Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Debatte um Göttinger Stadthalle wird emotional und Planer fordert „gewisse Anständigkeit“
Die Region Göttingen Debatte um Göttinger Stadthalle wird emotional und Planer fordert „gewisse Anständigkeit“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 28.04.2019
Bauzaun trotz Planungsstopp: Ansicht der Stadthalle im April 2019. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Nach Bekanntwerden der Kostensteigerung und der deutlichen Kritik an der SSP AG als Generalplaner hat deren Vorstand Matthias Kraemer das Sanierungskonzept am Donnerstag noch einmal detailliert vorgestellt. Im Ratssaal des Neuen Rathauses präsentierte der Architekt im Vorprogramm der gemeinsamen Sitzung von Kultur- und Bauausschuss seine Umsetzung der im Workshop im August 2018 formulierten Anforderungen. Abschließend wurde es sogar ein wenig emotional.

Raumakustik: In der Vergangenheit klagten Musiker wie Zuhörer gleichermaßen darüber, dass im Saal der Göttinger Stadthalle von Klang kaum die Rede sein könne. Entsprechend ist es eine zentrale Aufgabe der Architekten hier nachzubessern. Die Lösung der SSP sieht höhenverstellbare Deckenelemente über dem Zuschauerraum, Schallsegel, Akustikelemente neben der Bühne und modernste Technik vor.

Visualisierungen Quelle: SSP AG

Aufenthaltsqualität: Während das Äußere der Stadthalle in seiner Anmutung weitgehend erhalten bleiben soll, spricht der Architekt im Inneren von einer Kernsanierung. Die sei unter anderem nötig, um dem Besucher den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Betritt der künftig das Foyer, empfangen ihn Medienwände, ein Leitsystem führt ihn über die Treppen ins Parkettgeschoss. Alternativ können künftig zwei Aufzüge genutzt werden.

Oben angekommen, kann der Besucher auch weiterhin die beliebten Bänke entlang des Saals nutzen und von dort beispielsweise den neuen Natursteinboden bewundern. Die Zahl der Seminarräume steigt auf vier, die Küche zieht ins Erdgeschoss unter die Südterrasse, die abgerissen und ähnlich wieder aufgebaut werden soll. Gastronomie ist nicht vorgesehen.

Als „enorme Verbesserung der Behaglichkeit“ nannte Kraemer außerdem die Luftzirkulation, die schlicht auf den Kopf gestellt werden soll. Frischluft strömt künftig von unten zu, während oben Abluft abgesaugt wird. „Klingt physikalisch sinnvoll. Keine Ahnung, warum das früher anders geplant wurde.“

Außenansicht Quelle: soll sasse architekten

Saalnutzung: Durch flexible Zwischenwände und Bestuhlung soll der Saal künftig multifunktional sein: Rockfestivals, Klassikkonzerte oder Kongresse haben gleichermaßen Platz, sagte Kraemer. 1700 Menschen können hier feiern, wenn die Stuhlreihen entfernt sind. 1190 finden sitzend Platz, wenn die Vorbühne fehlt, und 1080 Zuhörer passen vor die erweiterte Bühne. Per Sound- und Tontechnik sollen sich alle erdenklichen Athmosphären im Saal erzeugen lassen.

Bühnentechnik: Nach der Umgestaltung soll sich das Orchesterzimmer akustisch verbessert haben, die Bühnendecke ist verfahrbar. Nebenräume sollen erweitert, die Bühnenöffnung vergrößert werden. Die Kritik, dass die Stadthalle dennoch weiterhin über eine der kleinsten Bühnen der Region verfüge und damit für große Unterhaltungsproduktionen unattraktiv bleibe, konterte Kraemer: „Es stimmt, die Bühnenöffnung ist begrenzt. Unsere Spezialisten meinen aber, dass man auf dieser Bühne durchaus einiges veranstalten kann.“

Kosten-Nutzenanalyse: Er wolle sich keineswegs in die politische Diskussion einmischen, so der SSP-Vorstand. Er nannte dennoch einige Argumente für die Kernsanierung gegenüber dem Neubau: So gebe es allein durch den Wegfall des Rohbaus 25 Prozent Einsparungspotenzial. Grundstückserschließung, Herstellung des Baurechts und Projektentwicklung würden ebenfalls als Kostenfaktoren entfallen. Auch die Bauzeit sei deutlich geringer.

Abschließend wandte sich Kraemer in eigener Sache an die Göttinger Öffentlichkeit: „Die Art, wie hier mit Architekten umgegangen wurde, macht mich betroffen.“ Mit Bezug auf die Kritik einer Ratsfraktion an der SSP AG erbat er sich „eine gewisse Anständigkeit“ in der Diskussion und mögliche juristische Schritte an. Das allerdings nahm er zurück, als der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Feuerstein für seine Anschuldigungen um Entschuldigung bat.

Entscheidung soll im Rat am 17. Mai fallen

Im Anschluss diskutierten der Bau- und der Kulturausschuss des Rates über die Zukunft der Stadthalle. Im Mittelpunkt stand dabei ein möglicher Anbau an die Lokhalle als Ersatz für die bestehende Stadthalle am Albaniplatz. Ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grüne und FDP hatten diese Variante per Antrag in die Auschüsse eingebracht.

Die Verwaltung hatte zur Sitzung die Möglichkeit eines Anbau an die Lokhalle statt einer Kernsanierung der Stadthalle geprüft. Danach würden sich die Kosten für den Anbau auf mindestens rund 44 Millionen Euro belaufen. Hinzukommen weitere Kosten für die Entsorgung des weiterhin durch Giftstoffe belasteten Bodens im nordwestlichen Bereich der Lokhalle. Laut Verwaltung ein nicht unerhebliches Problem.

Eine Entscheidung fällten die Ausschüsse am Donnerstag aber noch nicht. Zuvor soll die Verwaltung weitere rechtliche Fragen bei der Anbau-Variante klären. Die Politik einigte sich aber darauf, dass eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle in der Ratssitzung am 17. Mai fallen soll.

Mehr zur weiteren Diskussion um die Göttinger Stadthalle lesen sie am Freitag.

Von Markus Scharf und Michael Brakemeier

„Verkehrserziehung damals“ lautet das Thema der Sonderausstellung der Göttinger Modellbörse am Sonntag, 28. April, in der Weender Festhalle. Gezeigt werden zahlreiche alte Verkehrs- und Lernunterlagen, darunter auch ein sehr seltenes Blechmodell des „Autokuriers“.

25.04.2019

Dr. Rainer Driever referiert in einer Veranstaltung der Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen“.

25.04.2019

Ein pensionierter Polizist aus Göttingen soll Kopien und Fotos von Datensammlung über die linke Szene gefertigt und privat verwahrt haben. Jetzt steht er vor Gericht.

25.04.2019