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Göttingen Filialschließungen bei der Sparkasse Göttingen: So fallen die Reaktionen aus
Die Region Göttingen Filialschließungen bei der Sparkasse Göttingen: So fallen die Reaktionen aus
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14:05 01.12.2019
Die Sparkasse Göttingen will fünf Filialen schließen. Das gesamte Zweigstellennetz soll allerdings mit einer Vier-Millionen-Euro-Investition optimiert werden. Quelle: dpa
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Göttingen

Die Ankündigung der Sparkasse Göttingen Filialen in Göttingen und Rittmarshausen zu schließen, hat zu Unmut in den Orten geführt. Gleichzeitig gibt es aber auch Verständnis für Schließungen.

Die Ortsbürgermeisterin von Nikolausberg Karola Margraf (SPD) hält die Entscheidung der Sparkasse, die Filiale in dem Göttinger Ortsteil zum 30. Juni 2021 zu schließen, für „unglücklich“. Vergangene Woche sei sie in Kenntnis gesetzt worden. Ein Signal vorab habe es seitens des Kreditinstitutes nicht gegeben. Für die kommende Woche habe sie ein Gespräch mit dem Sparkassenvorstand.

Karola Margraf Quelle: janvetter.com

„Das stimmt mich sehr traurig“, sagte Margraf angesichts der Entscheidung. Vor allem für ältere Nikolausberger sei das – nachdem sich auch die Volksbank bereits zurückgezogen hatte – ein Verlust. Gerade vor dem Hintergrund eines hohen Seniorenanteils in Nikolausberg. Für die Älteren würden mit Weggang der Sparkassenangestellten „Personen des Vertrauens“ verschwinden.

Halds Aussagen während des Neujahrsempfangs

Im Januar, so Margraf, sei sie noch guter Dinge gewesen. Hatte Sparkassen-Chef Rainer Hald doch angekündigt, die Filialen zu halten. „Wir halten nichts davon, wie andere Kreditinstitute den Großteil ihrer Geschäftsstellen zu schließen, eine Vielzahl von Stellen abzubauen und Mitarbeiter zu entlassen“, hatte Hald beim Neujahrsempfang der Sparkasse gesagt. Hald schränkte damals zwar ein, dass auch sein Institut Prozesse verschlanken und Kosten reduzieren müsse, um wenigstens den Ertrag zu stabilisieren, aber immer nur die Kostenschraube nach unten zu drehen, bedeute langfristig, sich aufzugeben.

Sparkassen-Vorstandvorsitzender Rainer Hald Quelle: Niklas Richter

Am Montag hatte die Sparkasse mitgeteilt, dass sie Filialen und Angebote streichen werde. Dazu gehören außer der Filiale in Nikolausberg die bereits seit vier Wochen wegen eines Wasserschadens geschlossene Filiale in Rittmarshausen, die Filialen in Herberhausen und in der Charlottenburger Straße sowie ein Sprechtag im Stift am Klausberg.

Als Gründe für diesen Schritt nannte die Sparkasse ein „verändertes Kundenverhalten und die Niedrigzinsphase“. Beide Faktoren stellten alle Sparkassen und Banken vor große Herausforderungen. Mit der Schließung verfügt die Sparkasse über 23 Filialen. Vier Millionen Euro will das Kreditinstitut in ihr Zweigstellennetz investieren.

Möhring sieht „betriebswirtschaftliche Notwendigkeit“

„Dass mich das unglücklich stimmt, ist klar“, sagte Herberhausens Ortsbürgermeisterin Ingrid Möhring (SPD). Sie bringt aber Verständnis für die „betriebswirtschaftliche Notwendigkeit“ auf, schließlich müsse die Sparkasse Geld verdienen. Zudem habe sich das Kundenverhalten geändert. Da sei es nur folgerichtig, wenn mit dem Ruhestand des einzigen Mitarbeiters in der „Ein-Mann-Filiale“ in Herberhausen zum Ende des Jahres auch die Filiale geschlossen wird.

Ingrid Möhring Quelle: Peter Heller

Offiziell habe sie davon in der vergangenen Woche gehört, erste Anzeichen dafür habe es vor etwa einem Vierteljahr gegeben, sagt Möhring. Sie fühlt sich an den Rückzug vor zwei, drei Jahren erinnert. Ihr Vorschlag sei damals gewesen, Sparkasse und Volksbank unter einem Dach zu vereinen.

Vor genau fünf Jahren hatte die Sparkasse noch mit einem Neubau in Herberhausen geliebäugelt. „Wir sind eine Sparkasse und keine Bank. Wir werden uns nicht aus der Fläche zurückziehen“, machte Jörg Seebode, Mitglied des Sparkassenvorstands, damals im Ortsrat deutlich. Rund 1000 Herberhäuser Sparkassenkunden hatte die Filiale damals betreut. Angaben darüber, wie viele Kunden heute von den Filialschließungen betroffen sind, macht die Sparkasse auf Anfrage nicht.

Für Herberhausen und Nikolausberg hat die Sparkasse angekündigt, die Filialen in eine SB-Filiale umzuwandeln. Nach Auskunft von Sparkassen-Sprecher Frank Sickora bieten die Terminals die Möglichkeit, Geld ein- und auszuzahlen, Überweisungen könnten dort getätigt, Daueraufträge eingerichtet und geändert und Kontoauszüge gedruckt werden. Die Basisdienste seien also weiterhin vor Ort, so Sickora.

„Wie mobil sind die Leute noch?“

Auch die kleine Filiale im GDA Wohnstift in Geismar ist von der Maßnahme betroffen. Das wird zu einem Problem für die Bewohner des Stiftes, fürchtet Ortsbürgermeister Peter Limpke (SPD). Die nächstgelegene Filiale der Sparkasse sei an der Hauptstraße zwar gut mit Bussen zu erreichen. „Die Frage ist aber: Wie mobil sind die Leute noch?“

Peter Limpke Quelle: Ulrich Schubert

„Das Ende einer fast fünfzigjährigen Partnerschaft anzukündigen ist bedauerlich“, kommentierte Stiftsdirektor Carsten Patowsky die Schließung. Er sei einem persönlichen Gespräch vorab informiert worden. Die Pläne zur Schließung der Filiale seien „überraschend“ gewesen. Die Sparkasse Göttingen folge hier „offensichtlich nur dem Trend in der Bankenlandschaft zum Rückzug aus der Fläche“, sagte Patowsky. Viele der rund 600 Bewohner des Hauses schätzten den ganz kurzen Weg in die Filiale im Erdgeschoss des Stifts.

Das GDA Wohnstift: Fast 50 Jahre hat die Sparkasse dort eine Filiale für die 600 Bewohner betrieben. Quelle: pht-airpicture.de/Michael Mehle

Ende Januar wollen Mitarbeiter der Sparkassen den Bewohner bei der Bewohner-Informationsveranstaltung Rede und Antwort stehen, kündigte Patowsky an. Er wünsche sich für die vielen, in ihrer Mobilität eingeschränkten Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, nichts mehr, als eine tragfähige Lösung für die Zukunft zu finden, vielleicht durch eine mobile Bankfiliale.

Chicgoua Noubactep Quelle: Ulrich Schubert

Gedanken gerade um die älteren Einwohner macht sich auch Rittmarshausens Ortsbürgermeister Chicgoua Noubactep. „Es sind keine gute Nachricht, gerade für Senioren“, sagt er. Die nächstgelegene Filiale ist in Reinhausen. Eine Viertelstunde mit dem Auto, eine Dreiviertelstunde mit öffentlichen Bussen, inklusive einmal Umsteigen. Den Schritt der Sparkasse, über den er in dieser Woche informiert worden ist, wertet Noubactep als Überlebenstrategie.

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