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Göttingen Reiffenhausen: Mostpresse setzt Politiker unter Druck
Die Region Göttingen Reiffenhausen: Mostpresse setzt Politiker unter Druck
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17:51 28.08.2013
Von Jürgen Gückel
Umstrittene Mostpresse: Ralf Gräser – hier ein Foto aus dem Jahr 2006 – rechnet seit Jahren mit der Havarie des Geräts. Quelle: Heller
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Reiffenhausen

Jetzt steht die Mosterei auf dem Spiel. Deren Kostendeckung betrug 2012 (wie auch 2011) 64 Prozent. Aber braucht man in der Gemeinde eigentlich noch eine kommunale Mosterei? Das  fragte sich gerade der Finanzausschuss und wird sich heute auch der Rat fragen.

Aus Sicht der Freunde von Mosterei, Heißmangel und Sauna kommt die Diskussion in einem denkbar ungünstigen Moment. Zum einen hat die Gemeinde Friedland durch den Zensus mehr als ein Drittel (37 Prozent) seiner Einwohner verloren – jedenfalls sollen sich die Landeszuweisungen spätestens in fünf Jahren an der neuen, aus der Volkszählung hochgerechneten Zahl orientieren.

Das könnte, so rechnet Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) vor, im günstigsten Fall einen Verlust von jährlich 330 000 Euro bedeuten, im schlimmsten gar bis 890 000 Euro. Da muss, so die CDU-Grünen-Mehrheit, jede Ausgabe überlegt werden.

Dann liegt soeben die neue Betriebskostenabrechnung vor, die für die Mosterei 4918 Euro Verlust ausweist. Heißmangel und Sauna produzierten 1195 beziehungsweise 749 Euro Verlust. Das bedeutet bei der Heißmangel gerade einmal eine Kostendeckung von 41 Prozent.

Das Ende der Obstsaft-Saison?

Obendrein war ein Antrag des Ortsrates und der Arbeitsgruppe DGH Reiffenhausen auf Neuanschaffung einer Obstpresse der Auslöser für die Debatte. Die Verwaltung wollte die 10 000 bis 11 000 Euro teure Beschaffung per Umlaufverfahren genehmigen lassen und im Nachtragshaushalt absegnen.

Doch in dieses Vorhaben grätschte das parteilose CDU-Fraktionsmitglied Dirk Böning hinein. Bei einer Mosterei handele es sich nicht um eine gemeindliche Aufgabe der Daseinsvorsorge, schrieb Böning. Dem Grünen Wolfgang Meyer-Andres fehlt „der Eigenanteil der Ortschaft“, und auch CDU-Mann Heinrich Harriehausen meint: „Wenn Reiffenhausen die Presse so wichtig ist, soll der Ortsrat sie doch kaufen.“

Wie auch immer der Rat am Donnerstag entscheidet: Sollte die alte Mostpresse ihren Dienst versagen, was täglich erwartet wird, stehen weder Geld für eine neue noch schneller Ersatz bereit. Das wäre das Ende der Obstsaft-Saison – wenn nicht gar der ganzen Mosterei.