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Göttingen Radioaktives Material aus Uni auch in Asse
Die Region Göttingen Radioaktives Material aus Uni auch in Asse
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19:11 03.11.2010
Von Gerald Kräft
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Der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband fordert die Verwaltung in einem Antrag an das Studierendenparlament auf, den Verbleib aller radioaktiver Abfälle aufzuklären. Der Göttinger SDS habe Hinweise darauf, dass Atommüll der Uni von 1969 bis 1978 in mehr als 140 Fässern unter anderem in das Versuchsendlager Asse II bei Wolfenbüttel geliefert worden sei, erklärte der Studentenverband gestern. Die Transporte habe die Hanauer Firma Transnuklear und die Essener Gesellschaft für Nuklearservice übernommen. Abfälle wie Zement, Asche, Papier, Glas und Kleidung seien aus dem Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie und dem Institut für Mikrobiologie gekommen.

Die Abfälle hätten radioaktives Jod, Tritium, Kohlenstoff und Chrom enthalten, so der SDS. Der für die Göttinger Transporte verantwortliche Transnuklear-Mitarbeiter sei im Zuge des Transnuklear-Skandals vom Hanauer Landgericht 1990 wegen Veruntreuung zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Er sei nach Erkenntnissen des Gerichts an der Beschaffung von Schmiergeldern für leitende Mitarbeiter von Atommüllproduzenten beteiligt gewesen.

Das Land gebe der Universität den Entsorger vor, sagte Uni-Sprecher Bernd Ebeling. Wo radioaktives Material hinkomme und hingekommen sei, könne die Uni nicht sagen. Sie gehe aber davon aus, dass die Entsorgung sachgerecht geschehe. Im Jahr fallen Ebeling zufolge rund eine Tonne überwiegend kurzlebige radioaktive Stoffe an. In einem Sammellager der Uni klingen die Stoffe ab. 300 Kilogramm schwach- und mittelradioaktive Abfälle würden jährlich abtransportiert, derzeit durch die Gesellschaft für Nuklearservice.

Die Entsorgung der schwach radioaktiven Abfälle des Instituts prüfe, genehmige und überwache seit jeher das Gewerbeaufsichtsamt Göttingen, erklärte das Max-Planck-Institut. 1976 sei dem Institut die Entsorgung durch die Firma Transnuklear genehmigt worden. Der endgelagerte Abfall bis 1986 entspreche dem Volumen von 15 Fässern. Seit 1987 sei die Firma Amersham, heute Nuclitec, tätig.