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Göttingen Prozess um falsche Goldbarren: Angeklagter widerspricht sich – Strafbefehl gegen Mutter
Die Region Göttingen Prozess um falsche Goldbarren: Angeklagter widerspricht sich – Strafbefehl gegen Mutter
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15:39 29.10.2019
Der Angeklagte (Mitte) soll der Sparkasse Göttingen im Jahr 2016 in zehn Fällen wertlose vergoldete Barren und Münzen als echtes Gold verkauft und dafür 300.000 Euro kassiert haben. Quelle: dpa
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Göttingen

Wegen eines ungewöhnlichen Betrugsfalls muss sich seit Dienstag ein 21-jähriger Auszubildender vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, der Sparkasse Göttingen im Herbst 2016 in zehn Fällen gefälschte Goldbarren und Goldmünzen als Echtgold verkauft zu haben.

Die Sparkasse hatte ihm die lediglich mit Gold überzogenen Barren und Münzen, die er zuvor günstig im Internet ersteigert hatte, jeweils zum tagesaktuellen Goldpreis abgekauft. Auf diese Weise soll der damals 18 Jahre alte Realschulabsolvent, der zu der Zeit bei seiner Mutter wohnte und nach eigenen Angaben lediglich ein monatliches Taschengeld von 15 Euro erhielt, innerhalb von zwei Monaten rund 300.000 Euro eingestrichen haben. Die Staatsanwaltschaft wertet die Taten als gewerbsmäßigen Betrug.

Mutter erscheint nicht vor Gericht

Eigentlich hätte auch die Mutter des Angeklagten vor Gericht erscheinen müssen. Diese ist wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs angeklagt. Da die Mutter trotz Ladung nicht zum Prozess erschien, erließ das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen sie einen Strafbefehl. Die Produktionshelferin soll eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 30 Euro (insgesamt 2100 Euro) zahlen.

Goldbarren über Ebay-Konto erworben

Laut Anklage soll sie gemäß einem gemeinsamen Tatplan über ihr Ebay-Konto drei weitere vergoldete Barren erworben und dann versucht haben, diese der Sparkasse als Massivgold zu verkaufen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wollte sie einen Verkaufspreis von rund 2500 Euro erzielen. Diesmal lehnte das Geldinstitut den Ankauf allerdings ab, weil inzwischen Ermittlungen gegen ihren Sohn angelaufen waren.

Die Polizei hatte drei Wochen vor dem gescheiterten Verkaufsversuch im Dezember 2016 bei dem Sohn eine Durchsuchung vorgenommen. Drei Tage zuvor soll der Angeklagte der Sparkasse noch 80 vergoldete Barren für 87 840 Euro verkauft haben. Den ersten Verkauf hatte er laut Anklage Ende September 2016 getätigt, damals hatte er für vier goldbeschichtete Barren und eine vermeintliche Krügerrand-Münze 5785 Euro erhalten.

Insgesamt 301.984 Euro von der Sparkasse erhalten

In den folgenden Wochen hatte er seine An- und Verkaufsaktivitäten mit Falschgold ausgeweitet und insgesamt 301.984 Euro von der Sparkasse erhalten. Der Angeklagte habe damit einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeigeführt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Nachdem die Fälschungen aufgeflogen waren, hatten die Behörden noch rund 183.000 Euro sicherstellen können. Die Staatsanwaltschaft strebt an, dass auch der Restbetrag von 118.000 Euro eingezogen wird.

Verteidiger Wulf Gornickel erklärte, dass die Vorwürfe „nicht bestritten“ würden. Seinem Mandanten sei das Ganze peinlich. Der Angeklagte selbst machte trotz allen guten Zuredens der Vorsitzenden Richterin Kathrin Ohlemacher nur wenige Angaben. Er sammele Münzen, seit er neun oder zehn Jahre alt sei, erklärte er. Über dieses Hobby war er dann auch im Internet auf eine Plattform geraten, auf der vergoldete Barren und Münzen angeboten wurden.

Widersprüchliche Antworten

Auf die Frage, ob ihm klar gewesen sei, dass es sich um Fälschungen handelte, gab er widersprüchliche Antworten. „Da stand nicht, dass die falsch sind“, sagte er. Ob er sicher sei, dass die Barren nicht als „plated“, also lediglich mit Gold überzogen, angeboten wurden? „Sicher bin ich nicht.“ Was habe er geantwortet, als man ihn bei der Sparkasse fragte, woher das Gold stimme? „Dass ich das geerbt habe.“ Warum habe er gelogen? Keine Antwort. Was habe er mit dem Geld vorgehabt? „Einfach sparen.“ Habe er sich auch etwas gekauft? „Einen neuen Computer, ein Handy, Münzen.“

Gegenüber der Polizei hatte er ausgesagt, dass die Barren im Internet als fehlerhaft oder falsch angepriesen worden waren. Daran könne er sich nicht erinnern, erklärte er nun. Da sich der Angeklagte wenig aufklärungswillig zeigte, vertagte das Gericht die Verhandlung auf Mitte November. Beim nächsten Prozesstermin soll der ermittelnde Beamte als Zeuge vernommen werden.

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