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Göttingen Runen auf Zwangsarbeiter-Mahnmal gesprüht
Die Region Göttingen Runen auf Zwangsarbeiter-Mahnmal gesprüht
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20:12 14.01.2019
Unter anderem am Gedenkstein an der Humboldt-Allee waren Schmierereien aufgetaucht – mittlerweile sind sie wieder entfernt worden.. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Eine Strafanzeige wurde bereits am Freitag erstattet: Ein Göttinger Bürger fand vor dem Haus Humboldtallee 19, vor dem Seminar für Lateinische Philologie, eine goldfarbene Rune am dortigen Denkmal für die in der NS-Zeit an der benachbarten früheren Frauenklinik eingesetzten Zwangsarbeiter. „Es erinnert“, so der Anzeigeerstatter, „insbesondere an die Frauen – sogenannte nicht-arische, vor allem jüdische Frauen-, an denen gewissenlose Ärzte der Frauenklinik in der NS-Zeit barbarische Experimente vorgenommen haben.“

Auf diesen Gedenkstein hatten Unbekannte die Rune eingeritzt und in goldglänzender Farbe gesprüht, erklärt die Polizei. Die Rune ähnelt einer aufrecht stehenden Figur mit seitwärts nach oben gestreckten Armen. Die Schadenshöhe ist noch unbekannt.

Rune an der Uni-Bibliothek Quelle: r

Zunächst wird nur wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ ermittelt, erläutert Polizei-Sprecherin Jasmin Kaatz. Nicht jede Rune sei automatisch als rechtswidrig, beispielsweise als Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, zu bewerten. Die Bewertung durch das entsprechende Fachkommissariat stehe noch aus. Gegebenenfalls könnte die Tat auch anders, nämlich politisch, bewertet werden.

Das ist nicht unwahrscheinlich. Es handele sich dabei um eine sogenannte Lebensrune, erläutert Hermann Engster. „Runenzeichen haben eine doppelte Funktion, erläutert der Göttinger Experte in Germanischer Altertumskunde. Runen haben einen Laut- und einen Symbolwert. Engster verweist dabei auf das Buch „Runenkunde“ des mittlerweile emeritierten Göttinger Professors und führenden Runenforschers Klaus Düwel.

Dieses Runenzeichen, sagt Engster, „ist wie auch manche andere populär in esoterischen Kreisen, insbesondere in rechtsideologischen und zumal in Nazi-Kreisen“.

„Besonders perfide“

Vor diesem Hintergrund, sagt Engster, halte er „die Schändung dieses Denkmals für die gequälten Frauen als besonders perfide. Denn die Täter wussten aufgrund ihres wissenschaftlich zwar haltlosen, dafür aber umso abstruseren ,Runenwissens’ sehr wohl, weshalb sie eben diesen Gedenkstein auf gerade diese Weise geschändet haben: Sie haben damit das Leid dieser Frauen und das Gedenken daran verhöhnt.“

Doch der Runen-Fall an der Humboldtallee ist nicht der einzige in Göttingen. Das gleiche Symbol prangte jetzt auch an der Universitäts-Bibliothek auf dem Campus an der Weender Landstraße. Und am Kulturwissenschaftlichen Zentrum (KWZ) zwischen Goßlerstraße und Humboldtallee, wie auch in den anderen Fällen mit Goldfarbe gesprüht. Am KWZ war die Rune am unteren Ende durch ein Hakenkreuz erweitert.

Mehr rechte Schmierereien

Linke Kreise in Göttingen registrieren seit dem Frühjahr vergangenen Jahres vermehrt rechte Schmierereien an Universitätsgebäuden nördlich der Göttinger Altstadt. Die Universität vermag hier allerdings keine Zunahme zu erkennen: „Im vergangenen Jahr hatten wir vier Graffitis, die wir inhaltlich der rechten Szene zuordnen konnten“, erklärt Uni-Sprecher Romas Bielke. „Das entspricht in etwa der Anzahl in den Vorjahren.“

Von Matthias Heinzel

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