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Göttingen Sauna-Aufguss: Stichflamme über Kopf
Die Region Göttingen Sauna-Aufguss: Stichflamme über Kopf
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14:24 15.03.2012
Von Jürgen Gückel
Dicker Qualm aus allen Lüftungsschächten: Nur mit Atemschutz konnte die Feuerwehr in den Kellerbereich vordringen.
Dicker Qualm aus allen Lüftungsschächten: Nur mit Atemschutz konnte die Feuerwehr in den Kellerbereich vordringen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Der muss tausend Schutzengel gehabt haben“, sagt die junge Fitnesstudio-Mitarbeiterin über das, was ihr Aufguss für Ferle auslöste. Splitternackt sprangen der 60-Jährige sowie Martin R. (35), der zweite Saunagast, aus dem brennenden Raum. „Wir haben noch versucht, mit dem Feuerlöscher selber zu löschen, hatten aber keine Chance“, sagt R. Schnell rafften die Saunabesucher  – mit Wolfgang Müller stand  ein weiterer Gast im Vorraum –  ihre Sachen zusammen, alarmierten die 20 bis 25 Trainierenden im Erdgeschoss und brachten sich in Sicherheit. Sämtliche Besucher konnten unverletzt evakuiert werden.

Stunden später rätselt Isabell Keller noch immer, wie „die ersten paar Tropfen“ aus der Ausgusskelle einen Großbrand auslösen konnten. Der Eimer mit dem vorbereiteten Aufgusswasser habe schon gefüllt neben dem Saunaofen (der sich im Nebenraum der eigentlichen Sauna befindet) gestanden. Sie habe noch gerochen – „Pfefferminz oder Eukalyptus“, sagt sie. Dass hier möglicherweise konzentriertes Aromaöl aufgegossen wurde, schließt sie aus. Das Feuer in der Hannoverschen Straße war nach Angaben der Feuerwehr um 9.52 Uhr gemeldet worden. Sofort fuhr die Berufswehr mit Fahrzeugen aus beiden Wachen an. Die Ortswehren Weende und Stadtmitte waren laut Sprecher Frank Gloth ebenfalls alarmiert.

Im Keller eines Fitness-Studios an der Hannoverschen Straße in Göttingen ist am Donnerstagmorgen, 15. März, ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr ist mit mehr als 30 Kameraden im Einsatz. Das Studio wurde evakuiert, wegen der starken Rauchentwicklung und der Löscharbeiten musste die Hannoversche Straße in Richtung Norden voll gesperrt werden.

Schwierigkeiten gab es, weil der große Flachbau, in dem früher ein Ford-Händler seine Autos verkaufte, komplett unterkellert ist und dieses Untergeschoss massiv verraucht war. Aus allen Lüftungsschächten rund um das Gebäude quoll dicker Qualm. Nur mit massivem Atemschutz – eingesetzt wurden 18 schwere Atemgeräte – konnte überhaupt in den Keller vorgedrungen werden. Wie vor Jahren bei dem tragischen Feuer im Oeconomikum, als einer der Feuerwehrleute ebenfalls bei einem Kellerbrand ums Leben kam, konnten sich die Helfer nur mit einem Lageplan in den pechschwarz verqualmten Räumen zurechtfinden. Weil der Rauch auch in die Räume des Studios vordrang, wurde ein Großteil der Sportgeräte unbrauchbar. Die Polizei, die den Brandort beschlagnahmt hat, schätzt den Schaden auf mehr als 30 000 Euro.

Zeitgleich zu dem Feuer in Weende war die Berufswehr am Donnerstagvormittag außerdem noch zum Brand einer Kreissäge in den Göttinger Werkstätten im Groner Industriegebiet gerufen worden. Dieser Brand ließ sich mit Feuerlöschern löschen, ehe die Wehr eintraf. Ein dritter Brand wurde aus dem Chemikalien-Lagerhaus in der Rudolf-Winkel-Straße gemeldet, das in der vergangenen Woche gebrannt hatte. Dort drang Qualm aus einem angebauten Spänebunker.