Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Prozessauftakt zum Millionenbetrug bei Otto Bock
Die Region Göttingen Prozessauftakt zum Millionenbetrug bei Otto Bock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 28.03.2011
Von Matthias Heinzel
Um mehr als 3,1 Millionen Euro betrogen: die Otto-Bock-Gruppe. Gestern war der Prozessauftakt vor dem Göttinger Landgericht.
Um mehr als 3,1 Millionen Euro betrogen: die Otto-Bock-Gruppe. Gestern war der Prozessauftakt vor dem Göttinger Landgericht. Quelle: Blank
Anzeige

Der Mann, ein türkischer Staatsbürger, sitzt seit seiner Festnahme vor gut fünf Monaten wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, als Ingenieur in der Klimatechnik-Firma seiner Ehefrau zwischen 2005 und 2010 Otto-Bock-Firmen, für die sie ausschließlich tätig war, überhöhte Rechnungen ausgestellt zu haben. Sein Komplize, ein Otto-Bock-Mitarbeiter, habe einer kriminellen Absprache gemäß die getürkten Rechnungen abgezeichnet, so dass die überhöhten Forderungen auch bezahlt wurden. Der Otto-Bock-Angestellte soll dafür zehn Prozent der jeweiligen Rechnungssummen erhalten haben – insgesamt eine halbe Million Euro. Der Schaden für die Duderstädter Firmengruppe wird auf gut 3,1 Millionen Euro beziffert. Die Staatsanwaltschaft geht zudem davon aus, dass dem Angeklagten und nicht seiner Ehefrau die tatsächliche Geschäftsführung der Klimatechnikfirma oblag.

Zum Prozessauftakt schlug das Gericht vor, den Mann im Gegenzug für ein prozessverkürzendes Geständnis für nicht mehr als fünf Jahre hinter Gitter zu schicken. Nach längerer Beratung mit seinen Anwälten lehnte der 77-Jährige dies jedoch ab. Stattdessen ließ er dem Gericht über seinen Rechtsvertreter mitteilten, die Rechnungen seien nicht überhöht gewesen. Den geforderten und bezahlten Rechnungen hätten in voller Höhe tatsächliche Leistungen zu Grunde gelegen. Davon habe es nur zwei kleine Ausnahmen gegeben, mit denen er jedoch nicht bezahlte Ingenieurleistungen ausgeglichen habe.

Die Prozedur sei notwendig geworden, nachdem es 2009 in seiner Klima- und Lüftungstechnikfirma und in der Folge bei Otto Bock eine Sonderprüfung gegeben habe. Vorher seien nur Abschlagszahlungen ohne Detailrechnungen erfolgt, die nach der Sonderprüfung jedoch hätten nachgeliefert werden müssen. Dabei sei es zu Ungenauigkeiten gekommen.