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Göttingen Göttinger Verkehrsbetriebe für rauchfreie Bushaltestellen
Die Region Göttingen Göttinger Verkehrsbetriebe für rauchfreie Bushaltestellen
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16:24 09.07.2019
Beim Warten auf den Bus zünden sich Raucher gerne eine Zigarette an, wie hier am Stumpfebiel. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

In Schweden soll das Rauchen an öffentlichen Orten verboten werden, auch in Deutschland wird über ein strengeres Nichtraucher-Gesetz diskutiert, am Strand sind Kippen für Einige ein Ärgernis. Der FDP-Bundespolitiker Wieland Schinnenburg fordert ein Rauchverbot an Bushaltestellen nach schwedischem Vorbild – auch in Göttingen wird darüber nachgedacht.

Raucher auch hier: Bushaltestelle Zindelstraße. Quelle: Niklas Richter

Auch in Göttingen ist das häufig zu sehen und zu riechen: Bevor der Bus kommt, stecken sich Raucher an der Haltestelle gerne eine Zigarette an. Ob vor der Volksbank am Geismar Tor oder hinter dem Alten Rathaus, wer dort entlang geht, kommt um den Qualm kaum herum. Doch auch in Göttingen könnte das bald ein Ende haben: „Wir würden eine rauchfreie Wartezone begrüßen. Wir stehen gerade in Kontakt mit den Eigentümern der Wartehallen, um zu klären, ob wir einen Hinweis, mit der Bitte, nicht zu rauchen, dort anbringen dürfen”, sagt Stephanie Gallinat-Mecke, Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVb). Eigentümer der Buswartehäuschen im Stadtgebiet ist die Firma Schwarz Außenwerbung, einige gehören der Stadt Göttingen und einige den GöVb. Beschwerden über Raucher seien aber selten. Auch über herumliegende Zigarettenkippen gebe es kaum Klagen.

Rauchverbot: Auf dem Land noch kein Thema

Auf dem Land sei Rauchen an den Haltestellen bislang kein Thema, sagt Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN). Im Vergleich zur Stadt seien die Haltestellen ja zumeist von weniger Fahrgästen frequentiert. „Aber in Zukunft könnte das Rauchverbot auch für uns ein Thema werden”, so Frömming.

Trauben von Rauchern versammeln sich häufig auch auf der Straße rund um Schulgelände. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Denn: „In den niedersächsischen Schulen gilt seit 2005 ein absolutes Rauchverbot”, so Dominik Kimyon, Sprecher der Stadtverwaltung. Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sei während schulischer Veranstaltungen das Rauchen verboten. Lehrer und Schüler rauchen also auf Straßen und Plätzen direkt außerhalb des Schulhofs.

Schulen: Zahl der Raucher „drastisch gesunken“

Das bestätigt auch die Landesschulbehörde und verweist auf einen Erlass des Kultusministeriums in geänderter Form von 2013. Danach ist Rauchen und der Konsum von Alkohol auch während schulischer Veranstaltungen außerhalb der Schule verboten. Der Konsum von Alkohol kann aber ausnahmsweise erlaubt werden – zum Beispiel bei besonderen Veranstaltungen wie Jubiläen und Entlassungsfeiern. An vielen Schulen ist Rauchen allerdings kein großes Problem mehr. „Unter den Kollegen rauchen nur noch sehr wenige“, sagt der Leiter des Felix-Klein-Gymnasiums, Michael Brüggemann. Und auch bei den Schülern sei die Zahl der Raucher „drastisch gesunken“. Die es nicht lasen können, „stehen dann draußen vor dem Parkplatz“. Das seien aber „so wenige, dass es auch nie klagen über Müll oder Kippen gibt“.

Auch auf den städtischen Spielplätzen gilt laut Kimyon bereits ein Rauchverbot. „Die Schilder, die an jedem Eingang der Spielplätze aufgestellt sind, weisen auf das Rauchverbot hin”, teilt er mit. Die Verbote würden in aller Regel beachtet. “Es gibt nur sehr vereinzelt Beschwerden“, so Kimyon.

Raucherecke im Sanunabereich

In den Göttinger Freibädern ist Rauchen erlaubt. „Bislang gab es keinen Anlass für uns, dort etwas zu ändern“, sagt Alexander Hirth von der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH. Im Hallenbad an der Eiswiese sie Rauchen verboten, im Saunabereich allerdings gebe es eine Raucherecke.

Geselligkeit ohne Alkohol und Zigaretten: Diesen Weg hat der Nikolausberger SC in Göttingen eingeschlagen - eine Ausnahme im Sportbetrieb. Dort nämlich darf vor und während der Spiele nicht geraucht und Alkohol getrunken werden. Die Regel gilt seit zehn Jahren. "Die Akzeptanz ist da", sagt Abteilungsleiter Gero Scheuß, Abteilungsleiter Fußball beim Nikolausberger SC.

Feuerstein gegen Rauchverbot vor Gaststätten

Ein mögliches Rauchverbot vor Gaststätten lehnt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gastsättenverbandes in Göttingen (Dehoga), Olaf Feuerstein, ab. „Die derzeitige Raucherschutzregel hat bewährt”, sagt er. Darüber gebe es sowohl von Gästen, vor allem aber auch von Mitarbeitern die jahrelang passiv ungewollt mitgeraucht haben, ein sehr positives Feedback. Feuerstein: „Beschwerden, dass vor den Türen geraucht wird, sind mir nicht bekannt.” Viele Betriebe hätten sich einiges einfallen lassen, um ihre die Outdoor-Raucherbereiche so zu gestalten, die häufig eben nicht direkt vor der Tür geraucht werde. „Jetzt nun auch das Rauchen vor den Türen zu verbieten, ist typisch deutsche Regulierungswut und geht entschieden zu weit”, so der Dehoga-Vorsitzende. Die Gastronomie habe das Rauchverbot besser verkraftet als erwartet, nun könne man aber die Geselligkeit verbunden mit Gesprächen bei einer Zigarette vor der Kneipe nicht in Luft auflösen. Feuerstein weiter: „Was kommt als nächstes? Darf bald in Kneipen und Restaurant nur noch alkoholfrei getrunken werden?”.

Konstantin Kuhle (FDP) ist gegen ein generelles Rauchverbot

Die FDP hat auf Bundesebene die Diskussion um einen verschärften Nichtraucherschutz angestoßen. Der Göttinger FDP-

Konstantin Kuhle Quelle: R

Bundestagsabgeordnete Konstatin Kuhle ist aber gegen ein generelles Rauchverbot.

Ein Rauchverbot an Bushaltestellen: Warum dieser Vorstoß der FDP?

Es gibt Orte, an denen bisher noch keine Raucherbereiche eingerichtet sind. Im Sinne des Gesundheitsschutzes kann man darüber nachdenken, ob der Nichtraucherschutz hier ausgeweitet werden sollte.

Reicht das aus, oder sind Sie auch für ein Verbot vor Gasthäusern, in Freibädern und auf Sportplätzen?

Ja, ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit ist abzulehnen. Prävention und Aufklärung bringen mehr als Verbote und sind mit einem liberalen Menschenbild auch eher zu vereinbaren.

Wo dürfen Raucher dann künftig noch in Ruhe ihrer Sucht nachgehen?

Im privaten Bereich hat der Staat sich rauszuhalten. Im öffentlichen Bereich sollte er sich darauf beschränken, Konflikte zu Gunsten von Nichtrauchern aufzulösen.

Von Britta Bielefeld und Ulrich Schubert

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