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Göttingen Reformierte wählen am Sonntag
Die Region Göttingen Reformierte wählen am Sonntag
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00:25 10.03.2018
Hoffen auf eine Wahlbeteiligung von mehr als zehn Prozent: Uwe Völker, Michael Ebener, Superintendent Friedrich Selter und Aleena Toplak.
Hoffen auf eine Wahlbeteiligung von mehr als zehn Prozent: Uwe Völker, Michael Ebener, Superintendent Friedrich Selter und Aleena Toplak. Quelle: Caspar
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Göttingen

„Wenn wir gemeinsam zur Wahl aufrufen, ist der Werbeeffekt viel größer“, erklärt Michael Ebener, der Pastor der 2100 Mitglieder starken reformierten Gemeinde in Göttingen. Die Reformierten bildeten neben den Lutheranern die zweite, deutlich kleinere evangelische Konfession in Deutschland. Früher, so der lutherische Superintendent Friedrich Selter, seien die Gräben zwischen Reformierten und Lutheranern genauso tief gewesen wie die zwischen Protestanten und Katholiken.

„Bovender Modell“ – eine Kooperation zwischen Reformierten und Lutheranern

„Heute fällt es vielen Protestanten schwer, die Unterschiede zu benennen“, berichtet Aleena Toplak, die reformierte Pastorin der 3480 Mitglieder starken Bovender Gemeinde. In Bovenden falle das den Gläubigen besonders schwer, da zu dieser Gemeinde auch Lutheraner gehörten. „Bovender Modell“ nenne sich dieser kooperative Ansatz aus dem Jahr 1971. Mit Pastor Uwe Völker betreue neben ihr ein Lutheraner die Christen.

Regionalbischof Gorka wirbt für Kirchenwahlen

Der Hildesheimer Regionalbischof Eckhard Gorka, der den Sprengel Hildesheim-Göttingen leitet, hat zur Teilnahme an den Wahlen zu den neuen Kirchenvorständen an diesem Sonntag aufgerufen. „Jede abgegebene Stimme ist auch eine Stimme für die kirchliche Arbeit vor Ort und ein sichtbares Zeichen der Unterstützung für die neuen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher“, sagte der evangelische Landessuperintendent. In den evangelischen Kirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumbug-Lippe und der reformierten Kirche mit Sitz in Leer wählen an diesem Sonntag erstmals alle rund drei Millionen Mitglieder am gleichen Tag ihre neuen Vorstände.

Er habe „hohen Respekt“ vor allen Kandidaten, die bereit seien, für die Kirche vor Ort Verantwortung zu übernehmen, sagte Gorka. „Es war in vielen Kirchengemeinden eine Herausforderung, Kandidatinnen und Kandidaten für die Kirchenvorstandswahl zu finden.“ Umso erfreulicher sei es, dass dies bis auf wenige Ausnahmen überall gelungen sei.

An der Kirchenvorstandswahl dürfen erstmals schon 14-jährige Kirchenmitglieder teilnehmen. Das Wahlalter wurde von zuvor 16 Jahren um zwei Jahre herabgesetzt. Bei den Wahlen werden in der braunschweigischen und hannoverschen Landeskirche die Kirchenvorstände bestimmt, in der oldenburgischen Kirche und schaumburg-lippischen Landeskirche die Gemeindekirchenräte und in der reformierten Kirche die Kirchenräte oder Presbyterien. Die Wahl der kirchlichen Leitungsgremien findet alle sechs Jahre statt. epd

„Ein wichtiger Unterschied zwischen uns und den Lutheranern ist das Gewicht des Kirchenrates“, betont Pastor Ebener. Der Kirchenrat regele sämtliche Angelegenheiten seiner Gemeinde eigenständig. Anders als bei den Lutheranern könne keine höhere Kircheninstanz von außen „hineinregieren“. Die Bedeutung des Kirchenrates sei so groß, dass sich eine Gemeinde, die keinen mehr aufzustellen vermöge, auflösen müsse.

Gemeindevertretung steht Kirchenrat zur Seite

Dem Kirchenrat, so Pastorin Toplak, stehe in der Regel noch eine Gemeindevertretung zur Seite, die bei wichtigen Fragen wie der Verpachtung von Kirchenland oder der Besetzung von Pfarrstellen mitbestimme. Für Basisdemokratie sorgten die zweimal jährlich stattfindenden Gemeindeversammlungen, bei denen der Kirchenrat über seine Arbeit informiere und sich kritischen Fragen stelle. In Bovenden kämen zu diesen Versammlungen 60 bis 70 Gemeindemitglieder, in Göttingen, so Ebener, 50 Christen.

„Ein Kirchenrat hat vier bis zwölf gewählte Mitglieder, von denen jeweils die Hälfte nach drei Jahren neu gewählt wird“, erläutert Toplak. Hinzu kämen die Pastoren, die dem Gremium kraft ihres Amtes angehörten. Zur Wahl könnten sich Gemeindemitglieder aufstellen lassen, die mit beiden Beinen im Leben ständen, in Diskussionen sachlich blieben und nicht nachtragend seien, führt Ebener aus. Bei der Auswahl der Kandidaten achte die Gemeinde darauf, dass sie alle Lebensalter und möglichst viele Berufsgruppen vertreten würden.

Erstmals Briefwahl

„Die Wahlbeteiligung lag in den vergangenen Jahren im Synodalverband bei zehn bis zwölf Prozent“, weiß Ebener. Toplak sagt selbstkritisch: „Wir sind noch nicht im Reich Gottes.“ Neu sei in diesem Jahr die Briefwahl-Option.

Benannt ist der Synodalverband Plesse, dem 11.000 Christen angehören, nach der Burg Plesse. Von dort aus regierte einst der Kasseler Landgraf die umliegenden Orte. Er führte 1543 in den Plessedörfern das reformierte Bekenntnis ein. Die reformierte Gemeinde in Göttingen entstand 1748 auf Betreiben von Medizinprofessor Albrecht Haller, einem gebürtigen Schweizer. Aus Hessen und Bremen zugewanderte Kaufleute bildeten 1923 die reformierte Gemeinde Hann. Münden. Flüchtlinge riefen 1958 die reformierte Gemeinde in Northeim ins Leben.

Von Michael Caspar

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