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Göttingen Prozess in Göttingen fortgesetzt
Die Region Göttingen Prozess in Göttingen fortgesetzt
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20:49 22.10.2018
Prozess vor Landgericht. Quelle: dpa
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Göttingen/Gittelde

Im Prozess um einen Raubüberfall auf eine Sparkassenfiliale in Gittelde hat das Landgericht Göttingen am Montag eine Ehefrau und eine Nachbarin eines der drei Angeklagten als Zeugen gehört. Im Kern ging es dabei um die Frage, wo das Geld aus dem Überfall geblieben ist. Die Polizei war bei ihren Ermittlungen darauf gestoßen, dass die Ehefrau des 50-jährigen Angeklagten aus Bad Oldesloe nach dem Überfall im Januar mehrfach Bargeldbeträge auf ihr Konto eingezahlt hatte. Nach Angaben der beiden Zeuginnen stammte das Geld jedoch aus einer anderen Quelle. Demnach hatte die Nachbarin der mit ihr befreundeten Ehefrau damals 3500 Euro geliehen, damit diese Mietrückstände und andere Rechnungen begleichen konnte.

In dem Prozess müssen sich neben dem 50-jährigen Metallbauer aus Bad Oldesloe noch ein 61-jähriger Mann aus Hanau und ein 44-jähriger Anlagen- und Maschinenführer aus Eisenach wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Laut Anklage soll der 44-Jährige bei dem Überfall Anfang Januar im Fluchtauto gewartet haben, während die beiden Komplizen mit Schal und Tuch maskiert die Filiale betraten und „Überfall, Geld her!“ riefen. Der 50-Jährige habe die Filialleiterin und eine Kundin mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole bedroht und ihnen wiederholt mit der Waffe auf den Kopf geschlagen. Da sich aus technischen Gründen der Tresor nicht öffnen ließ, erbeuteten die Angeklagten lediglich Hartgeld im Wert von rund 2200 Euro aus einer Schublade sowie die Geldbörse einer Kundin mit 200 Euro.

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Die Ehefrau des 50-Jährigen hatte in der Folgezeit mehrfach an einem Geldautomaten Bar-Beträge eingezahlt. Die Nachbarin gab an, dass sie im Januar dreimal Geld von ihrem Konto abgehoben und ihrer Freundin geliehen habe. Das Geld sei auch als Entlohnung für deren Ehemann gedacht gewesen, weil dieser ihr bei Umbauarbeiten in ihrer Wohnung geholfen habe. „Das sollte verrechnet werden.“ Dazu sei es aber nicht mehr gekommen. Als sie in die Wohnung einzog, sei der 50-Jährige „nicht mehr da“ gewesen. Fahnder hatten ihn rund vier Wochen nach dem Überfall in Bad Oldesloe verhaftet. „Das kam aus heiterem Himmel, wir waren alle geschockt“, sagte die Ehefrau.

Die Polizei hatte damals eine Dreiviertelstunde nach dem Überfall in der Nähe von Northeim den 61-jährigen Angeklagten mit dem Fluchtauto entdeckt und nach kurzer Verfolgung festgenommen. Während des Überfalls soll dagegen der 44-Jährige aus Eisenach in dem Auto gesessen und auf seine Komplizen gewartet haben. Dieser ist ebenso wie die anderen Angeklagten vielfach vorbestraft, unter anderem wegen diverser Verkehrsdelikte. Zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Leipzig im April in einer Berufungsverhandlung wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahrens ohne Führerschein zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der 44-Jährige, der noch nie eine Fahrerlaubnis besessen hat und sich stattdessen einen gefälschten litauischen Führerschein besorgt hatte, war Ende 2015 nach dem Konsum von Crystal Meth mit einem geliehenen Pkw von Prag in Richtung Eisenach gefahren. Bei Leipzig raste er dann auf der A 38 mit 150 Kilometern pro Stunde in einen Sattelanhänger.

Der 44-Jährige erlitt bei dem Unfall diverse schwere Verletzungen und bekam in der Folge ein künstliches Hüftgelenk. Auch der 61-jährige Mitangeklagte ist nicht gut auf den Beinen, er kommt stets mit einem Rollator zur Verhandlung. Der Prozess wird Anfang November fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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