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Göttingen Saftporling und Brandkrustenpilz bringen Bäume zu Fall
Die Region Göttingen Saftporling und Brandkrustenpilz bringen Bäume zu Fall
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17:51 05.01.2011
Von Ulrich Schubert
Fauler Stamm: Erst der Schnitt zeigt, wie schlecht es dem Ahorn am Spielplatz Winterberg geht.
Fauler Stamm: Erst der Schnitt zeigt, wie schlecht es dem Ahorn am Spielplatz Winterberg geht. Quelle: Stadt Göttingen
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Im Gegenzug werden 137 neue gepflanzt – 74 in unmittelbarer Nähe und 63 an einem günstigeren Standort im Stadtgebiet. Die Fäll-Kandidaten stimmt die Verwaltung seit einigen Jahren mit Naturschützern und Umweltpolitikern im Rat der Stadt ab. Abschließend veröffentlicht sie ihre aktuelle Fäll-Liste. Nur noch selten protestieren in Göttingen Anwohner und andere Bürger, wenn ein öffentlicher Baum gefällt werden soll. Denn längst hat der städtische Fachdienst Grünflächen sein Verfahren geändert. Wenn es Bäumen an die Rinde gehen soll, holt er Experten mit ins Boot und setzt bei allen Entscheidungen auf Transparenz.

Alle Bäume in der Stadt sind mit Nummern versehen und kartiert. Je nach Alter, Art und Standort werden sie halbjährlich, jährlich oder alle drei Jahre kontrolliert. Dabei wird auch durch klopfen geprüft, ob der Stamm innen in Ordnung ist. Fällt einer auf, wird noch genauer geschaut, bei Zweifeln auch von einem externen Gutachter. Der sagt auch schon mal, ob und wie ein kranker und scheinbar sterbender Baum doch zu halten ist. Oder er regt an, den sterbenden Baum einfach stehen zu lassen. Denn im sogenannten Totholz finden oft Insekten und Kleintiere einen idealen Lebensraum.

In vielen Fällen entscheiden die Grün-Experten, dass ein Baum nur zurückgeschnitten werden muss. Ist er nicht zu retten, kommt er auf die Fällliste. Sie wird abschließend noch mit Naturschutzverbänden in einem „Arbeitskreis Baumschutz“ abgestimmt und im Umweltausschuss des Rates vorgestellt. Erst dann kommen Axt und Säge zum Einsatz – überwiegend in den Wintermonaten.

Wenn Stadtbäume gefällt werden, hat das vielschichtige Gründe. Der häufigste: Die Krone ist abgestorben oder trägt nur wenige Blätter, weil der Baum alt ist oder ungünstig steht. Oft sind sie auch von Holzfäule oder Pilzen befallen. In der Fällliste tauchen unter anderem Saftporling, Austernsaitling, Brandkrustenpilz und Schwefelporling auf. Geringe Vitalität oder Krankheiten führen dazu, dass Äste abbrechen und Menschen gefährden.

Nicht alle abgeschriebenen Bäume werden an ihrem Standort durch einen neuen ersetzt. Manchmal ist die Position ungeeignet – zum Beispiel zu nah an einem Haus oder an einer Stelle mit zu wenig Wasser im Boden. Oder es stehen dort bereits zu viele Bäume eng beieinander. Dann wird an anderer Stelle Ersatz geschaffen. Und oft werden Ersatzbäume gewählt, die in dieser Region besser gedeihen.

Fast ein Fünftel der zu fällenden Bäume stehen übrigens auf den Friedhöfen. 59 (45 Prozent) sind durch die Göttinger Baumschutzsatzung geschützt, dürfen also nur mit Genehmigung gefällt werden. Am häufigsten taucht in der Liste der Ahorn auf – nämlich 38 mal. Es folgen Birke (25), Fichte (17), Pappel (13), Linde (12) und Obstbäume (11). 21 Bäume haben einen Stammdurchmesser von 100 oder mehr als 100 Zentimetern, fünf haben einen Durchmesser von 80 bis 100 Zentimeter.

In ihrem Bericht zur aktuellen Fällliste führt die Verwaltung auch Kosten auf: Für die Aktualisierung der Liste inklusive Internet-Stadtplan veranschlagt sie 1500 Euro, Ersatzbäume kosten etwa 15 000 Euro.

Die Fällliste präsentiert die Stadtverwaltung hier.