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Göttingen Geruchsspur führte zu Haus des Angeklagten
Die Region Göttingen Geruchsspur führte zu Haus des Angeklagten
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18:16 22.03.2017
Quelle: dpa
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Göttingen

Die Ermittler hatten unter anderem einen so genannten Mantrailer angefordert. Dies sind speziell ausgebildete Spürhunde, die darauf trainiert sind, die individuelle Geruchsspur eines Menschen zu verfolgen.

In diesem Fall hatte ein von der Polizei in Nordrhein-Westfalen „ausgeliehener“ Hundeführer seinem Schwarzwälder Schweißhund namens „Miss Elli“ zunächst eine Socke des tatverdächtigen Ex-Freundes der Getöteten als Geruchsträger vor die Nase gehalten. Der Hund hatte danach am mutmaßlichen Tatort die Geruchsspur des 29-Jährigen aufgenommen. Von dort war er dann durch einen Park und eine Wohnsiedlung bis zu einem Mehrfamilienhaus gegangen, in dem auch der Angeklagte eine Wohnung hatte.

In dem Prozess muss sich der 29-Jährige wegen Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seiner Ex-Freundin im August vergangenen Jahres abends aufgelauert zu haben. Die 23-Jährige hatte sich wenige Tage zuvor nach siebenmonatiger Beziehung von ihm getrennt. Im Verlauf eines Streits habe er dann achtmal auf die eingestochen. Die schwerverletzte Frau war anschließend laut um Hilfe schreiend eine Straße heruntergelaufen und dann zusammengebrochen. Sie verstarb noch in der Nacht im Krankenhaus.

Der Mantrailer war dann auch noch in das Mehrfamilienhaus in Hardegsen hineingegangen. Aufgrund eines Umzuges habe die Haustür offen gestanden, berichtete der Hundeführer. Der Hund sei dann im Erdgeschoss in einen Flur abgebogen und zu zwei nebeneinander liegenden Wohnungstüren gegangen. Hinter einer dieser Türen soll sich den Ermittlungen zufolge die Wohnung des Angeklagten befinden.

Die Polizei hatte außerdem zwei Spürhunde eingesetzt, die auf menschliche Verwesungsgerüche trainiert sind. Hierzu gehört unter anderem auch der Geruch von Blut. Ein Hund zeigte bei zwei Handtüchern, die sich im Bad des Angeklagten befunden hatten, eine entsprechende Geruchsspur an. Bei der Absuche rund um den mutmaßlichen Tatort habe der Hund dagegen kein Anzeigeverhalten gezeigt, sagte eine der beiden Polizistinnen, die mit ihren Hunden bei der Spurensuche im Einsatz waren.

Die Verteidiger machten geltend, dass Hunde kein Beweismittel seien. Gleich zu Beginn der Verhandlung stellten sie außerdem einen Befangenheitsantrag gegen die Richter. Anlass ist eine Durchsuchung, die vor wenigen Tagen bei einem Bekannten des Angeklagten vorgenommen wurde. Zuvor hatte es Hinweise gegeben, dass dieser dem Angeklagten geholfen haben soll, das Tatmesser verschwinden zu lassen. Nach Ansicht der Verteidigung basieren die Hinweise ausschließlich auf Gerüchten, die bereits seit zwei Monaten kursierten.

Dass das Gericht ein Gerücht zum Anlass genommen habe, einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte anzuordnen, wecke Zweifel an der Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit der Kammer. Eine Entscheidung über den Befangenheitsantrag steht noch aus. pid-nie