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Göttingen Unschuld nicht erwiesen – Angeklagter dennoch freigesprochen
Die Region Göttingen Unschuld nicht erwiesen – Angeklagter dennoch freigesprochen
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17:53 09.07.2018
Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Die Kammer geht zwar davon aus, dass der Angeklagte eine Tochter seiner Ex-Frau über Jahre hinweg missbraucht hat. Und: „Es ist kein Freispruch wegen erwiesener Unschuld“, betonte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Die Kammer habe den Angeklagten aber aus tatsächlichen Gründen freisprechen müssen, weil die betroffene Zeugin die angeklagten Taten nicht so exakt habe schildern können, wie es für eine Verurteilung erforderlich sei.

Angeklagter soll Mädchen mehrfach missbraucht haben

Mit seinem Urteil folgte das Gericht den gleich lautenden Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Auch die Staatsanwaltschaft war am Ende der Beweisaufnahme zu dem Schluss gekommen, dass die vier in der Anklage aufgeführten Taten nicht nachweisbar seien. Die Strafverfolgungsbehörde hatte dem 49-Jährigen vorgeworfen, im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 die damals zwölf beziehungsweise 13 Jahre alte Tochter seiner Ex-Frau in seiner Wohnung in einem Ortsteil von Einbeck mehrfach missbraucht zu haben. Bei einem Vorfall soll er nach einem sexuellen Übergriff auf ihren Rücken ejakuliert haben. „Dass sich so etwas mal ereignet hat, davon gehen wir aus“, sagte der Vorsitzende Richter. Es habe sich aber nicht genau klären lassen, wann dies gewesen sei.

Im Kern glaube man der Zeugin, sagte Kalde. Das Gericht sei überzeugt, dass ihre Schilderungen grundsätzlich erlebnisbasiert seien. Sie habe glaubhaft immer gleiche Tatgeschehen geschildert. Die Kammer wisse aus vielen anderen Verfahren, dass es bei sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Missbrauchstaten für Betroffene häufig schwierig sei, sich genau an einzelne Taten zu erinnern. „Das ist eine sehr bittere Erkenntnis“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Rechtsprechung verlange aber den konkreten Nachweis von Einzeltaten, die sich voneinander abgrenzen lassen.

Angeklagter hat Vorwürfe zurückgewiesen

Anders als von der Verteidigung behauptet, sah das Gericht keine Anhaltspunkte dafür, dass die von der heute 17 Jahre alten Tochter seiner Ex-Frau geschilderten Missbrauchstaten auf Eigensuggestion beruhten. Sie habe den 49-Jährigen auch nicht absichtlich falsch beschuldigt, dafür gebe es kein Motiv. Der Angeklagte selbst hatte zu Beginn des Prozesses die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Polizei hatte damals im Zuge ihrer Ermittlungen auch seine Wohnung durchsuchen lassen und dort Dateien mit kinderpornografischen Inhalten sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft Hannover leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein, das zwischenzeitlich mit Blick auf das jetzt verhandelte Verfahren eingestellt wurde. Die Staatsanwaltschaft will jetzt prüfen, ob sie gegen den Angeklagten möglicherweise weitere Ermittlungen einleitet.

Von Heidi Niemann

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