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Göttingen Prozess wegen versuchten Totschlags: Schuss soll sich versehentlich gelöst haben
Die Region Göttingen Prozess wegen versuchten Totschlags: Schuss soll sich versehentlich gelöst haben
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18:47 12.08.2013
Von Jürgen Gückel
Wegen Schusses auf Bruder angeklagt: Mehmet D. mit seinen Verteidigern Matthias Wuttke und Markus Fischer (von links). Quelle: Heller
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Hardegsen/Göttingen

Der aber, so behauptet der Angeklagte, sei mit einem Messer auf ihn zugekommen. Deshalb habe er seine Pistole zur Verteidigung gezogen und es habe sich versehentlich ein Schuss gelöst.

Das Opfer war am Tattag kurz nach 22 Uhr im Eingangsbereich seiner Pizzeria gegenüber dem Hardegser Rathaus von der Kugel in Oberarm und Brust getroffen worden. Zuvor hatte das Projektil die Glasscheibe der Eingangstür durchdrungen. Dank einer Notoperation wurde das Leben des Opfers gerettet.

Auseinandersetzung mit ältestem Bruder

Hintergrund des blutigen Familienstreits sind lange anhaltende Auseinandersetzungen mit dem ältesten Bruder der aus der Türkei stammenden Familie. Dieser, also der Angeklagte, soll den jüngeren Bruder über Jahre als Mitarbeiter in seinem Dönergrill in Northeim ausgenutzt haben, soll den Imbiss wegen Alkohol und Spielsucht ruiniert haben und soll sich einerseits um seine Kinder aus drei Beziehungen nicht kümmern, andererseits den ältesten seiner Söhne misshandelt haben. Deshalb habe es schon lange Streit gegeben, der bis hin zu gegenseitigen Todesdrohungen gereicht habe. Das spätere Opfer habe unter anderem dafür gesorgt, dass der Sohn des Bruders in eine Pflegefamilie gekommen sei. Dafür sei er von diesem gehasst worden und es sei tödliche Rache geschworen worden.

Das Geständnis des Angeklagten war gegenüber der verlesenen Anklage insofern verwirrend, als der Angeklagte behauptet, am Tatabend seien auch noch ein weiterer Bruder sowie ein Neffe in dem Lokal in Hardegsen gewesen. Das bestritt das Opfer zunächst. Auch eine Mitarbeiterin Achmed D.s sagte aus, „definitiv“ mit diesem allein gewesen zu sein.

Ermittlungsverfahren eingestellt

Auch wird in dem von der Verteidigung verlesenen Geständnis behauptet, der Angeklagte sei mit einem Bekannten am Tatort gewesen. Dieser könne bezeugen, dass das spätere Opfer mit einem Messer auf den vor der Pizzeriatür stehenden Angeklagten zugelaufen sei. Schon vorher war in dem Familienstreit ein Messer im Spiel, behauptet der Angeklagte.  Bruder Achmet habe einmal mit einem Messer auf seine Haustür in Northeim eingestochen.Ein Ermittlungsverfahren wurde aber eingestellt.

Achmed hatte angegeben, mit der Faust auf die Tür eingeschlagen zu haben.

Während das Tatopfer noch am Vormittag behauptet hatte, der dritte Bruder lebe in England und der Neffe, Sohn seiner Schwester, sei nie in Deutschland gewesen, musste sein Nebenklagevertreter nach der Mittagspause einräumen: Es waren zur Tatzeit Bruder und Neffe doch im Lokal – so, wie es der Angeklagte in seinem Geständnis gesagt hatte. Offenbar hatte das Opfer gelogen, weil sich beide Angehörigen vermutlich illegal in Deutschland aufhalten.