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Göttingen 250 Menschen lassen sich registrieren
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18:01 28.07.2019
Gemeinsam für Rebecca und gegen den Blutkrebs: Maximilian Sobotka, Hans-Martin Rieder, Ana Maria Vera-Aguirre, David Rappe, Christian Ritzke und Janna Wentrot (von rechts). Quelle: Markus Riese
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Göttingen

250 potenzielle neue Stammzellspender, 250 Mal Hoffnung: Das ist die Bilanz einer Typisierungsaktion in den Räumen der Katholischen Hochschulgemeinde Göttingen (KHG) am Sonnabend. Die relativ spontan organisierte Registrierungsaktion der Deutschen Knochenmark-Spender-Datei (DKMS) war im Vorfeld insbesondere über die sozialen Netzwerke vielfach angekündigt und geteilt worden.

Einzige Überlebenschance

Anlass für die Aktion war die Blutkrebserkrankung der 31-jährigen jungen Mutter Rebecca Kranich, die in Göttingen geboren wurde und im Landkreis aufgewachsen ist. Bislang war die Suche nach einem „genetischen Zwilling“ für Rebecca erfolglos; eine Stammzellspende ist allerdings ihre einzige Überlebenschance. Ihre acht Monate alte Tochter darf sie aufgrund einer Chemotherapie derzeit nicht sehen.

Braucht Hilfe: Rebecca Kranich. Quelle: R

Die Kolumbianerin Ana Maria Vera-Aguirre, selbst erfolgreich behandelte Krebspatientin und außerdem langjährige Freundin der Familie, wollte nicht tatenlos darauf warten, ob sich möglicherweise irgendwo auf der Welt ein passender Spender findet. Gemeinsam mit David Rappe, dem Bruder von Rebecca Kranich, setzte sie alle Hebel in Bewegung, um die Typisierungsaktion schnell realisieren zu können, und zwar parallel zu einer noch größer angelegten Aktion mit 70 Helfern in Kranichs aktuellem Wohnort Bad Säckingen.

„Wir sind sehr dankbar für die tolle Unterstützung durch die DKMS und die KHG“, betont Vera-Aguirre, während immer wieder Menschen das Gebäude betreten, um die wenige Minuten dauernde, völlig schmerzfreie Prozedur über sich ergehen zu lassen.

Viele freiwillige Helfer dabei

Rappe freut sich über jeden, der reinkommt und helfen will. Er weist den Registrierungswilligen Tische zu, an denen insgesamt 27 Helferinnen und Helfer sitzen – alles Freunde oder Familienmitglieder. Von der DKMS ist mit Maximilian Sobotka extra ein sogenannter „Volunteer“ aus Nordhausen angereist. Vor Beginn der Aktion erklärt er den Helfern, was genau zu tun ist, wie der sogenannte Wangenabstrich genommen wird und welche Daten von den potenziellen Spendern zu erfassen sind. Auch während der Aktion steht der DKMS-Helfer permanent für Fragen und Hilfestellungen bereit.

Helfer (in den roten Shirts) und potenzielle Spender bei der Typisierungsaktion in Göttingen - 250 Menschen lassen sich an diesem Tag registrieren. Quelle: Markus Riese

Nach der ersten Stunde sind bereits 79 neue Datensätze erfasst, nach anderthalb Stunden rund 110. „Wir hatten natürlich gehofft, dass so viele Menschen kommen würden“, gibt Rappe zu. Schließlich geht es nicht nur um das Leben seiner Schwester, sondern auch um das vieler weiterer kranker Menschen in aller Welt, die auf einen passenden Spender warten. Je mehr Menschen sich typisieren lassen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, einen Treffer zu landen.

Viele, die die Typisierung gerade hinter sich haben, gehen mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck wieder zurück auf die Straße. So auch Janna Wentrot und Christian Ritzke. Die jungen Eltern eines drei Monate alten Mädchens kennen Rebecca und ihren Bruder aus früheren Tagen und sind via Facebook mit ihnen befreundet. Dort haben sie auch von der Registrierungsaktion erfahren: „Wir haben gerade so viel Glück mit unserer kleinen Tochter, da wollten wir einfach auch helfen, damit es jemand anderem vielleicht auch bald wieder besser gehen kann“, sagt Wentrot.

Nach Jahrzehnten noch zum Helden werden

Schon in den 90er-Jahren hat sich Hans-Martin Rieder typisieren lassen. Der Hochschulgeistliche und Jesuitenpater unterstützt die Aktion gern, sagt aber bescheiden: „Eigentlich habe ich ja nur den Schlüssel für die Räume zur Verfügung gestellt.“ Die Anwesenheit des DKMS-Volunteers nutzt Rieder dann aber doch, um sich nach dem Bestand seiner Daten zu erkundigen. Ob denn nach so vielen Jahren eine „Auffrischung“ nötig sei, will er von Sobotka wissen. „Nein, das ist nicht erforderlich“, informiert der Experte. Wer einmal in der Datenbank erfasst sei, der müsse sich nicht noch einmal typisieren lassen, auch nicht nach mehreren Jahrzehnten. Selbst nach so langer Zeit kann man also immer noch ganz plötzlich für einen anderen Menschen zum Helden werden – und zum Lebensretter.

Jede Registrierung kann Leben retten

Die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) ist eine von 26 Stammzellspenderdateien in Deutschland – sie gilt als eine der größten und hat sich zur Aufgabe gemacht, Aufmerksamkeit für Blutkrebserkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten zu erzeugen. Immer wieder organisiert und unterstützt sie Typisierungsaktionen wie die in Göttingen und Bad Säckingen. Außerdem sammelt die DKMS als gemeinnützige GmbH auch Spendengelder, um die Typisierungen finanzieren zu können – denn jede einzelne Registrierung koste 35 Euro. Darüber hinaus unterstützt die DKMS die Weiterentwicklung von Therapien gegen Blutkrebs auch durch eigenen Forschungen. Wichtig: Die Institution steht nicht in Konkurrenz zu den andere 25 Dateien: Alle Datensätze fließen in dieselbe Datenbank ein – egal, bei welcher Spenderdatei die Registrierung erfolgt ist. Weltweit sind mittlerweile etwa 30 Millionen potenzielle Spender erfasst.

Von Markus Riese

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