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Göttingen Rückzug ins Zentrum: Rehbock mitten in Stadt
Die Region Göttingen Rückzug ins Zentrum: Rehbock mitten in Stadt
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19:58 02.08.2011
Von Jürgen Gückel
Wildtier mitten in der Stadt: der einsame Rehbock auf der kleinen Brachfläche.
Wildtier mitten in der Stadt: der einsame Rehbock auf der kleinen Brachfläche. Quelle: Rohland
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Göttingen

Doch der junge Spießer lebt offensichtlich freiwillig hier. Das schon seit Monaten. Am 16. Juni, sagt Heinz Rohland, habe er den Bock im Frühtau erstmals gesehen. Danach immer wieder. Vielleicht, so glaubt Rohland, habe sich das Reh in die nur an zwei Stellen durch offene Zaunstellen zugängliche Brachfläche verlaufen.

Rohland hat in Sorge um die Zukunft des Bocks beim Stadtforstamt angefragt, beim Ordnungsamt, dann beim Veterinäramt und der unteren Jagdbehörde. Zuständig habe sich niemand gefühlt. Weil das städtische Grundstück nicht vollständig eingezäunt sei, so die Auskunft, könne der Bock ja wieder weg. Diese Ansicht teilen auf Anfrage auch Jäger. Hermann Krätzschmar etwa, der ein stadtnahes Revier bejagt, hält den Innenstadt-Bock für ein von älteren Rivalen verscheuchtes Jungtier, das hier eine Nische gefunden hat. Wenn es nicht von Hunden und Menschen bedrängt werde, habe es nichts auszustehen. Wasser brauche es nicht; es reiche der morgendliche Tau. Man könne den Bock in Ruhe lassen. Bejagen dürfe man ihn mitten in der Stadt ohnehin nicht, allenfalls per Betäubungsschuss außer Gefecht setzen und in den Wald bringen.

Bei der Stadt will man sich jetzt zunächst selbst überzeugen, was es mit dem Bock auf sich hat. Dann werde nach Möglichkeiten gesucht, das Reh in den angestammten Lebensraum zurückzubringen. Stadtsprecher Detlef Johannson: „Es ist auf Dauer wenig sinnvoll, dem Zustand tatenlos zuzusehen. Ein Rehbock gehört nicht auf eine Gewerbefläche mitten in der Stadt.“