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Göttingen SPD will neues großes Wohngebiet
Die Region Göttingen SPD will neues großes Wohngebiet
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15:34 08.01.2019
Die SPD befürchtet, dass Einrichtungen wie der Dorfladen bei stagnierender Einwohnerzahl in Roringen gefährdet sein könnten. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Roringen

Einen Antrag auf diese Ausweisung bringt die SPD am Donnerstag, 10. Januar, in den Bauausschuss ein. Der Ausschuss soll dem Rat „kurzfristig“ zum Beschluss empfehlen, die Stadtverwaltung zu beauftragen, die im Flächennutzungsplan als Roringen-Nord gekennzeichnete Fläche als Wohnbaufläche auszuweisen.

Dafür sprächen viele Gründe, meint die SPD: „Der Bedarf an Ein- und Zweifamilienhäusern ist im Stadtgebiet sehr groß. Wie die „Städtische Wohnungsbau“ vor kurzem mitteilte, fehlen in Göttingen 1360 Wohneinheiten in diesem Segment.“ Laut einer aktuellen Studie des geografischen Institutes werde vor allem das Wohnraumangebot für junge Paare und kleinere Familien knapp.

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Hervorragende Anbindung

Die Erschließung von Roringen an die bedeutenden großen Arbeitgeber im Nordwesten der Stadt - wie dem Universitäts-Nordbereich, dem Uni-Klinikum oder Sartorius - über die Bundesstraße 27 und den Autobahnzubringer sei hervorragend. Damit seien kurze und schnelle Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gegeben.

Durch seine Lage mit den nahen Wald- und Erholungsgebieten sei Roringen „als bevorzugtes Wohngebiet für junge Familien ideal“, erklärt die SPD. „Diese Personengruppe verbleibt längerfristig in Göttingen, stellt qualifizierte Arbeitskräfte, die aufgrund des Fachkräftemangels dringend benötigt werden, zur Verfügung.“ Damit würde ein solches Neubaugebiet auch zu einer Stärkung des Wirtschaftsstandortes Göttingen beitragen.

Für ein Neubaugebiet bei Roringen spreche auch die große Nachfrage in diesem Teil der Stadt, meint die SPD: „Die im Jahr 2018 angebotenen sieben Bauplätze in Roringen wurden mit 250 Anfragen vom Bauwilligen mehr als 35-fach überzeichnet.“

Bebauung für Senioren

Das von der SPD vorgeschlagene Neubaugebiet passe sich zudem „ sehr günstig in das vorhandene Landschaftsbild ein“, weil die Fläche direkt neben einer bereits vorhandenen Wohnbebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern liege. Auf der etwa 3,7 Hektar großen Neubau-Fläche ließen sich 50 bis 70 Wohneinheiten im Ein- und Zweifamiliensegment errichten, so die SPD: „Im westlichen Bereich ließe sich zusätzlich eine verdichtete Bebauung, die auch für eine seniorengerechte Nutzung sehr gut geeignet wäre, umsetzen.“ Die Eigentümer der benötigten Flächen hätten zudem Verkaufsbereitschaft signalisiert.

Das vorgeschlagene Neubaugebiet käme überdies dem gesamten Ortsteil zugute, argumentiert die SPD in ihrem Antrag: Für Einrichtungen wie Grundschule, Kindergarten, Dorfladen, Vereine und vor allem die Feuerwehr sei „ein gewisses quantitatives Potenzial an Einwohnern notwendig“, argumentiert die SPD: „Roringen ist mit etwa 1000 Einwohnern am unteren Bereich. Eine Ausweisung eines größeres Baugebiet, mit der damit verbundenen Steigerung der Einwohnerzahl, würde die so wichtigen Infrastruktureinrichtungen stärken.“

Pirat widerspricht

Aus den Reihen der Piratenpartei im Rat der Stadt gibt es Widerspruch. Der Ratsherr Francisco Welter-Schultes kritisiert „einen weiteren fragwürdigen Flächenverbrauch und Auswucherung der Besiedlung ins Umland“ Außerdem würde das Projekt „Planungskapazitäten im Baudezernat binden, die dann für Schutz und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in der Kernstadt nicht mehr zur Verfügung stünden“. Weil bereits „Kräfte für die Erschließung von Einfamilienhaus-Neubaugebieten in Esebeck und Hetjershausen gebunden sind und der bezahlbare Wohnraum aktuell viel dringlicher ist, stellt sich in Zeiten dramatischer Mietpreisentwicklungen die Frage nach der Prioritätensetzung in der städtischen Wohnungsbaupolitik der SPD“, meint Welter-Schultes.

Außerdem werde in Roringen gerade ein Neubaugebiet „Am Menzelberg“ erschlossen, das wegen „der hohen Baupreise für die Stadt erheblich teurer wird als veranschlagt. Der Rat musste im Juni 2018 fast 100000 Euro, die eigentlich zur Beseitigung von Unfallschwerpunkten gedacht waren, nach Roringen verschieben“. Schon hier habe sich die Frage nach den Prioritäten gestellt, erklärt Welter-Schultes.

Der Bauausschuss tagt am Donnerstag, 10. Januar, ab 16 Uhr im Raum 118 des Neuen Rathauses.

Von Matthias Heinzel