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Göttingen Warum die Scheiblettenleiche ein leichter Fall für die Rechtsmedizin war
Die Region Göttingen Warum die Scheiblettenleiche ein leichter Fall für die Rechtsmedizin war
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12:43 20.10.2018
Klaus Püschel und Bettina Mittelacher in der UMG. Quelle: bib
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Göttingen

Nach dieser Lesung kann der eine oder andere Besucher vermutlich nie wieder völlig unbedarft eine Scheibe Scheiblettenkäse essen. Die spielten nämlich in dem Kapitel „Alles Käse“ eine Rolle. Klaus Püschel, einer der bekanntesten Rechtsmediziner Deutschlands, Autor und Hochschullehrer an der Uniklinik Hamburg, war gemeinsam mit der Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher zu Gast beim Göttinger Literaturherbst. Gemeinsam haben sie drei Bücher mit wahren Geschichten veröffentlicht.

700 Besucher in der Osthalle der UMG

Und das wollten sich viele Göttinger nicht entgehen lassen. Rund 700 Besucher drängten sich am Freitagabend in der Osthalle der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). „So viele Gäste hatten wir hier noch bei keiner Veranstaltung“, so UMG-Sprecher Stefan Weller. Auch Nina Horning vom Göttinger Literaturherbst war überrascht, selbst für die Veranstalter war das eine Rekordbeteiligung.

Klaus Püschel: Hochschullehrer aus Leidenschaft

Püschel freute sich, dass unter den vielen Gästen auch zahlreiche Studenten und Medizinerkollegen waren. „Ich bin Hochschullehrer aus Leidenschaft“, so der Professor. Aber er habe auch den Ehrgeiz, Dinge zu verbreiten. Während der Lesung der beiden Autoren wurde ziemlich deutlich, dass Püschel seinen Job mit einer gewissen Begeisterung ausübt. Er habe den besten Beruf der Welt, sagte er. Mit Abertausenden von Leichen hat Püschel in seiner jahrzehntelangen Laufbahn zu tun gehabt, einige der Fälle hat er in den Büchern skizziert. „Alles stimmt“, so Püschel. Sollte jemand einen Fehler finden, setzte er zur Belohnung eine Flasche Sekt aus.

Im Video: Prof. Klaus Püschel in einer seiner Vorlesungen

Vier Frauen umgebracht – der Fall Honka

Einer der Fälle, der den Hamburger bereits als Studenten geprägt hat, ist der von Fritz Honka, dem Schlächter von St. Pauli. In den 1970er-Jahren brachte der Mann vier Frauen um, zerstückelte sie und verstaute größere Teile der Körper in seiner Mansardenwohnung. Nur durch einen Brand im Haus kamen die Taten zutage. Püschel und Mittelacher lasen abwechselnd Passagen aus dem Buch, Püschel erläuterte anschaulich, auch anhand von Bildmaterial, was geschah. Offenbar zu viel für eine Besucherin, die einen Schwächeanfall erlitt.

Mit Käse auf der Haut gestorben

Auch die Bilder von einem überaus skurrilen Fall waren nichts für Zartbesaitete. Püschel riet gleich zu Beginn, die Augen zu schließen, wenn man denn empfindlich sei. Der Leiche, zu deren Fund ihn die Polizei im 13. Stock eines Hamburger Hauses hinzuzog, fanden die Fachleute in einer Hockstellung vor der Heizung, den Kopf in einem Müllsack, den Körper in einem Neoprenanzug. Püschel riet dringend davon ab, autoerotische Strangulationsversuche alleine zu unternehmen. Unter dem Neoprenanzug trug der Mann einen Regenmantel und Damenfeinstrumpfhosen. „Damit hat er die Scheibletten fixiert, die er auf die nackte Haut gelegt hatte“, so Püschel. Rechtsmedizinisch war der Fall wenig aufwendig. Eine Obduktion war nicht mehr nötig. „Der Mann hatte Lust gesucht und den Tod gefunden.“

Püschel: Hausarzt ist der falsche für Leichenschau

Püschel sprach von einer hohen Dunkelziffer bei nicht entdeckten Tötungsdelikten. Oft würden auch Angehörige unnatürliche Todesursachen kaschieren. „Ohne Hose, ohne Würde“, so Püschel. Da würde dann schnell aufgeräumt, bevor der Hausarzt zur Leichenschau kommt. Und: „Der Hausarzt ist der falsche für die Leichenschau“, so Püschel. Ein britischer Hausarzt hatte mehr als 300 Patienten umgebracht und die Leichenschau gleich selbst erledig. Aufgeflogen war er erst, als er sich am Ende noch das Erbe mancher Opfer sicherte.

Klaus Püschel und Klaus Störtebecker

„Es gibt die, die nichts mehr zu sagen haben“, so Mittelacher. „Wir wollen wissen, was wirklich war“, so Püschel. Sein „Lieblingsthema“ aber seien Fälle, die schon lange zurückliegen. Der Pirat Klaus Störtebecker beispielsweise. Dort, wo heute die Elbphilharmonie steht, wurden früher Hamburger hingerichtet. 1878 wurde dort ein Schädel gefunden. Ein Modell lag am Freitag auf dem Tisch – neben einem morden dreidimensionalen Schädelausdruck. „Klaus und Klaus“, sagte Püschel. Ein Modell seines Schädels und eines des Piraten. Mit Datierungen und Analysen der „einzigartigen“ Verletzungen konnte Püschel unter anderem nachweisen, dass es sich um das 600 Jahre alte Haupt des Freibeuters handelte.

Von Britta Bielefeld

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