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Göttingen Drei Forderungen an das Studentenwerk
Die Region Göttingen Drei Forderungen an das Studentenwerk
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00:19 23.11.2017
Jörg Magull, Geschäftsführer des Studentenwerks, erläutert die Sanierungspläne für die Häuser Rote Straße und Burgstraße. Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Die Bewohner der Wohnheime fordern vom Studentenwerk einen sofortigen Sanierungsbeginn und „das Abwenden der drohenden Unbewohnbarkeit“ der Häuser. Zudem sollen sowohl die denkmalgeschützten Häuser als auch die selbstverwalteten Strukturen erhalten bleiben. Weiter fordern sie, dass sich das Studentenwerk um andere Finanzierungsmöglichkeiten für die Instandsetzung der in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts gebauten Häuser bemüht.

Denn genau diese Finanzierung ist der Streitpunkt in der Auseinandersetzung zwischen Bewohnern und Studentenwerk. Auf 5,6 Millionen Euro beziffert das mit dem Sanierungskonzept beauftragte Architekturbüro die Instandhaltungskosten. Kosten, die das Studentenwerk über die Mieten refinanzieren will. Jörg Magull bekräftigte diesen Plan am Montag. „Die Instandhaltung muss sich aus der Miete finanzieren“, erläuterte Magull. Das Studentenwerk finanziere sich zu 80 Prozent selbst. Die Finanzhilfe des Landes betrage nur zehn Prozent des 36,5 Millionen Euro schweren Studentenwerkshaushalts, Zuschüsse für Sanierungen gebe es nicht, so Magull.

Jahrelanges „Flickwerk“

Es sei ihnen bewusst, dass es nach der Sanierung eine Mieterhöhung geben werde, sagte Lisa Hoffmann, Sprecherin der Wohnheime. „Wir sind aber nicht bereit die Instandsetzungskosten alleine zu tragen“, sagte Hoffmann. Die Sanierungen in der Höhe habe das Studentenwerk selbst verschuldet – durch mangelhafte Sanierungen – „nach damaligem Stand der Technik“, so Magull – in den 70er Jahren und durch jahrelanges „Flickwerk“. Erst 2015, nach einem Wasserrohrbruch waren die Schäden im Fachwerk aufgefallen und im weiteren untersucht worden, schilderte Magull.

Ein Gutachten für die Gebäude aus dem Jahr 2015 empfiehlt eine umfassende Sanierung und Instandsetzung der Gebäude. „Wir greifen in die tiefste Substanz des Gebäudes ein“, sagte Magull. Die Sanierungskosten seien so hoch wie für einen Neubau, erklärte er.

Sanierungskonzept ist fertig und mit Denkmalschutz abgestimmt

Das Konzept steht und ist laut Hoffmann in guter Zusammenarbeit mit Bewohnern, Architekten, Gutachtern und Statikern erarbeitet worden. Mit Denkmalschutz und Feuerwehr ist es Magull zufolge bereits abgestimmt. Als Bauzeit nimmt Magull drei Jahre an. Platz soll es dann für 64 Studierende geben. Das Studentenwerk sei grundsätzlich bereit, an einen Verein der Bewohner als Generalmieter zu vermieten. Derzeit gibt es nach Hoffmanns Angaben sechs Mietverträge mit Gesellschaften bürgerlichen Rechts.

Zu den Maßnahmen gehört auch die umfangreiche Sanierung und großflächige Erneuerung des Fachwerks, in dem sich Schimmel breit gemacht hat – verursacht durch eine seit den 90er Jahren als unsachgemäß geltende Sanierung, bei der das Fachwerk durch Spanplatten abgedeckt worden ist. Diese führte zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung im Gebälk. Die Gutachter empfehlen nun einen Sanierungsbeginn spätestens nach fünf Jahren nach Erstellung des Gutachtens.

“Flickwerk“ nach Wasserrohrbruch: Die Fachwerkwände sind mit Platten verhängt, die Feuchtigkeit hat das Fachwerk angegriffen. Quelle: Micheal Brakemeier

Voraussetzung für den Sanierungsbeginn ist für das Studentenwerk aber, dass vorher mit den Bewohnern eine Einigung über das weitere Verfahren und die sich daraus ergebenen Konditionen erzielt wird. Die Bewohner der Roten Straße sehen das wiederum kritisch, weil unabsehbar sei, wann eine Einigung erzielt werde und die Gebäude von einer „Baufälligkeit“ bedroht seien. Diese, so Hoffmann, werde vom Studentenwerk aber in Kauf genommen. Sie und ihre Mitbewohner fürchten, sollte sich nicht bald etwas tun, die „Zwangsräumung“ der Häuser. Inzwischen ist im Keller der Roten Straßen 5 der Boden weggesackt. Mit einem Holzgerüst für 20000 Euro ist das Kellergewölbe behelfsmäßig abgestützt. Der Keller sei längst nicht mehr zu nutzen, so Hoffmann.

Notdürftig abgestützt: Keller in der Roten Straße 5. Quelle: r

Inzwischen haben die Bewohner dem Studentenwerk ein Kaufangebot für Häuser und Grundstücke abgegeben. „Unser Angebot beläuft sich auf ein Drittel der Sanierungskosten“, sagt Hoffmann.

Das Studentenwerk seinerseits ist durchaus zu einem Verkauf bereit. Preis für die Häuser, allerdings ohne Grundstück: die Sanierungskosten abzüglich der Kosten, die für den Denkmalschutz entfallen. Nach jetziger Schätzung 5,6 Millionen Euro Sanierungskosten minus 1,15 Millionen Euro für den Denkmalschutz. Das Grundstück soll dabei im Besitz des Studentenwerkes bleiben.

Oberbürgermeister Köhler als Schlichter

In der vergangenen Woche hatten die Bewohner wegen der aus ihrer Warte Aussichtslosigkeit, eine tragbare Lösung zu finden, die Verhandlungen aufgekündigt. Magull setzt hingegen auf Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), der nun auf seinen Vorschlag vermitteln soll. „Wir brauchen einen Impuls von dritter Seite“, erklärte Magull. Wie eine Lösung aussehen könnte, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Wir haben kein Interesse an einer Eskalation“, sagte Magull. Daher verzichte das Studentenwerk auf eine „öffentliche Auseinandersetzung“ mit den von den Bewohnern in der vergangenen Woche vorgebrachten „gravierenden“ Vorwürfen, „um die Möglichkeit der Wiederaufnahme der Gespräche nicht zu erschweren“.

Unter dem Motto „Rote Straße sanieren, erhalten, verteidigen!“ haben die Wohnprojekte Rote Straße/Burgstraße in ihrem Blog unterdessen ein Video und mehrere Fotos von Unterstützern veröffentlich.

Hoffmann wertet eine Vermittlerrolle Köhlers als „sinnvoll“, kritisierte aber, von diesem Vorschlag Magulls erst aus der Presse erfahren zu haben. Einen Zeitplan für die Vermittlungsgespräche gibt es laut Magull noch nicht. Er hofft aber nun auf eine Lösung innerhalb eines halben Jahres.

Vorstandsmitglied Freudenberger fordert „Verhandlungen auf Augenhöhe“

Larissa Freudenberger, studentische Vertreterin im Vorstand des Studentenwerkes und Vorsitzende des Juso-Unterbezirks Göttingen, erklärte sich am Montag wie zuvor die Jusos, die Linksjugend Solid und die Grüne Jugend Göttingen solidarisch mit den Bewohnern. Sie bemängelte, dass das Studentenwerk seinem sozialen Auftrag, studentischen Wohnraum zu schaffen und anzubieten, nicht nachkomme. Die Instandhaltungskosten auf die Bewohner umzuwälzen, gehe so nicht. Sie fordert zudem „Verhandlungen auf Augenhöhe“. Freudenberger kritisierte die mangelnde Kommunikation auch innerhalb des Studentenwerkvorstandes. Freudenberger forderte Magull auf, Fördermittel für die Sanierung einzutreiben. Das sei kaum möglich, sagte Magull. Für den Denkmalschutz gebe es „nur steuerliche Vergünstigungen“, auch lägen die Häuser nicht in einem geförderten Sanierungsgebiet.

Michael Holtz von der Wohnrauminitiative wertet das Vorgehen des Studentenwerkes bei der Roten Straße als Fortführung der „Kampfansage“ des Studentenwerkes von 2012 an kleinere Wohnheime, diese nicht weiter zu betreiben, weil diese unrentabel seien. Zudem sei zu vermuten, dass das Studentenwerk ein „unliebsames linkes Projekt“ los werden wolle.

Von Michael Brakemeier

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