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Göttingen Prozess um tödliche Messerattacke
Die Region Göttingen Prozess um tödliche Messerattacke
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17:13 21.03.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Dort hatte auch der 44-jährige Mann gewohnt, der im August vergangenen Jahres schwer verletzt in einer Göttinger Apotheke zusammengebrochen und kurz darauf gestorben war. In dem Prozess muss sich ein bereits vielfach vorbestrafter 38-jähriger Mann aus Göttingen wegen Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, dem 44-Jährigen im Verlauf eines Streits vor einer Gaststätte ein Messer so tief in den Bauch gestochen zu haben, dass der Magen durchstoßen wurde.

Der Polizist war einen Tag nach dem Vorfall wegen anderer Ermittlungen in dem Wohnkomplex gewesen. Er sei dort inzwischen „bekannt wie ein bunter Hund“, meinte der Beamte. An dem Tag habe ihn ein aus Rumänien stammender Mann angesprochen, den er von früheren Verfahren her kannte. Da er der einzige rumänisch sprechende Göttinger Polizist sei, sei er mehrfach bei dessen Vernehmungen dabei gewesen und habe übersetzt. Der Mann habe ihn angesprochen und zunächst gefragt, wie es dem Opfer gehe. Dann habe er erklärt, dass er alles beobachtet habe.

Er habe dies zunächst nicht geglaubt, sagte der Polizeibeamte. In dem Wohnkomplex kursierten regelmäßig Geschichten von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt. Der Mann habe aber auf seiner Behauptung beharrt und Details geschildert, die zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen gepasst hätten. Demnach will er von einem benachbarten Laden aus beobachtet haben, wie der spätere Täter und der 44-Jährige vor einem Imbiss aufeinandertrafen. Der Täter sei vom Rad gestiegen und habe mit Fäusten auf den 44-Jährigen eingeschlagen.

Dieser habe sich mit Reizgas verteidigt. Daraufhin habe der Angreifer mit einem Messer auf den 44-Jährigen eingestochen und sei mit dem Rad davongefahren. Er sei dann zu dem Opfer hingegangen und habe gefragt, was los sei. Der 44-Jährige habe sein T-Shirt hochgehoben und eine Wunde im Bauch gezeigt. Er habe ihn dann zur Apotheke begleitet. Dort erlag der 44-Jährige kurz darauf seinen schweren Verletzungen.

Als der mutmaßliche Augenzeuge später bei der Polizei noch einmal im Rahmen einer förmlichen Vernehmung befragt wurde, habe dieser den Tathergang allerdings etwas anders geschildert, sagte der Polizist. Bei der Lichtbildvorlage habe er das Opfer, nicht aber den Angeklagten erkannt.

Nach Angaben der Freundin des Opfers, die ebenfalls als Zeugin aussagte, war der 44-jährige als Drogendealer tätig gewesen. Auch dem Angeklagten habe er ständig Drogen verkauft, sagte die 25-Jährige. Ihr Freund habe ihr erzählt, dass der Angeklagte damit gedroht habe, ihn abzustechen. Kurz bevor ihr Freund getötet wurde, habe sie eine Haftstrafe angetreten. Sie sei dann später im Gefängnis von einer Schwägerin des Angeklagten bedroht worden, die dort ebenfalls inhaftiert gewesen sei. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Heidi Niemann