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Göttingen Schießerei Goetheallee: 13 Jahre Haft für Täter
Die Region Göttingen Schießerei Goetheallee: 13 Jahre Haft für Täter
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18:38 13.03.2012
Von Jürgen Gückel
Tatort in der Goetheallee am 3. August 2005: Hier schoss sich der verurteilte Pole mit einer Maschinenpistole den Weg frei.
Tatort in der Goetheallee am 3. August 2005: Hier schoss sich der verurteilte Pole mit einer Maschinenpistole den Weg frei. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Damit ist ein Schlussstrich unter die spektakuläre Schießerei in der Goetheallee im August 2005 gezogen, bei der ein Kaufmann aus Frankfurt durch einen Schuss aus einer Maschinenpistole in den Kopf lebensgefährlich verletzt wurde. Dabei hatte Rechtsanwalt Mirko Oestreich noch auf Freispruch plädiert, weil es keinen objektiven Beweis gebe. Einzig ein Taxifahrer habe gesagt, K. als den Mann wiedererkannt zu haben, den er mit dem bereits verurteilten Kopf der Schlapphutbande, Krzystof Szafranski, am Tattag nach Göttingen gefahren habe. Einen Beweis, wer die Schüsse aus dem Fluchtauto abgegeben habe, gebe es nicht.

Das sah das Gericht anders. Er habe „keinen vernünftigen Zweifel“, so der Vorsitzende Ralf Günther, dass K. der Täter sei. K. habe in Wieda im Harz mit Szafranski und dessen Bruder eine Volksbank überfallen, sei vor einer Polizeikontrolle erst zu Fuß, dann mit dem Bus nach Goslar und von dort per Taxi nach Göttingen gekommen und habe im Hof von Gebhardts Hotel mit vorgehaltener Maschinenpistole einen Mercedes geraubt. Als Polizisten den Wagen stoppen wollten, habe K. zwei Salven aus dem Heckfenster gefeuert und den Fahrer in den Kopf getroffen.

Phantombild wie Foto des Angeklagten

Die Indizienkette, so Günther, lösche alle Zweifel. Zum einen hatte Szafranski selbst gesagt, ein Mann namens Zemek (polnisch Kosename von Zenon) sei der Mittäter. Der sei hünenhaft und ihm fehle ein Daumen. Das trifft auf K. zu. Der Taxifahrer habe zudem ein Phantombild anfertigen lassen, das, so die Staatsanwältin, „wie ein Foto des Angeklagten“ aussehe. Zwei Tage vor der Tat waren Szafranski und K. zudem mit einem gestohlenen Passat in einer Radarfalle geblitzt worden, und in dem in Rosdorf gestohlenen Fluchtfahrzeug, mit dem sie nach Berlin fuhren, fand sich zudem K.s DNA.

Gemildert wird die Strafe, weil die Bande seinerzeit schon unter Polizeibeobachtung stand – jedoch nicht während des Bankraubs. Wegen eines Mordes in Polen muss K. dort zudem noch 15 Jahre absitzen.

„Ein Fall von High-End-Kriminalität“

Das sei ein „Fall von High-End-Kriminalität“ gewesen, einer, „wie man ihn in der Bundesrepublik selten antrifft“, sagte Richter Ralf Günther bei der Urteilsbegründung gegen Zenon K. „Wie in Chicago, dass Straftäter in der Innenstadt mit schweren Waffen gleich zweimal feuern“, sei eine Dimension für sich.

Das galt auch für Taten der Schlapphut-Bande, wie sie in Göttingen nicht zur Verhandlung standen. Eine gestern verlesene Vernehmung eines Mittäters machte das noch einmal deutlich. Da wurde geschildert, wie sich die Bande, der mehr als 50 Bankraube zur Last gelegt wurden, auf einen Überfall auf eine Geldtransportfirma in Greifswald vorbereitete. Drei Uzi-Maschinenpistolen und drei Kalaschnikow sowie einen Eimer voller Reifentöter (vierzackige Nagelkrallen) hatte die Bande an Bord, als sie das Sicherheitsunternehmen ausspähte. Mit gestohlenem Jeep und Krankenwagen sollte die Flucht ermöglicht werden.

Weil sich die Bande aber von der Polizei beobachtet wähnte, gab sie den Plan auf und fackelte den Krankenwagen ab. Auf die Firma gab es Monate später tatsächlich einen Überfall, bei dem gar Sprengstoff eingesetzt wurde.

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