Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Schotter- und Steingärten in der Region Göttingen
Die Region Göttingen Schotter- und Steingärten in der Region Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 08.06.2019
In Schottergärten finden Insekten keinen Lebensraum. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

In vielen Orten sieht man Schotter- und Steingärten, doch niemand scheint den Trend wirklich zu mögen. Das niedersächsische Umweltministerium hat den Gärten nun mit einer Kampagne den Kampf angesagt: weil sie insektenunfreundlich seien. Auch in Göttingen stoßen die Gärten nicht auf Gegenliebe.

Beim Kampf gegen Steingärten und Mährobotern setzen wir auch auf Aufklärung. Pünktlich zum Tag der Umwelt kommt unsere...

Gepostet von Minister Olaf Lies am Mittwoch, 5. Juni 2019

„Beim Kampf gegen Steingärten und Mährobotern setzen wir auch auf Aufklärung“, schreibt der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) auf Facebook.

Steingärten sind alle komplett tot“, sagt der Geschäftsführer des Landvolk Göttingen Kreisbauernverbands, Achim Hübner. Die Gärten werden großflächig mit Schotter oder Steinen bedeckt und gestaltet. Meist wird eine Bodenschicht dafür abgetragen. Manche seien sogar noch mit einem Harz versiegelt, sodass kein Wasser und Unkraut durch die Steine hindurch komme, sagt Hübner.

Broschüre mit praktischen Tipps

Für den niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) ist klar: Bei dieser Art von Gärten leidet die Umwelt. „Natur fängt im eigenen Garten an“, sagt er. „Damit es dort ordentlich summt und brummt braucht es lebendige, stauden- und blumenintensive Flächen.“ Kein Garten oder Balkon sei zu klein, um Wildbienen und anderen Insekten ein Zuhause zu bieten. „Aber mit sterilen Schottergärten, monotonen mit Mährobotern getrimmten Zierrasen erreichen wir leider genau das Gegenteil.“

19.1351 Wenn ein freundlich lächelndes Einhorn dem Suizidalgarten die Tristesse nimmt, wird der Eskapismus zum stilbildenden Sujet im kontemporären Gartendesign.

Gepostet von Gärten des Grauens am Donnerstag, 6. Juni 2019

Die Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ zeigt Fotos von Schottergärten in ganz Deutschland.

In einer Broschüre gibt der Minister nun praktische Tipps für die Gestaltung eines insektenfreundlichen Lebensumfelds. Es sei wichtig, dass sich jeder Einzelne bewusst ist, wie er durch sein Verhalten die Umwelt beeinflusst, sagt auch Hübner: „Es reicht nicht aus, bei einer Hilfsorganisation einen Beitrag zu bezahlen, aber selber in den Urlaub zu fliegen und Schottergärten anzulegen.“

Kreistag beschließt Insektenförderung

Der Göttinger Kreistag hat sich „klar für den Schutz und die Förderung der Insektenvielfalt im Landkreis positioniert“, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung, Ulrich Lottmann. „Schottergärten erfüllen diese Bedingungen nicht.“ Kreiseigene Flächen sollten nach einem Kreistagsbeschluss vom Mai dieses Jahres für Insekten umgestaltet werden, um diesen Lebensraum zu bieten. Der Rat der Stadt Göttingen dagegen hat bislang keine Satzung beschlossen.

19.1344 https://www.facebook.com/GaertenDesGrauens/posts/1068221216899543?__tn__=-R

Gepostet von Gärten des Grauens am Montag, 3. Juni 2019

Auf der Landkreis-Homepage soll auf die insektenfördernde Gartengestaltung aufmerksam gemacht werden. „Um die Verbreitung von Schotterflächen in den Gärten zu verhindern, bedarf es der Aufklärung zu den negativen Auswirkungen von Schottergärten für die Insektenvielfalt“, sagt die von Erste Kreisrätin Christel Wemheuer. „Die vom Umweltministerium herausgebrachte Broschüre kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten.“

Landschaftsbauer lehnen Schottergärten ab

Eine ähnliche Kampagne startete im Jahr 2017 auch der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Unter dem Motto „Rettet den Vorgarten“ solle hinterfragt werden, ob Schottergärten wirklich Vorteile bringen, sagt der niedersächsische Geschäftsführer Harald Mikulla. Dafür veröffentlicht der Verband Broschüren über Gärten, die auch Insekten zugutekommen.

Mit einem Erklärfilm will der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau zeigen, welche Nachteile vermeintlich pflegeleichte Schottergärten mit sich bringen und worin die Vorteile begrünter Vorgärten liegen.

Die Mehrzahl der Mitgliedsbetriebe sei kein Freund von Schottergärten. „Wenn der Kunde es will, macht man es“, sagt Mikulla. Der Verband unterstütze die Betriebe durch Schulungen dabei, die Kunden zu beraten: „Wir setzen auf Aufklärung.“ Kommunale Auflagen seien nicht die erste Lösung. Durch die Diskussion in der Öffentlichkeit hoffen die Verbandsmitglieder, dass Kunden zum Nachdenken angeregt werden.

Eine Instagram-Userin kommentiert: „Ich finde, jeder sollte so leben wollen, wie er es für richtig hält! und manche Leute haben einfach keinen grünen Daumen.“

Auch dass Schottergärten besonders pflegeleicht seien, hält Mikulla für nicht ganz richtig. „Im Laufe der Jahre kämpft sich das Unkraut durch“, erklärt er. „Es ist nicht ganz unaufwendig, das zu pflegen. Man muss es in regelmäßigen Abständen reinigen.“

Wie viele Schottergärten es in der Region Göttingen tatsächlich gibt, ist nicht klar. „Am Ende ist es der maßlose Konsum“ der die Schuld an Umweltproblemen trage“, sagt Hübner.

Stimmen Sie ab.

Schlecht für die Umwelt oder pflegeleichte Alternative?

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Stimmen Sie ab.
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Facebook-Seite „Gärten des Grauens“

Mit der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ wollte der Biologe Ulf Soltau die erste Garten-Satire der Welt ins Leben rufen. Seit zwei Jahren sammelt er dort Fotos von Schotter- und Steingärten, um den „fragwürdigen Gartentrend mit Mitteln des Humors und der Satire gesellschaftlich unmöglich zu machen“, wie es auf seiner Seite heißt. „Natur ist und bleibt hier ein lästiger Störenfried“, kommentiert Soltau seine Sammlung. Alle Fotos gibt es unter facebook.com/GaertenDesGrauens. Im Oktober 2019 soll ein Fotobuch zum Thema erscheinen.

Von Norma Jean Levin

Schottergärten finden in Göttingen nicht viel Anklang. Dennoch hält sich der Trend wacker. Das niedersächsische Umweltministerium hat den insektenunfreundlichen Gärten nun den Kampf angesagt.

08.06.2019

Zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Göttingen braucht ein Hospiz für Kinder und Jugendliche“ lädt der Förderverein Kinder- und Jugendhospiz „Sternenlichter“ ein.

08.06.2019

„Auf der Seidenstraße unterwegs“ ist das Motto der 11. Göttinger Märchenwoche. Mit der Eröffnung einer Foto-Ausstellung über das heutige Leben an der Seidenstraße startete die Märchenwoche am Freitagnachmittag im Apex.

07.06.2019