam es zu einem versuchten Tötungsdelikt – ein Jahr später, völlig überraschend, am helllichten Tag, mitten in der Göttinger Innenstadt, in einem Modemarkt direkt neben einem Kinderwagen, vor den Augen von Kundinnen und Verkäuferinnen. Nicht nur für das Opfer ist die Tat unbegreiflich. „Warum nach einem Jahr dieser Racheakt?“, fragte der 28-jährige Industriemechaniker am Mittwoch bei seiner Zeugenvernehmung vor dem Landgericht Göttingen.

Die beiden Männer kennen sich eigentlich nur flüchtig. Der 28-jährige hatte Anfang 2017 einen Nebenjob in einem Imbiss begonnen, in dem auch der 41-Jährige arbeitete. Nachdem er drei- oder viermal dort gejobbt und die telefonischen Bestellungen entgegengenommen hatte, sei es zu einem Zwischenfall gekommen. Weil bei einer Bestellung die Pommes fehlten, habe er den 41-Jährigen gebeten, ihm noch eine gefüllte Schale zu geben, damit er alles verpacken konnte. Da der 41-Jährige nur eine abweisende Bemerkung gemacht habe, habe er selbst eine Schale genommen, um die Pommes aufzuladen.

„Ich werde dich finden, ich kriege dich noch.“

Daraufhin habe der Angeklagte ihm einen Tritt in die Seite versetzt und die Schale aus der Hand genommen, berichtete der Zeuge. Er habe ihm dann gesagt: „Du kannst mir die Schale wegnehmen, ohne mich zu treten.“ Daraufhin habe der 41-Jährige ihn gepackt und nach unten gedrückt, worauf er ihm aus Reflex einen Schlag ins Gesicht versetzt habe. Danach habe er sich sofort entschuldigt, den 41-Jährigen umarmt, auf die Stirn geküsst und ihm mehrfach gesagt, dass es ihm leidtue. Der Angeklagte habe darauf mit den Worten „Ich kriege dich noch“ reagiert und ihn unentwegt in einer ihm unbekannten Sprache beschimpft. Nach diesem Zwischenfall habe er dann nicht mehr in dem Imbiss gearbeitet.

Ein halbes Jahr später seien sich beide zufällig in einem Laden in Rosdorf begegnet. Der 41-Jährige sei in Begleitung seiner Frau und mehrerer Kinder gewesen, während er gemeinsam mit seiner Freundin und der gemeinsamen kleinen Tochter unterwegs war, sagte der Zeuge. Der Angeklagte habe ihm erst die Hand gegeben und dann gesagt: „Ich werde dich finden, ich kriege dich noch.“ Er sei darüber sehr erschrocken gewesen. „Warum bedrohst du mich vor meiner Familie?“, habe er den Angeklagten gefragt. Dieser sei auf sein Angebot, ihn zu besuchen und die Sache bei einem Tee im Guten zu klären, nicht eingegangen.

Angriff beim Einkaufsbummel

Etwa ein Vierteljahr später machte der 28-Jährige gemeinsam mit seiner Freundin und der kleinen Tochter einen Einkaufsbummel in Göttingen. Während seine Freundin sich in einem Modemarkt Kleider anschaute, habe er mit dem Kind gespielt. Plötzlich habe er gespürt, „dass was passiert“. Für einen Sekundenbruchteil habe er den 41-Jährigen gesehen, dann nicht mehr. Er habe daraufhin mit seinem Handy die Notrufnummer 110 gewählt. Da er sich jedoch nicht sicher gewesen sei, habe er sofort wieder aufgelegt. Plötzlich hätten sich hinter ihm Kleiderbügel bewegt, der Angeklagte sei auf ihn zugesprungen und habe auf ihn eingeschlagen. Erst beim dritten Schlag habe er bemerkt, dass der Angreifer ein Messer in der Hand hatte und die Schläge Stiche waren.

Er habe dann seiner Freundin zugerufen, dass sie mit dem Kind schnell herauslaufen sollte. Der 41-Jährige habe danach noch mehrmals von hinten auf ihn eingestochen. Er sei dann auf die Straße geflüchtet, wo der Angeklagte ihn weiter durch die Fußgängerzone verfolgte und dabei immer wieder das Messer schwang. Passanten gelang es schließlich, den 41-Jährigen zu stoppen und von der Verfolgung abzuhalten. Wenig später nahm die Polizei den 41-Jährigen fest. Er sitzt seither in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Untersuchungshaft.

Acht potenziell lebensbedrohlich Stiche

Der 28-Jährige kam mit dem Rettungswagen in die Uni-Klinik. Er hatte acht Stichverletzungen unter anderem in Brust, Oberschenkel, Hüfte, Schulter und Hals, die laut Anklage potenziell lebensbedrohlich waren. Auch die psychischen Folgen sind erheblich. Der 28-Jährige ist nach eigenen Angaben seitdem sehr schreckhaft und guckt sich ständig nach hinten um. „Was ich nicht verstehe: Warum können wir nicht reden?“ fragte er fassungslos. Der Prozess wird voraussichtlich bis Mitte September dauern.

Von Heidi Niemann

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