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Göttingen Schnelle Unterkunft für Menschen in Notlagen
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00:28 07.05.2018
Stifterin Edelgard Löffelbein und Stiftungsvorstand Christian Hundeshagen vor dem von der Stiftung angemieteten Haus. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

„Ich habe in meiner jahrelangen Praxis als Arzt schon viele solcher Fälle erlebt“, sagt Christian Hundeshagen, Hausarzt und Vorstand der durch ihn mitgegründeten Edelgard-Löffelbein-Stiftung. In einem besonders krassen Fall habe ein Mann die Kurzzeitpflege nutzen wollen, weil sich seine Ehefrau einer Operation unterziehen musste. Aus dem Seniorenheim sei er jedoch als Notfall in die Psychiatrie verlegt worden, weil man eine Handlung als Selbstmordversuch gedeutet hatte und der Mann sich aufgrund einer Parkinson-Sprachstörung nicht habe verständlich machen können. „Eine kurzzeitige angemessene Unterbringungsalternative hat es für ihn nicht gegeben“, so Hundeshagen. Aber auch alltägliche Situationen wie ein Ehekrach oder Konflikte zwischen Jugendlichen und ihren Eltern könnten dazu führen, dass „Leute einfach sagen: Ich brauche ein paar Tage Auszeit, in denen ich in Ruhe nachdenken kann“.

Hiob steht auch für „Hilfe ohne Bedingungen“

Das sogenannte Hiob-Haus steht all jenen offen, die in Ausnahmesituationen nicht wissen, wo sie unterkommen sollen – egal welchen Alters. Der Name soll einerseits an die biblische Geschichte um Hiob erinnern, der viel Leid und später erneuten Segen erlebt hat. Andererseits ist es die Abkürzung für „Hilfe ohne Bedingungen“. „Für eine Nacht, zehn Nächte oder ein restliches Leben“, sagt Hundeshagen. Es ist als ein Miteinander-Wohnen-Projekt angelegt. Edelgard Löffelbein, die 87-jährige Stifterin, wird als erste auf Dauer in das Haus einziehen.

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„Ich fühle mich alleine nicht wohl“, sagt Löffelbein über ihre Motivation, die Stiftung ins Leben zu rufen. „Ich war früher Krankenschwester, und da hat man immer mit Menschen zu tun gehabt. Jetzt in einer kleinen Gemeinschaft zu leben, wäre nicht schlecht.“ Den Reiz machen für sie die gegenseitige Unterstützung durch das Anteilnehmen an der Lebenssituation der anderen oder die Aussicht auf gemeinschaftliche Aktivitäten aus.

Miete, Essen und weitere Kosten aus Stiftungsvermögen gedeckt

Sieben Räume gibt es in dem Haus; einer davon ist für eine Betreuungskraft reserviert, die in der Wohngemeinschaft arbeitet. Eine geeignete Immobilie zu finden, sei eine Herausforderung gewesen, berichtet Hundeshagen. Fündig wurde er über normale Anzeigen; die Hausbesitzer konnte er mit der Projektidee überzeugen. Da sie selbst auch im sozialen Bereich tätig sind, kamen sie der Stiftung bei der Miete entgegen.

Miete, Essen sowie die Aufwandsentschädigungen für die Helfer und die Betreuungskraft können aus dem Stiftungsvermögen gedeckt werden, da „wir durch den hohen Anteil an ehrenamtlicher Arbeit eine schmale Kostenstruktur haben“, erklärt Hundeshagen. Dennoch suche man auch Spender. Wer langfristig einzieht, soll eine Miete bezahlen; bei kurzzeitig Hilfesuchenden könne auch darauf verzichtet werden. „Wer Hilfe erfahren hat, vergisst das nicht, wenn er später wieder finanziell auf die Füße kommt“, ist sich Hundeshagen sicher. Aber auch für ehrenamtliche Helfer sei man offen.

Gelebtes Beispiel für mögliche weitere Hiob-Häuser

„Wir haben eine Vision, mit der wir jetzt einfach angefangen haben, weil wir den Bedarf sehen“, sagt Hundeshagen. „Aus den geschaffenen Strukturen kann etwas erwachsen, mit dem gelebten Beispiel wollen wir andere von unserer Arbeit überzeugen und motivieren, mitzumachen.“ Das wollen Hundeshagen und Löffelbein nicht nur regional verstanden wissen. Sie sind sich sicher, dass es einen großen Bedarf für Hiob-Häuser gibt – bundesweit.

Insgesamt 43 Stiftungen in Göttingen

Das Hiob-Haus ist unter www.initiative-hiob.de im Netz zu finden. Wer kurzzeitig oder langfristig eine Unterkunft sucht oder wer als Spender oder ehrenamtlicher Mithelfer tätig werden möchte, findet dort eine Kontaktmöglichkeit. Außer der neugegründeten Edelgard-Löffelbein-Stiftung sind in der Stadt Göttingen 42 weitere Stiftungen tätig. Stiftungen, die einen ähnlichen Zweck verfolgen und verschiedene Wohn- und Unterkunftsformen unterstützen, sei es für alte Menschen, Jugendliche, Behinderte oder anders hilfsbedürftige Menschen, sind: Eva-Meurer-Stiftung, Stiftung Elternhaus an der Universitätsklinik Göttingen, Dr.-Sillem-Stiftung, Auguste-Ahlborn-Stiftung, Ev. Stift Alt- und Neu-Bethlehem, Göttinger Stiftung für Menschen mit Behinderung.

Von Sven Grünewald

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