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Göttingen Das sind die Regeln für das „Haus des Jugendrechts“
Die Region Göttingen Das sind die Regeln für das „Haus des Jugendrechts“
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14:42 16.08.2019
Da, wo ein „besonderes Interventionserfordernis“ erkannt wird, wollen die Stadt, der Landkreis, die Polizeidirektion und die Staatsanwaltschaft Göttingen gemeinsam helfen. Quelle: r / Pixabay
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Göttingen

Mit dem „Haus des Jugendrechts“ wollen die Stadt, der Landkreis, die Polizeidirektion und die Staatsanwaltschaft Göttingen künftig gemeinsam Jugendkriminalität noch effizienter bekämpfen. Nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im April haben sich die vier Institutionen inzwischen auf eine Geschäftsordnung geeinigt, die Zuständigkeiten und Verfahrensweisen im „Haus des Jugendrechts“ festlegt.

Grundsätzlich streben die vier Kooperationspartner zunächst einmal eine Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich Diversion und Prävention an. Im Präventionsrat der Stadt Göttingen ist das „Haus des Jugendrechts“ bereits im Mai vorgestellt worden. Doch dabei soll es nicht bleiben, wie Oberstaatsanwalt Torben Asmus erklärt: „Es ist unter anderem ein Treffen der Jugendhilfe Göttingen und des Präventionsteams der Polizeiinspektion Göttingen geplant, um zu besprechen, welche passgenauen erzieherischen Maßnahmen die straffälligen Jugendlichen in Göttingen erreichen können.“

Dabei gehe es um die Frage, ob neben den üblichen Arbeitsstunden, sozialen Trainingskursen, Drogenberatungen, Verkehrstrainings, Leseprojekten oder Einzelbetreuungen weitere Maßnahmen in Betracht kommen könnten, um jugendliche Straftäter von kriminellem Verhalten abzubringen. Zudem müsse geklärt werden, für welche Zielgruppen welche Diversionsmaßnahmen überhaupt geeignet sind.

Drei oder mehr Straftaten „von einer gewissen Qualität“

Der Schwerpunkt im „Haus des Jugendrechts“ wird laut Asmus die Betreuung sogenannter „mehrfachtatverdächtiger“ jugendlicher und heranwachsender Personen sein, bei denen ein „besonderes Interventionserfordernis“ bestehe.

Die neue Geschäftsordnung regelt die Arbeit mit genau diesem Personenkreis. Von einzelnen Fällen kann Asmus noch nicht berichten – dafür aber Einblicke in die festgelegte Arbeitsweise der Kooperationspartner geben: „Nach der geschaffenen Geschäftsordnung sollen die mehrfachtatverdächtigen Personen solche Jugendlichen und Heranwachsenden sein, die in den letzten zwölf Monaten drei oder mehr Straftaten von einer gewissen Qualität begangen haben und weitere problematische Charakteristika wie Suchtmittelkonsum, fehlende familiäre Einbindung, Schulverweigerung, bestimmte Gruppenzugehörigkeit (Banden) oder auch hohe Gewaltbereitschaft mitbringen“. erläutert der Staatsanwalt. Die Zusammenarbeit der Kooperationspartner werde über sogenannte „Prognosebesprechungen“ und Fallkonferenzen erfolgen.

Abgestimmte Handlungskonzepte für das weitere Vorgehen

Wird in einer Prognosebesprechung festgestellt, dass eine bestimmte Person in die besondere Bearbeitungsform im „Haus des Jugendrechts“ aufgenommen werden soll, kommt es zu einer Fallkonferenz über eben jene Person. „Dabei werden die Personen von dem zuständigen Sachbearbeiter der Polizei Göttingen vorgestellt“, erklärt Asmus das Prozedere. Zunächst soll der Sachbearbeiter über die aktuellen Verfahren sowie die Entwicklung des Jugendlichen oder Heranwachsenden berichten.

Dann folgt eine Diskussion, in der alle Vertreter der Kooperationspartner aus ihrer jeweiligen Sicht zu Wort kommen sollen. Dabei sollen sie auch die Erkenntnisse aus ihren Arbeitsbereichen über die jeweilige Person einbringen. „Danach werden Handlungsalternativen und Erfolgsaussichten der für diese Person denkbaren Maßnahmen diskutiert.

Schließlich wird ein gemeinsamer und einvernehmlicher Beschluss, also ein abgestimmtes Handlungskonzept verfasst, wie mit der Person vorgegangen werden soll“, beschreibt Asmus den weiteren Prozess. Und über dieses gemeinsam erarbeitete Konzept soll dann der jeweils zuständige Sachbearbeiter der Jugendgerichtshilfe, der Polizei und der Staatsanwaltschaft informiert werden.

Was ist das „Haus des Jugendrechts“?

Das Göttinger „Haus des Jugendrechts“ ist „keine Immobilie, sonder eine sehr bewegliche Kooperation all derjenigen, die sich im Bezirk des Amtsgerichts Göttingen um die Rechtstreue der Jugendlichen und Heranwachsenden sorgen“ – so beschrieb es Oberstaatsanwalt Stefan Studenroth bei der Vorstellung der Kooperation zwischen Stadt, Landkreis, Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft Göttingen im April 2019. Zu den Zielen der Kooperation gehört es, Strafverfahren von Jugendlichen effizienter zu bearbeiten und Jugendkriminalität gezielter zu bekämpfen. Die neue Zusammenarbeit ersetzt dabei nicht die bisherige Arbeit der Partner, sondern ergänzt diese. Oberstaatsanwalt Torben Asmus beschreibt das so: „Letztlich stellt das ,Haus des Jugendrechts’ eine institutionalisierte und deshalb noch engere Zusammenarbeit der an der Verfolgung jugendlicher Straftäter beteiligten Institutionen dar, die sich selbstverständlich über diesen institutionalisierten Rahmen hinaus in unzähligen Einzelfällen wie eh und je täglich persönlich, schriftlich, telefonisch und per E-Mail austauschen.“

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Von Markus Riese

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