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Göttingen Wintereinbruch pünktlich zum ersten Advent
Die Region Göttingen Wintereinbruch pünktlich zum ersten Advent
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18:34 03.12.2017
Wintereinbruch am Seeburger See.  Quelle: Helge Schneemann
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Göttingen

 Pünktlich zum ersten Advent ist es in der Region am Sonntag auch wettertechnisch winterlich geworden. Nicht alle freuen sich über die weiße Pracht, aber zumindest die Kinder hatten am Sonntag ihren Spaß. Die große Zahl an Spaziergängern überall in der Stadt ließ allerdings den Verdacht aufkommen, dass die meisten Göttinger den Schnee gar nicht so schlecht finden.

Pünktlich zum ersten Advent hat es in der Region Göttingen geschneit.

„Ganz hervorragend“, sagt Günter Kulle zum ersten Schnee des Winters. „Pünktlich bestellt, zum ersten Advent“, pflichtet ihm seine Frau Edeltraud bei. Vor allem hält der Schnee die Beiden aber nicht von ihrer täglichen Walking-Runde um den Göttinger Kiessee ab. Auch unzählige Jogger ließen sich vom rutschigen Untergrund nicht am Sport hindern. Die Studentinnen Mareike Pfeifer und Clara Lensches sind zum Spaziergang um den Kiessee aufgebrochen. „Wir haben uns sehr über den ersten weißen Advent gefreut“, sagt Pfeifer.

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„Schneeballschlacht“, ruft Carlotta Kramer während sie hinter ihrer Mutter Denise durch den Schnee läuft. „Wir werden hier ständig abgeworfen“, erklärt Kramer lachend. Die Kinder jedenfalls haben ihren Spaß.
Nicht so spaßig war das Wetter für den, der mit dem Auto unterwegs sein musste. Bei den meisten verzögerte sich der Fahrtantritt auch ohne glatte Straßen – überall im Stadtgebiet sah man mehr oder weniger missmutig dreinblickende Göttinger, die ihre Autos von der Schneehaube befreiten. Rund 30 Unfälle habe es in und um Göttingen nach Angaben der Polizei gegeben. Vor allem auf der B3 und der B27 sei es demnach vermehrt zu Unfällen gekommen. Bei den meisten sei es bei Blechschäden geblieben. 

Unfälle im Eichsfeld

Nach einem Unfall auf der Landesstraße 523 zwischen Krebeck und Bodensee sind am Sonntag gegen 10.15 drei Personen verletzt ins Uniklinikum eingeliefert worden. Ein Ford Fiesta blieb auf verschneiter Fahrbahn quer im Gegenverkehr stehen. Der entgegenkommende Fahrer konnte den Zusammenstoß nicht mehr verhindern.

Der 77-jährige Fiestafahrer hatte kurz vor Bodensee an einer leichten Steigung die Kontrolle  über sein Fahrzeug verloren und geriet ins Schlingern. Nach Angaben der Polizei hatte er die Verkehrssituation unterschätzt. Das Fahrzeug blieb quer zur Fahrtrichtung stehen. Ein 62-jähriger Kangoofahrer verringerte noch die Geschwindigkeit, prallte mit seinem Renault aber trotzdem gegen den Ford und schob diesen dadurch in den Graben. Außer den beiden Fahrern erlitt auch die 71-jährige Beifahrerin im Fiesta Verletzungen. Alle drei wurden vorsorglich ins Uniklinikum gefahren. Die 71-jährige Beifahrerin musste von der Feuerwehr mit hydraulischen Rettungsgerät befreit werden. Im Einsatz waren außer zwei Rettungswagen der Notarzt aus Duderstadt sowie die Feuerwehren aus Bodensee, Bilshausen und Gieboldehausen. Die L 523 blieb während der Rettungsarbeiten voll gesperrt.

Zu einem weiteren Unfall wegen der unterschätzten Verkehrssituation kam es nach Polizeiangaben kurz zuvor auch auf der Bundesstraße 27 zwischen Waake und Ebergötzen. Dort touchierte ein mit sechs Jugendlichen und zwei jungen Erwachsenen vollbesetzter VW-Bus zunächst die rechte Leitplanke, geriet ins Schlingern und stieß gegen die gegenüberliegende Schutzplanke, wo das Fahrzeug stehen blieb. Alle Insassen blieben unverletzt. Den Schaden am Bus schätzen die Beamten auf rund 6000 Euro. rf

Die Straßenmeisterei war im Einsatz, kam mit dem Räumen aber kaum hinterher. Am Morgen stellten die Betriebe ihre Arbeit an Steigungsstrecken teilweise ein. „Vorsichtig fahren und vielleicht den ersten Advent auf dem Sofa genießen“, lautete der Tipp von Anne Petzold von der Polizei Göttingen.

Mit Kindern hingegen ist das Sofa an diesem Tag eher keine Option. Das stellten auch Marc und Elsa Tellbach fest. „Die Kinder sind vom Bett in die Schneeklamotten“, sagt Elsa Tellbach. „Ich war schon eine Stunde wach und habe dem Schnee zugeschaut“, verkündet Sohn Haukon. Mit dem Schlitten hat sich die Familie aufgemacht zum Rodeln am Kehr. „Wo es festgetrampelt ist, geht es ganz gut“, meint Marc Tellbach. Eigentlich sei es ganz gutes Schlittenwetter, findet er.

Nördlich der Schillerwiesen hört man die Kinder schon von weitem jauchzen. Gemeinsam mit ihrem Vater Milos Markovitc sauste Jovana einen kleinen Hang auf dem Schlitten herunter. Die Fünfjährige hat sich schon den ganzen Winter auf das Rodeln gefreut. Auch ihrem Vater ist der Schnee in diesem Fall ganz recht: „Man bringt sich zurück in Kindertage.“ Eine Schneefrau haben Vater und Tochter auch schon gebaut.

Bernd und Birgit Bause brachen in Anbetracht des Schnees zu einem Winterspaziergang zum Kehr auf. „Als Rentner freut man sich immer über den Schnee“, sagt Bernd Bause. Nun wollen sie erst einmal spazieren gehen und später am Tag vielleicht noch auf den Weihnachtsmarkt. Jedenfalls findet Bernd Bause die Idee gut, seine Frau wird er wohl erst noch überzeugen müssen.

Sportlich ambitioniert ist Studentin Matena in den Tag gestartet. Die 21-Jährige hat den ersten Schnee genutzt und sich am Morgen mit ihren Langlaufskiern auf den Weg gemacht. „Ich bin schon eine Stunde unterwegs“, erzählt die 21-Jährige. „Die Leute gucken immer ein bisschen komisch, aber einer hat mich sogar angelächelt“, sagt die Studentin. Jetzt müsse sie aber nach Hause, Biathlon im Fernsehen gucken. Vorher erkundigt sich die 21-Jährige aber noch, ob es in der Stadt eine nicht geräumte, ebene Straße gebe – zum Ski laufen.

Niederschlag zwar, Schnee aber nur in den Bergen

Hoch „Anke“ bestimmt in den kommenden Tagen das Wetter in Deutschland und bringt zunächst neue Niederschläge ins Land. Schnee gibt es schon kurz nach dem Wochenstart aber nur noch auf den Bergen. In der Nacht zum Sonntag ziehen von Nordwesten her Wolken herein, aus denen in Nordseenähe Regen, weiter landeinwärts noch Schnee fällt, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonnabend in Offenbach berichtete. Bei Temperaturen zwischen null und acht Grad fällt am Sonntag im Bergland sowie im Süden noch längere Zeit Schnee, weiter nördlich regnet es meist. Auch im Süden können aus den Flocken im Tagesverlauf Regentropfen werden.

In der Nacht zum Montag schneit es im Süden und Osten erneut. An den östlichen Mittelgebirgen und den Alpen kann es bis zu zehn Zentimeter Neuschnee geben. Dichte Wolken bringen am Montag dem Norden und der Mitte Deutschlands zunächst Regen. Auf den Bergen und im Süden schneit es hingegen, wobei der Schnee im Süden später dann auch in Regen übergeht. Im Verlauf des Tages lockert die Bewölkung dann von Nordosten her auf. Ab Dienstag bis voraussichtlich Donnerstag bedeutet das eine niederschlagsfreie Phase in der Mitte und im Süden. In Norddeutschland kann es immer wieder einmal regnen.

Frühpendler sollten laut DWD in den kommenden Tagen noch mit morgendlichem Frost rechnen. Tagsüber bleibt es ab Montag überall zunächst meist frostfrei.

Von Michael Brakemeier / DPA / Finn Lieske / Rüdiger Franke