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Göttingen Schauspieler des Deutsche Theaters bespielen Göttinger Innenstadt
Die Region Göttingen Schauspieler des Deutsche Theaters bespielen Göttinger Innenstadt
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00:24 17.11.2018
Auf dem Gänseliesel: DT-Schauspieler Florian Donath als Tod aus dem „Schwanengesang“. Quelle: CH
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Göttingen

Zu sehen waren Ausschnitte aus aktuellen DT-Stücken.

1. Akt: DT

„Ich düse im Sauseschritt und bring’ die Liebe mit“, tönt es am frühen Mittwochnachmittag aus den Lautsprechern der Ensemble-DJs »Golden Boys do cry«, als sich rund 70 Schauspieler und ihre Unterstützer zu Gruppenbild und Abmarsch in die Stadt formieren. Das Motto: „Wir marschieren aus Leidenschaft“ – Schauspieler Christoph Türkay, eine Art moderierender Zirkusdirektor im roten Sakko, posaunt es per Megafon heraus. Doch halt: Es soll ja ein Video gedreht werden. Also alle noch mal rein ins Theater und mit Schmackes zu „Jump“ von Van Halen raus. Mit dabei: Thomas Oppermann (SPD) als Pappaufsteller und Harald Noack (CDU) in echt. „Wir wandern durch die Stadt und bringen die Kunst zu euch“, teilt Türkay via Megafon mit.

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DT-Schauspieler bespielen Göttinger Innenstadt

2. Akt: Wilhelmsplatz

DT-Ensemblemitglied Christina Jung steht im Schaufenster des Bekleidungsgeschäfts Woggon und spielt hinter der Scheibe eine Szene aus „Das Licht im Kasten“ von Elfriede Jelinek. Der Vorteil: Sie ist gut ausgeleuchtet. Der Nachteil: Sie ist nicht zu hören, aber das macht nichts. Harald Noack dirigiert ein UPS-Fahrzeug an der Zuschauer-Gruppe vorbei.

„Wir haben ein Videoteam am DT, und es werden in ganz Niedersachsen Videos gedreht. Am Samstag soll damit das Internet geflutet werden“, sagt Jung etwas später auf dem Weg zum Gänseliesel. „Am 24. Oktober hatten wir die Demo vor dem Niedersächsischen Landtag. Diese Aktion dient jetzt dazu, dass unser Anliegen nicht in Vergessenheit gerät.“ Am Dienstag hätten sich die Schauspieler mit Bundestagsvizepräsident Oppermann unterhalten. Mit dem echten.

3. Akt: Gänseliesel

Während Florian Donath sich weiß einreibt, um kurz darauf, nur mit einer Unterhose bekleidet, auf dem Gänseliesel den Tod aus dem „Schwanengesang“ zu geben, haben seine Ensemblekollegen Gregor Schleuning und Marius Ahrendt mit „In der Schwebe“ bereits das Gänseliesel geentert. „Es ist ein Theater in der Stadt, und es ist prägend für Göttingen. Deshalb muss es erhalten und gefördert werden“, sagt Harald Noack, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Vorsitzender des DT-Fördervereins.

Der Politiker ist zuversichtlich, dass das Land in Kürze zumindest einen Teil der kolportierten Unterstützungszusage in Höhe von sechs Millionen Euro verbriefen wird. Dass Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) andere Akzente setzen will, halte er für falsch. „Es sind Hoffnungen geweckt worden, und dann ist die Enttäuschung natürlich groß.“

4. Akt: Nabel

Auf dem Weg zum Nabel hat DT-Schauspieler Marco Matthes ein Nashorn erspäht, und sobald er laut schreiend davor warnt, stimmen die übrigen Ensemblemitglieder ein und zeigen in die entsprechende Richtung. Die Szene ist eigentlich dem Stück „Die Nashörner“ entlehnt, trotzdem blicken sich in der Weender Straße einige Passanten tatsächlich um. Am Nabel angekommen, hat Gaia Vogel ihren Auftritt. Vogel gehört zusammen mit Christina Jung, Antje Thoms und Judith Strößenreuter zu den #rettedeintheater-Initiatoren und trägt vor der Videokamera aus der „Rede zum unmöglichen Theater“ von Wolfram Lotz vor.

„Wir wollen auf das Theater als Standortfaktor hinweisen. Und wir wollen Aufsehen erregen“, sagt Vogel, grün geschminkt und grüne Kontaktlinsen tragend – eine Figur, die als Kapitalismus-Echse auf einer DT-X-Party geboren wurde. „Es ist auch eine idealistische Sache“, sagt sie. Es gehe dabei unter anderem darum, „solidarisch etwas bewegen zu können“.

Unterdessen bläst beziehungsweise ruft Türkay zum Rückzug: „Wir bringen die Kunst ins Deutsche Theater zurück.“ Das bunte Völkchen packt die Koffer und kehrt heim. „Wir lieben euch“, tönt es zum Abschied aus dem Megafon.

Von Eduard Warda