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Göttingen Richtfest für das Kunsthaus im Kunstquartier Göttingen
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09:59 01.10.2019
Richtfest im Kunstquartier Göttingen: Rolf-Georg Köhler (SPD) sieht in dem Kunsthaus einen wichtigen Schritt, „Kunst in Göttingen angemessen präsentieren zu können“. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Richtfest im Göttinger Kunstquartier (KuQua): Seit Freitag ziert die Richtkrone das künftige Kunsthaus an der Düsteren Straße. Zimmermeister Martin Struthmann hat zur Feier den traditionellen Richtspruch aufgesagt.

Der Rohbau für das Gebäude ist weitgehend fertiggestellt, noch verstellt ein Gerüst den freien Blick auf die Fassade. Bis zur geplanten Eröffnung werden noch 339 Tage vergehen.

Die Bildergalerie:

Richtfest im Kunstquartier Göttingen: Zum Richtfest für das Galeriehaus an der Düsteren Straße halten Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (beide SPD) Grußworte. Es gab Gelegenheit, den Ausstellungsraum im Erdgeschoss zu besichtigen.

„Angenehmes Erbe“

Das Kunsthaus sei ein wichtiger Schritt, „Kunst in Göttingen angemessen präsentieren zu können“, sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Freitag. Das Projekt Kunstquartier, von dem das Kunsthaus nur einen Teil darstelle, sei ein „angenehmes Erbe“, das er von seinem Vorgänger Wolfgang Meyer (SPD) übernommen habe. Meyer und Verleger Gerhard Steidl hatten die Idee Kunstquartier zum ersten Mal 2008 vorgestellt.

Oppermann und Thaut Quelle: Peter Heller

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD) glaubt an die „enorme Bereicherung“, die das Kunsthaus der Stadt bringen werde. Sei doch Göttingen mit „musealen“ Einrichtungen für Kunst „nicht gerade übermäßig“ bedacht. „In Göttingen dominiert die rationale Wissenschaft“, sagte Oppermann. Er sei auf die „spannende Architektur“ des Kunsthauses gespannt und darauf, wie sich das Haus ins Ensemble der Düsteren Straße einfügen werde.

Kunsthaus-Architekten: Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut. Quelle: Anikka Bauer

736 QuadratmeterAusstellungsfläche

Der Entwurf für das Kunsthauses stammt vom Leipziger Atelier ST der Architekten Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut. Auf dem nur 300 Quadratmeter großen Gelände entsteht ein mehr als 20 Meter hohes Haus, das auf 1200 Quadratmetern Bruttofläche auf drei Stockwerken plus Dachgeschoss und Keller 736 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten soll. Nach Thauts Angaben soll das Haus im Juli der Stadt Göttingen übergeben werden, im September könne dann die Eröffnung erfolgen. Nach einigen Verzögerungen sei man nun im Zeitplan, sagt er. „Mit dem heutigen Richtfest und dem fertigen Rohbau ist die Idee des Haues bereits vollständig erlebbar.“

Im Rohbau: der Ausstellungsraum im Erdgeschoss. Quelle: Peter Heller

Während die Finanzierung des Baus inzwischen gesichert ist, kümmert sich ein am 20. September gegründeter Freundeskreis um die Finanzierung der späteren Betriebskosten. Sechs Millionen Euro soll der Bau kosten – 4,5 Millionen schießt der Bund zu, 500.000 Euro finanziert die Stadt Göttingen, eine Millionen Euro steuert der Duderstädter Unternehmer Hans Georg Näder bei. Auch der laufende Betrieb der Galerie sei ohne „dauerhafte Spenden“ nicht zu stemmen. „Die öffentliche Hand kann das nicht alleine stemmen“, sagte Köhler.

Das Video vom Richtfest

Die Stadt rechnet derzeit mit bis zu 420.000 Euro jährliche Betriebskosten, von denen 180.000 Euro die Stadt trägt. Die Firma Sartorius hat zugesagt, für fünf Jahre 100.000 Euro zu zahlen. Als privater Sponsor will sich die Göttinger Unternehmerfamilie Kurth jährlich mit 30.000 Euro beteiligen. Davon soll es möglich sein, Besuchern einen kostenlosen Eintritt für das Galeriegebäude zu ermöglichen.

Alfons von Uslar Quelle: Peter Heller

„Wir wollen Kunst und Kultur für jedermann anbieten“, sagt Alfons von Uslar. Der Landwirt und Jurist hat in der Startphase ehrenamtlich die Geschäftsführung des Kunsthauses übernommen. „Ich arbeite ohne Gehalt, aber hoffentlich nicht ohne Wirkung“, sagte von Uslar während des Richtfestes, an dem Vertreter aus Ratspolitik, Verwaltung, Kultur und Wirtschaft sowie Anwohner und Nachbarn im Viertel teilnahmen. Er sei kein Kunstprofi, so von Uslar, er bringe aber die Erfahrung als Geschäftsführer einer Kaufhausgruppe ein. Geplant ist, dass von Uslar die Gründungs- und Anfangsphase begleitet und dann durch einen hauptamtlichen Geschäftsführer abgelöst wird.

Für die Bauphase und den Betrieb in den ersten Jahren besteht das Kunsthaus-Göttingen-Team außer von Uslar aus dem Gründungsdirektor Gerhard Steidl, der Kuratorin Ute Eskildsen und dem Gastkurator Joshua Chuang. Mit einer von Eskildsen kuratierten Gruppenausstellung von Sven Johne (Berlin) Sebastian Stumpf (Leipzig) und Clare Strand (Brighton) soll das Kunsthaus im September 2020 eröffnet werden.

Dem Oberbürgermeister von Kassel Christian Geselle und der Documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann habe man inzwischen das Angebot gemacht, das Kunsthaus als Documenta-Außenstandort zu nutzen, sagte Köhler.

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Außenansicht für das Kunsthaus Quelle: Atelier ST

So sieht das architektonische Konzept der Architekten Thaut für das Kunsthaus aus

Konzept und Leitidee

„Das neue Kunsthaus soll als öffentliches Gebäude Impulsgeber für das neue Kunstquartier (KuQua) sein. Gleichwohl wird das räumlich kleinteilige Gefüge der Göttinger Altstadt mit dem Neubau behutsam vervollständigt.

In seiner äußeren Erscheinung transformiert der Baukörper regionaltypische Details und Geometrien (Vorspringende Geschosse; Steildächer) aus dem Kontext der Göttinger Altstadtbebauung in eine eigenständige Architektur.

So verankert sich das Gebäude selbstverständlich in der historischen Innenstadt und ist doch deutlich als ein Haus der Kunst erkennbar.

Der flexibel nutzbare Foyerbereich im Erdgeschoss ist als Bindeglied zwischen öffentlichem Straßenraum, Kunsthaus und dem öffentlichen Innenhof des neuen Kunstquartiers konzipiert.

Eine stützenfreie massive Stahlbetonstruktur erlaubt maximale Ausstellungsfläche sowie ein Höchstmaß an Flexibilität über alle Geschosse.

Die Aussenhülle des Museumsneubaus besteht gänzlich aus einem Ziegelmauerwerk, in unregelmäßigem Verband. Ein Material, das bereits in der Geschichte Göttingens für unterschiedliche öffentliche Gebäude seinen Einsatz fand und Erinnerungen an ehemals vorhandene Lagerhäuser weckt“, schreiben die Architekten Thaut.

Blick in einen Ausstellungsraum Quelle: Atelier ST

Funktion

Und weiter: „Der dreigeschossige, unterkellerte Neubau, mit ausgebautem Dachgeschoss, soll nach Fertigstellung als öffentliches Kunsthaus genutzt werden. Dabei werden im Rahmen von Wechselausstellungen ausschließlich Grafiken, Buch-, Foto- und Videokunst in den drei großen Ausstellungsräumen präsentiert.

Diese sind somit frei von natürlichem Tageslicht grundsätzlich künstlich belichte. Nur einzelne Fenster bieten gezielte Ausblicke und können vollständig verdunkelt werden.

Das Dachgeschoss dient der Kunstvermittlung. In einem großen, natürlich belichteten Vortragsraum finden Seminare, Sonderveranstaltungen, sowie Präsentationen und Eröffnungen statt. Für diese Zwecke ist die Westseite des Daches als eingeschnittener Terrassenbereich mit raumhoher Vollverglasung konzipiert. Ein weiterer Raum im Dachgeschoss dient als zusätzlicher Seminarraum und wird für verschiedene Workshops genutzt.

Dachflächenfenster sorgen für eine zusätzliche ausgewogene, natürliche Belichtung im Dachgeschoss. Alternativ können die Räumlichkeiten ebenso für Ausstellungen, Projektionen, u.ä. genutzt werden.

Im Untergeschoss sind Nebennutzungen wie Lager, Sanitäranlagen, Garderobe sowie Technikflächen angeordnet.“

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

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