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Göttingen Rainbow-Tour: Mängel am Bus bereits bekannt
Die Region Göttingen Rainbow-Tour: Mängel am Bus bereits bekannt
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18:53 27.07.2011
Von Jürgen Gückel
Blank geputztes Nummernschild: Wo einst die Tüv-Plakette saß, leuchtet es weiß am Kennzeichen.
Blank geputztes Nummernschild: Wo einst die Tüv-Plakette saß, leuchtet es weiß am Kennzeichen. Quelle: Gückel/Montage: Pohl
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Göttingen/Norderstedt

Peter B., Inhaber des von Rainbow-Tours beauftragten Unternehmens aus Norderstedt, bestätigte: Der Bus war am 16. Juli zur Hauptuntersuchung beim Tüv, obwohl die Plakette noch bis zum Dezember 2011 gültig war. Dabei wurden Verschleißschäden an der Nachläuferachse festgestellt. Während der Tüv diese Mängel gestern als „gravierend“ bezeichnete, gab er dem Unternehmen lediglich auf, den Bus binnen vier Wochen neu vorzustellen. Statt den Schaden zu beheben, fuhr er nach Spanien.

In der Baustelle bei Nörten, so B., habe der Fahrer dann ein „schwammiges Fahrverhalten“ bemerkt und eine Werkstatt angesteuert. Die Geräusche, die dazu geführt hatten, dass die Polizei den Bus kontrollierte, habe der Fahrer wegen „der lärmenden Rainbower an Bord“ nicht gehört. Ein Sachverständiger stellte fest: Mehrere Radbolzen fehlten, andere waren lose und die Radnabe beschädigt. Dennoch sagte B. gestern: „So wie der Bus beim Tüv war, hätte man ihn noch einmal um die Welt schicken können.“ Er sei sich keines Versäumnisses bewusst. Dass Radbolzen brechen, könne immer vorkommen. Ulrich Becker, Justiziar des ADAC, dazu: „Der Unternehmer hat unverantwortlich gehandelt. Die vierwöchige Nachfrist entlasten ihn nicht. Wenn gravierende Mängel vom Tüv festgestellt worden sind, dann hätte er das Fahrzeug nicht einsetzen dürfen.“

Unterdessen hat Rainbow-Tours mitgeteilt, dieses Busunternehmen nicht wieder einsetzen zu wollen. Sprecher Rüdiger Heck: „Das ist ein absolutes No-Go. Wir würden das niemals tolerieren.“ Rainbow-Tours hatte behauptet, maximal drei Jahre alte Busse von Fremdunternehmen zu akzeptieren. Der gestoppte Bus war Baujahr 2001 und hatte 500 000 Kilometer auf dem Tacho.

Die Polizei hatte sowohl gegen den Fahrer als auch gegen den Firmeninhaber Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen die Zulassungsordnung erstattet. Außerdem, so die Polizei, hätten beide Fahrer keine Bescheinigungen über arbeitsfreie Tage vorgewiesen.

Inzwischen gibt es in Internet-Foren und in einem Jugendradiosender regen Austausch unter Rainbow-Reisenden über Pannen. Auch für die 35 Reisenden, die in Göttingen Zwangspause machten, gab es Weiteres zu berichten. Sie waren mit einem Linienbus ohne Toilette nach Spanien gebracht worden. Ein 17-Jähriger aus Hameln teilte mit: Weil er wegen fehlender Toilettenpause in eine Flasche urinierte, sei er in Spanien auf die Straße gesetzt worden. Er fuhr den Rest per Taxi ins Hotel.

Und die Mutter eines 17-Jährigen berichtete, die in Göttingen wartenden Reisenden hätten keineswegs gleich eine Entschädigung vom Veranstalter erhalten. Es hätten erst mehrere Mütter telefonisch intervenieren müssen. Die gerade einmal 19 Jahre alte, allein anwesende Reisebegleiterin sei total überfordert gewesen.