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Göttingen Säumige Steuerzahler müssen zu Fuß gehen
Die Region Göttingen Säumige Steuerzahler müssen zu Fuß gehen
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20:24 16.03.2012
Von Matthias Heinzel
Stillgelegt: An diesem Auto im Göttinger Wilamowitzweg hat das Finanzamt eine Radkralle anbringen lassen.
Stillgelegt: An diesem Auto im Göttinger Wilamowitzweg hat das Finanzamt eine Radkralle anbringen lassen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Damit der Betroffene nicht aus Versehen losfährt, prangt an der Fensterscheibe der Fahrertür ein unübersehbarer Hinweis des Finanzamts auf die Blockade. Jeder Außenstehende, der eins und eins zusammenzählen kann, weiß nun: Der Besitzer dieses Autos hat seine Steuer nicht bezahlt.

Die Zahl der Kralleneinsätze dürfte in der nächsten Zeit noch ansteigen: Seit Jahresbeginn verschickt das Finanzamt keine Zahlungsaufforderungen für die Kraftfahrzeugsteuer mehr. Im vergangenen Jahr war allen Aufforderungen ein Hinweis beigefügt worden, dass künftig die Autofahrer selbst an die rechtzeitige Zahlung der Steuerschuld denken müssen.

Erst die Mahnung, dann die Kralle

Betroffen sind alle Fahrzeughalter, die ihr Auto oder Motorrad vor 2004 zugelassen haben. Seit diesem Jahr verlangt das Finanzamt bei allen Zulassungen eine Einwilligung zum automatischen Kontoeinzug. Damals bereits bestehende Zulassungen blieben von diesem Verfahren unberührt.

Hinweis des Finanzamtes

Allerdings: Bevor die Kralle zum Einsatz komme, gebe es für die Altfälle noch eine (kostenbewehrte) Mahnung, versichert das Göttinger Finanzamt. Die Behörde rechnet denn auch damit, dass nach einem Jahr viele Fahrzeugbesitzer den Hinweis auf die Verfahrensänderung vergessen haben werden und an ihre Zahlungspflicht erinnert werden müssen. Über so viele Krallen, wie ohne die Mahnungen voraussichtlich eingesetzt werden müssten, verfüge das Göttinger Finanzamt nun wirklich nicht, heißt es von Seiten der Behörde.

Immerhin ist die neue Kralle sogar autofahrerfreundlicher als die früher angewandte Methode. Weil das Finanzamt bei nicht gezahlter Steuer das Recht hat, den Wagen stillzulegen, wurde dabei bislang die aktuell angebrachte Tüv-Plakette entfernt, was weitere Kosten verursachte. Denn selbst wenn die Steuer umgehend beglichen wird, darf das Auto erst wieder in Betrieb genommen werden, wenn es erneut durch den Tüv geprüft wird und eine neue Plakette erhält.