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Göttingen Sanierung des Städtischen Museums Göttingen: Nach Alter Posthalterei wird jetzt in der Remise gearbeitet
Die Region Göttingen Sanierung des Städtischen Museums Göttingen: Nach Alter Posthalterei wird jetzt in der Remise gearbeitet
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18:35 14.08.2013
Von Katharina Klocke
Fördert Verborgenes zutage: Restauratorin nimmt die Vergangenheit der Remise unter die Lupe. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Wir lernen das Gebäude jetzt erst richtig kennen“, wundert sich Ernst Böhme, Göttinger Stadtarchivar und Museumsleiter.

So stieß Schlöder nicht nur auf Stützen und Paneele aus dem Barock, sondern auch auf Schablonenmalerei, alte Anstriche und nachträglich eingebaute Wände, die einen schönen großen Saal teilten. „Hier gab es einmal eine öffentliche Leihbibliothek, vermutlich war das ein Lesesaal“, sagt Böhme. „Eigentlich wollten wir in einem der Räume eine Werkstatt einrichten, aber darüber müssen wir wohl noch einmal nachdenken.“

Gestaltung des Museums hängt von Schlöder ab

Von Schlöders Erkenntnissen und den Schlüssen, die Museumsmitarbeiter und städtische Planer daraus ziehen, hängt die künftige Gestaltung des Museums ab. Wie das neue Raumkonzept aussehen könnte, wird ein Architektenwettbewerb ergeben, den die Stadt nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ausschreiben will, „Ende 2016 oder 2017“, meint Harald Melzer, Leiter der städtischen Gebäude- und Immobilienwirtschaft.

Aber zunächst einmal wird weiter saniert – Schritt für Schritt. Begonnen hat alles 2008 mit der Alten Posthalterei. Dort konnte die Museumsverwaltung im vergangenen Jahr wieder einziehen. In der Remise stehen nun Schwamm- und Fassadensanierung auf dem Programm. Erstere läuft, Letztere beginnt im September. Wie bereits in der Alten Posthalterei müssen auch hier marode Gebäudeteile wie morsche Balken oder bröckelnde Gefache ersetzt werden.

Investitionsvolumen von rund acht Millionen Euro

Ein Investitionsvolumen von rund acht Millionen Euro für den gesamten Komplex – samt Hardenberger Hof als letztem Bauabschnitt – war die anfängliche Schätzung der Planer. „Aber das wird definitiv nicht reichen“, erklärt Melzer. „Von der wirtschaftlichen Seite her ist das sicher eines der bedeutendsten städtischen Projekte.“ Wie viel Fördergelder etwa vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) oder Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM) aus Denkmalschutzprogrammen sowie eigene Mittel die Stadt investieren müsse, steht noch nicht fest. Die Sanierung der Alten Posthalterei an der Jüdenstraße inklusive des energetischen Ausbaus habe 1,8 Millionen Euro gekostet, 1,2 Millionen seien EFRE-Mittel, 100 000 Euro stammten vom BKM, berichtet Melzer.

An der ungewissen Finanzierung hängt auch der Zeitplan: „Jeder Sanierungsschritt bedarf eines eigenen Antrags auf Bezuschussung“, sagt Göttingens Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck. Das koste Zeit. Auch die Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei sehr aufwändig. Erreichen wolle die Stadt neben der Erhaltung der historischen Gebäude unter anderem die Barrierefreiheit und den Zugewinn von Platz für Sammlung und museumspädagogische Angebote.

Aus Böhmes Sicht ist die Sanierung nicht nur wirtschaftlich ein Großprojekt, sondern auch kulturell. Jeder einzelne Gegenstand der Sammlung, auch das, was in Magazinen verborgen war, wurde für die vorübergehende Auslagerung inventarisiert. „Wir haben dadurch den Bestand sehr gut kennengelernt“, sagt der Museumsleiter.

Viele Ideen

Daraus entstanden viele Ideen für kleinere Ausstellungen und Aktionen, mit denen die Mitarbeiter die ausstellungsfreie Zeit überbrücken wollen. „Die Göttinger sollen nicht komplett auf ihr Museum verzichten müssen“, erklärt Kuratorin Andrea Rechenberg. „Wir wollen die Bevölkerung teilhaben lassen an dem, was wir im Bestand entdecken.“ Ein kleiner Teil der Sammlung, die Ausstellung zur Kirchenkunst mit dem Raum der Religionen und der Tapetensaal, sei zudem nach wie vor geöffnet.
Lange suchte die Stadt nach Räumen, die ausreichend Platz für den inventarisierten Bestand bieten. „Das sind immerhin weit über 100 000 Exponate, und die wollten wir nicht auf verschiedene Standorte verteilen“, schildert Schlapeit-Beck das Problem. Mittlerweile scheint es behoben:

„Wir haben in relativer Nähe ein privates Objekt zur Miete gefunden“, sagt die Dezernentin. Derzeit werde die Ausstattung des künftigen Magazins vorbereitet. 

Bis im generalüberholten und neu konzipierten Museum wieder alle Sammlungsbereiche zugänglich sind, werden noch einige Jahre vergehen. Im Jahr 2018, so hoffen alle Beteiligten, soll die feierliche Wiedereröffnung stattfinden.

Sanierung der alten Remise, Teil des Gebäudekomplexes am Ritterplan, in dem das städtische Museum Göttingen untergebracht ist. ©Hinzmann