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Göttingen Schildkröten, Skelette, Rollatoren: Das Skurrilste aus den Fundbüros der Region Göttingen
Die Region Göttingen Schildkröten, Skelette, Rollatoren: Das Skurrilste aus den Fundbüros der Region Göttingen
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21:16 03.01.2020
Neben allerlei Alltagsgegenständen befindet sich im Fundbüro der Stadt Göttingen auch ein Skelett. Quelle: Brakemeier
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Göttingen

„Es gibt doch noch ehrliche Finder.“ Friedel Oppermann ist froh. Zufrieden klimpert er mit seinem Schlüsselbund vor dem Schalter des Göttinger Fundbüros im Neuen Rathaus. Am 18. Dezember hatte Oppermann seine Schlüssel im Parkhaus am Groner Tor aus Unachtsamkeit verloren. Ein Finder hatte sie dort abgegeben. Von dort sind sie dann ins Neue Rathaus gelangt, wo Verwaltungsmitarbeiterin Gabriele Wüstefeld den Schlüsselbund am Freitag an seinen Besitzer ausgehändigt hat. „Die Leute sind sehr dankbar, wenn sie ihre Sachen wiederbekommen“, sagt Wüstefeld.

Das kopflose Skelett

Wer in diesen Tagen das Göttinger Fundbüro betritt, dem fällt sofort das kopflose Skelett auf, das aufrecht an einer der Stellwände hängt. „Ein Fund der Polizei“, sagt Wüstefeld. Am Nonnenstieg habe sie es gefunden und dann im Fundbüro abgeben. Noch ist es herrenlos, der Besitzer habe sich noch nicht gemeldet, sagt Wüstefeld.

Im Fundbüro der Stadt Göttingen. Quelle: Brakemeier

In einer Vitrine liegen ordentlich aufgereiht und nach Fundmonat sortiert diverse Brillen. Auf der Vitrine thront eine Drohne, davor wartet ein Rollator auf seinen Besitzer. In Schränken liegen vergessene Turnbeutel, auf den Schreibtischen liegen Kuscheltiere, auf einem Wagen türmen sich die Trinkflaschen. „Schirme sind derzeit an der Tagesordnung“, sagt Wüstefeld.

115 Schirme hat das Fundbüro Göttingen dann auch im vergangenen Jahr aufgenommen. Die Fundbilanz 2019 weist außerdem 329 Schlüsselbunde, 267 Geldbörsen oder Bargeld, 256 Dokumente und Plastikkarten, 244 Mützen, 239 Fahrräder, 197 Turnbeutel, 164 Mobiltelefone, 101 Paar Handschuhe, 105 Schmuckgegenstände und 62 Schals auf. Hinzu kommen Taschen und Rucksäcke (25), Elektrogeräte (22) und Uhren (41) sowie 281 Bagatellfundsachen mit einem Wert unter zehn Euro. Auch Fundsachen aus Bussen und Dinge, die in Unigebäuden verloren wurden, landen im Neuen Rathaus. Zwei Mitarbeiter verwalten hier die Funde.

Auf der Suche nach den Eigentümern

„Die Mitarbeiter*innen im Fundbüro prüfen bei jeder Fundsache, ob ein Name vorhanden ist – zum Beispiel bei Geldbörsen“, erläutert Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Sollte der Name „als wohnhaft in Göttingen“ registriert sein, würden die Mitarbeiter „unverzüglich“ Kontakt aufnehmen. Sollte die Person außerhalb Göttingens wohnen, würde die Fundsache an das entsprechende Bürger- oder Fundbüro der Kommune gesandt, sagt Kimyon.

80 Prozent der abgegebenen Dokumente finden laut Kimyon den Weg zurück zu ihren Besitzern. Bei verloren gegangenen Schlüssel sei das nur in etwa 30 Prozent der Fälle der Fall.

Kleidung und Rucksäcke, bei denen sich kein Eigentümer finden lasse, würden nach dem vorgeschriebenen Fristablauf von sechs Monaten an das Spendenzentrum der Stadt Göttingen gespendet. „Alle anderen Sachen gehen in das Eigentum der Stadt Göttingen über“, sagt Kimyon.

Öffnungszeiten des Fundbüros der Stadt Göttingen Quelle: Brakemeier

 

Die griechische Landschildkröte

Eine griechische Landschildkröte, eine Drohne, eine Werkzeugtasche, ein Motorrad-Sitz und eine Akku-Säge gehören zu den kuriosen Funden, die im Duderstädter Fundbüro im vergangenen Jahr abgegeben worden sind. 76 Fundgegenstände – ohne gefundene Schlüssel – seien 2019 angezeigt worden und damit etwas mehr als in den Vorjahren, sagt Verwaltungssprecher Alexander Gromotka.

Fahrräder (31) seien 2019 häufig abgegeben worden, so Gromotka. Aber auch Geldbörsen (15) – mit oder ohne Bargeld –, Schmuck (7), Kleidung (2), Handys (4), Brillen (2) sowie Taschen und Rucksäcke (2).

In elf Fällen konnten die Gegenstände an den Eigentümer beziehungsweise Verlierer ausgehändigt werden. Die übrigen Fundgegenstände werden über einen Zeitraum von sechs Monaten im Bürgerbüro aufbewahrt. Danach habe ein Finder das Recht, das Eigentum am Fundgegenstand zu erwerben, erklärt Gromotka. Davon hätten sechs Finder 2019 Gebrauch gemacht. Die übrigen Fundsachen werden dann vom Bürgerbüro öffentlich versteigert.

Im Fundbüro Hann. Münden

200 Fundsachen haben Finder im vergangenen Jahr in Hann. Münden abgegeben. Darunter, wie in Göttingen, einen Rollator. Ebenso gaben sie 40 mal Bargeld und Geldbörsen, 80 Schlüssel inklusive Autoschlüssel, 20 Fahrräder, 15 Brillen und zehn Mobiltelefone ab.

In den bislang 80 abgeschlossenen Fällen konnte die Stadt Hann. Münden nach Auskunft von Jörg Golde, Leiter Fachdienst Sicherheit und Ordnung, 40 Eigentümer ermittelt. Bei 120 Fällen aus 2019 laufe die Aufbewahrungsfrist noch. Sollten Eigentümer nicht ermittelt werden können gehen Schmuckstücke in den Verkauf. Brillen, Kleidung und Fahrräder kommen einem sozialen Zweck zugute. Schlüssel und Handys, so Golde, würden vernichtet.

Auf der Internetseite e-fund.eu lassen sich bundesweit Fundbüros und ihre Fundstücke aufrufen. Auch die Büros in Göttingen, Duderstadt und Hann. Münden.

In der zentralen Sammelstelle der Bahn in Wuppertal: Täglich um die 200 Gegenstände kommen hier an. Quelle: DB AG

Fundsachen bei der Bahn

Die Deutsche Bundesbahn unterhält mit der zentralen Sammelstelle in Wuppertal eines der größten Fundbüros Deutschlands. Und das hat einiges an Kuriositäten zu bieten.

Nach Auskunft einer Bahnsprecherin wartet dort derzeit ein Bundesverdienstkreuz auf seinen Besitzer. Auch Kuriositäten wie Heizungsthermen, Staubsauger, Gebisse und Prothesen gehörten zu den Fundstücken.

Insgesamt würden Jahr für Jahr rund 250.000 Gegenstände, vom Regenschirm bis zum Laptop, in den Fundbüros der Deutschen Bahn abgegeben. „Der Klassiker ist das Smartphone“, erläutert die Sprecherin. 60 Prozent der Fundsachen fänden wieder zurück zu ihrem Besitzer. Die Bahn ist nach eigenem Bekunden in diesem Bereich „Marktführer“.

In der zentralen Sammelstelle der Bahn in Wuppertal: Eine Prothese sucht ihren Besitzer. Quelle: DB AG

In den mehr als 80 regionalen Fundstellen registriert die Bahn in ihrem Fundservice Fundsachen. Dort bleiben sie sieben Tage, um von ihrem Besitzer abgeholt zu werden. Wenn sie nicht abgeholt werden, werden die Fundsachen in die zentrale Sammelstelle nach Wuppertal gebracht. Dort kommen nach Bahnangaben täglich um die 200 Gegenstände an. Derzeit warteten etwa noch rund 3000 Koffer, 3500 Mobiltelefone und 1400 Brieftaschen darauf, von ihrem Besitzer abgeholt zu werden. Aus Datenschutzgründen macht die Bahn keine Angaben zu Funden aus den jeweiligen Regionen.

Im Fundbüro der Stadt Göttingen: Friedel Oppermann hat seinen Schlüsselbund wieder. Ein „ehrlicher Finder“ hat ihn gefunden und abgegeben. Quelle: Brakemeier

In der zentralen Sammelstelle in Wuppertal werden die Fundsachen dann erneut von den derzeit 14 Mitarbeitern geprüft und es wird noch einmal in der Datenbank „verloren&gefunden“ geschaut, ob jemand nach dem Gegenstand sucht. „Die Deutsche Bahn versucht auch aktiv die Besitzer der verlorenen Gegenstände ausfindig zu machen und versendet E-Mails und Briefe, insofern es eine Spur zum Besitzer gibt“, erläutert die Bahnsprecherin. In den nächsten 70 Tagen würden die Fundsachen gelagert. Falls der Gegenstand nach dieser Zeit immer noch nicht abgeholt worden ist, entscheiden die Mitarbeiter des DB-Fundservices über die weitere Verwertung. Je nachdem, um was es sich handelt, könne es der Weg in die Mülltonne, den Sperrmüll, die Schrottpresse oder auch zur Auktion sein.

Rechtliches zu Fundsachen

Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt in Deutschland den Umgang mit Fundsachen. So heißt es etwa in Paragraf 965 „ Anzeigepflicht des Finders“: „Wer eine verlorene Sache findet und an sich nimmt, hat dem Verlierer oder dem Eigentümer oder einem sonstigen Empfangsberechtigten unverzüglich Anzeige zu machen.“ Heißt im Klartext: Der Finder muss sich mit dem Eigentümer in Verbindung setzen. Andernfalls wird das als Unterschlagung gewertet. Ist dem Finder die Kontaktaufnahme nicht möglich, muss der Finder den Fund, wenn er mehr als zehn Euro wert ist –bei der „zuständigen Behörde“ – in der Regel die Fundbüros, das Ordnungs- oder Bürgeramt – anzeigen. Finder, die dem nachgekommen sind, haben Anspruch auf Finderlohn (§971 BGB). Der Finderlohn beträgt bei einen Fund von einem Wert bis zu 500 Euro fünf Prozent des Wertes – höchstens also 25 Euro- , für das, was über diesen Wert hinausgeht, drei Prozent. Lässt sich der Eigentümer nicht ermitteln oder meldet er sich nicht beim Fundbüro, geht der Fund in das Eigentum des Finders (§973 BGB).

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

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