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Göttingen Prozess um einbetonierte Leiche: Dementer Vater als Täter?
Die Region Göttingen Prozess um einbetonierte Leiche: Dementer Vater als Täter?
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19:06 28.02.2019
Prozessfortsetzung um Tötungsdelikt in Herzberg. Quelle: Christina Hinzmann
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Herzberg / Göttingen

Der demenzkranke Mann sei immer ausgesprochen freundlich gewesen und nie ärgerlich geworden, berichtete eine Pflegedienstleiterin. Der Ehemann der Ermordeten war ab Anfang 2017 in ihrer Einrichtung in Tagespflege gewesen, ehe er auf Veranlassung seines heute 47 Jahre alten Sohnes in ein Heim kam. Die Staatsanwaltschaft wirft diesem vor, im September 2017 seine Mutter getötet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen.

Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei seinen dementen Vater als Täter bezichtigt. In seiner Vernehmung gab er an, dass er nach einem Spaziergang seine Mutter im Wohnzimmer seines Elternhauses in Herzberg am Boden liegend vorgefunden habe. Sein Vater habe mit blutverschmierten Händen vor den Sofa gestanden, neben ihm zwei Metallbügeleisen. Als er festgestellt habe, dass seine Mutter nicht mehr atmete, habe er seinen Vater gewaschen, neu eingekleidet und in ein Pflegeheim gebracht. Da er Angst gehabt habe, dass man ihm wegen seiner Vorstrafen nicht glauben würde, habe er sich dann entschlossen, die Leiche der Mutter verschwinden zu lassen.

Leiche nach Zeugenhinweis entdeck

Die Polizei hatte die Leiche erst rund sieben Monate später im April 2018 nach einem Zeugenhinweis entdeckt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass nicht der Ehemann, sondern der Sohn den Mord begangen hat. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er anschließend die Leiche in eine Blumenbank im Wohnzimmer einbetoniert.

Nach Angaben der Pflegekräfte war der demenzkranke Ehemann zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt im September 2017 recht „wackelig auf den Beinen“ und hatte einen schleppenden, schlurfenden Gang. Er habe viel von seiner Frau gesprochen, berichtete die Krankenschwester, die ihn regelmäßig in der Tagespflege erlebt hatte. „Er wollte ihr immer helfen und immer bei ihr sein.“ Der Ehemann habe keinerlei aggressives Verhalten gezeigt, sondern sei ausgesprochen herzlich gewesen. Sie charakterisierte ihn als „zuckersüß-dement“.

Angeblich Sorge um die Mutter

Der Angeklagte hatte nach ihren Angaben im September mehrfach mit ihr per Chat kommuniziert und erklärt, dass er seinen Vater gern stationär unterbringen würde. Einmal habe er die Sorge geäußert, dass sein Vater seine Mutter schubsen könnte „und Schlimmeres passiert“. Für ein solches Verhalten habe es aber keinerlei Anhaltspunkte gegeben, sagte die Pflegedienstleiterin. Nachdem der Vater in ein Heim gekommen war, habe der Angeklagte ihr mitgeteilt, dass seine Mutter bei ihm in Dänemark sei und es ihr gut gehe. Tatsächlich war sie zu diesem Zeitpunkt tot.

Auch gegenüber diversen Nachbarn hatte der Angeklagte erklärt, dass er seine Mutter mit nach Skandinavien nehmen werde. Einer der Zeugen hatte an einem früheren Prozesstag berichtet, dass sich die 74-Jährige kurz vor ihrer Ermordung darüber aufgeregt habe, dass ihr Sohn auf den Namen ihres dementen Ehemannes ein Auto gekauft und dabei die Unterschrift gefälscht habe. Sie habe sich über die monatlichen Raten von 450 Euro für das Auto sowie über das teure Hundefutter für dessen Huskies geärgert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, seine Mutter getötet zu haben, weil er verschuldet gewesen sei und weiter von dem Geld seiner Eltern habe leben wollen.

Von Heidi Niemann

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