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Göttingen "Recht auf Rausch": Göttinger Grüne unterstützen "Autonome Blumenkinder"
Die Region Göttingen "Recht auf Rausch": Göttinger Grüne unterstützen "Autonome Blumenkinder"
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10:25 17.07.2013
Von Andreas Fuhrmann
Es grünt so grün im Papendiek: Die Gruppe „Einige Autonome Blumenkinder“ hat Hanf in Göttingen ausgesät. Die Grünen finden das gut und fordern ein "Recht auf Rausch".
Es grünt so grün im Papendiek: Die Gruppe „Einige Autonome Blumenkinder“ hat Hanf in Göttingen ausgesät. Die Grünen finden das gut und fordern ein "Recht auf Rausch". Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Göttinger Kreisvorstand unterstütze die Forderungen der Gruppe "nach einer Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten" und begrüße "die Aussaat von Hanfpflanzen in der Stadt Göttingen als kreative Protestform gegen die prohibitive Drogenpolitik", teilte Marie Kollenrott, Sprecherin des Kreisvorstands der Göttinger Grünen, am Sonnabend, 13. Juli, mit.

"Wir fordern die Göttinger Polizei auf, von einer Entfernung der Hanfpflanzen in Zukunft abzusehen und diese blühen zu lassen. Angesichts dessen, dass von den Pflanzen keine Gefahr für Menschen ausgeht, könnte entspannter reagiert werden", so Kollenrott weiter.

Die Forderung nach einer Entkriminalisierung von Cannabis begleite die Grünen schon seit ihrer Gründung.

Die "massive, rechtliche Ungleichbehandlung von Cannabis und Alkohol" führe dazu, dass der Cannabis-Konsum in die Illegalität getrieben werde und die Konsumenten strafrechtlich verfolgt würden. "Das kann gerade für junge Menschen zum Fallstrick bei der Jobsuche werden.

Mit einem Vermerk in der Akte wird man schwerlich Richter", sagte Kollenrott.

Drogenmündigkeit und ein Selbstbestimmungsrecht der Menschen müsse durch Aufklärungsarbeit über die gesundheitlichen Risiken und nicht durch eine restriktive Drogenpolitik sichergestellt werden.

"Es sollte in diesem Zusammenhang nicht nur der private Anbau und der Eigenverbrauch legalisiert, sondern auch der sichere Konsum kontrollierter Drogen durch Ausgabe in lizenzierten Fachgeschäften und sogenanntem 'Drug Checking' ermöglicht werden."

Die Forderung, das umzusetzen, habe "angesichts der zehntausenden von Toten in globalen Drogenkriegen und der vielen kriminalisierten Menschen, die wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz ihre Strafe absitzen müssen, Gewicht."

Ebenso müsse die Nutzung von THC (Tetrahydrocannabinol) als Medikament rechtlich erleichtert werden.

"Auch Schwierigkeiten bei der ökologisch nachhaltigen, stofflichen Nutzung von Hanffasern sollten abgebaut werden", ergänzt Kollenrott. Der Kreisverband fordere die Landesregierung dazu auf, sich für die Entkriminalisierung von Cannabis und eine Reformierung des Betäubungsmittelgesetzes einzusetzen.

"Ebenso sollte die straffreie 'geringe Menge' für den Eigenbedarf erhöht werden." Die "positiven Reaktionen" auf die Aktion der Blumenkinder in Göttingen zeige, "dass die Gesellschaft der Politik im liberalen Denken im Bezug auf Cannabiskonsum voraus ist und der Bundestag in dieser lang diskutierten Frage endlich zugunsten der Freiheit, also einem mündigen Recht auf Rausch, entscheiden muss."

Die Gruppe „Einige Autonome Blumenkinder“ hatte Cannabissamen im Stadtgebiet Göttingen ausgesät. „Aus Protest gegen die restriktive Drogenpolitik“, wie es in einem Bekennerschreiben der Gruppe heißt.

Es handele sich „größenteils“ um Saatgut ohne den Wirkstoff THC. Die Gruppe fordert die Legalisierung von Cannabis.

Polizei und Stadt haben unterdessen viele der Hanfpflanzen entfernt. Die Aktion sorgte bundesweit für Aufsehen.