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Göttingen Sabbel-Stunde mit Deutschlands Auswanderer-König
Die Region Göttingen Sabbel-Stunde mit Deutschlands Auswanderer-König
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19:11 16.11.2010
Von Andreas Fuhrmann
Mit Spickzettel: Den braucht der selbst ernannte Sabbelkopp Konny Reimann aber nicht.
Mit Spickzettel: Den braucht der selbst ernannte Sabbelkopp Konny Reimann aber nicht. Quelle: Hinzmann
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Konny Reimann, der Mann, der mit seiner Familie Hamburg verließ, um in die USA auszuwandern, sich von einem Fernsehteam begleiten ließ und dadurch berühmt wurde, ist zurück und erzählt – vom Auswandern. Worüber auch sonst? „Ihr habt Geld bezahlt, damit ich einen absabbel. Ist das nicht ne geile Karriere“, ruft er. Dann stellt er einen Wecker auf, damit er sich nicht versabbelt, zeigt sein Manuskript, das er nicht einmal benutzt, lässt sich in seinen roten Sessel sinken und umgreift das Mikrofon fester. Ja, und dann sabbelt er drauf los.

„Wir sind nicht geflüchtet“, sagt er und nennt Deutschland „ein geiles Land“. Er kehre aber trotzdem nicht zurück. Alles, was er in Deutschland gemacht habe, tue er nämlich auch in Texas – „aber in Texas mache ich das jetzt legal“. Die Menschen lachen, und tatsächlich ist das lustig, wenn auch nicht urkomisch. Konny Reimann erzählt, dass er und seine Familie 2004 nach einem Besuch seines Freundes, der in Texas lebte, beschlossen hätten, auszuwandern. Das sei ihm bereits nach der Landung klar gewesen. „Alles Pickups hier, geil“, habe er gedacht. Das genügte. Zurück in Deutschland verkaufte er sein Haus, beantragte eine Greencard und heiratete seine Manu. Den Antrag machte er ihr im Auto, als sie vor einer roten Ampel standen. Zur Hochzeit ging es natürlich nach Las Vegas. „Ich habe kein Wort vom Pastor verstanden“, sagt der 55-Jährige. Aber egal.

So geht das weiter, und bis kurz vor der Pause zieht sich der Vortrag etwas. Die Geschichte seines Papageis Erwin ist aber noch mal ein Leckerbissen. Um den mit in die USA nehmen zu dürfen, musste er in Deutschland nicht nur von Amt zu Amt rennen und sich aus 200 Formularen eines zusammenschustern. Nein, der Vogel musste nach der Landung in Amerika auch noch in Quarantäne. Vier Wochen später erst durfte er ihn abholen. „Na Erwin, alles klar“, habe er den Vogel gefragt, worauf der nur antwortete: „So what.“ Nun, damit konnte der Papagei immerhin besser Englisch als Konny Reimann.

Der zweite Teil des Abends gestaltet sich unterhaltsamer. Der 55-Jährige erzählt, wie er sein Grundstück am Moss Lake beinahe abfackelte, dass man in den USA nur 14 Dollar für den Tüv zahlt und dass dort ein Schulbus mit eingeschaltetem Warnblinker nicht überholt werden darf. Letzteres erfuhr er aber erst, nachdem er seinen eigenen Schulbus (Konny Reimann steht auf große Fahrzeuge) wegen eines Getriebeschadens nur langsam über die Landstraße bewegen konnte – und irgendwann die Autokarawane hinter sich bemerkte.
Am Ende würgt die Dallas-Musik ihn ab. Applaus brandet auf. Ein Mann stürmt derweil auf den Kameramann des Tageblatts zu und hält seine Hand vor die Linse. Filmen sei nicht erlaubt, zischt er. Nach Rücksprache mit dem Management darf er dann aber doch – hätte auch irgendwie nicht gepasst zur lockeren Sabbel-Stunde mit Konny Reimann.