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Göttingen Schüler an der Leine herumgeführt: Lehrerin geht straffrei aus
Die Region Göttingen Schüler an der Leine herumgeführt: Lehrerin geht straffrei aus
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17:31 29.07.2014
Ziel einer Klassenfahrt: Auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt soll eine Lehrerin einen ihrer Schüler an einer Leine auf- und abgeführt haben. Quelle: Blank
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Göttingen

Das Amtsgericht Duderstadt habe die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die Pädagogin abgelehnt, teilte ein Justizsprecher mit.

Eine von der Staatsanwaltschaft Göttingen eingelegte Beschwerde gegen diese Entscheidung habe das Landgericht Göttingen als unbegründet zurückgewiesen.

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Die Staatsanwaltschaft Göttingen hatte der Pädagogin in ihrer Anklage  vorgeworfen, im September 2012 einem 12-jährigen Realschüler bei einer Klassenfahrt zum Naturerlebniszentrum der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Gut Herbigshagen einen so genannten Führstrick über die Schulter und unter den Arm gelegt zu haben.

Anschließend soll sie den Achtklässler an dem sehr kurzen Strick vor den Augen seiner Mitschüler mehr als 500 Meter über das Gelände geführt haben. Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt.

Kein Nachweis

Das Amtsgericht Duderstadt lehnte es allerdings ab, das Hauptverfahren gegen die Lehrerin zu eröffnen. Nach Angaben eines Justizsprechers begründete es seine Entscheidung damit, dass der Lehrerin subjektiv nicht nachzuweisen sei, dass sie den 12-jährigen Schüler gegen seinen Willen hinter sich hergezogen habe.

Die Pädagogin habe den Vorfall als Fortführung eines Spiels unter Schülern dargestellt. Ihren Angaben zufolge habe der Junge sich den Strick selbst um den Hals gelegt, er hätte diesen auch jederzeit abnehmen können. Der Schüler habe auch zu keinem Zeitpunkt sein Missfallen zum Ausdruck gebracht.

Der Junge selbst habe unterschiedliche Angaben zu dem Vorfall gemacht. Während er zunächst angegeben habe, dass er gegen seinen Willen an der Leine geführt worden sei, sei er sich später nicht mehr sicher gewesen. Damit sei nicht zu widerlegen, dass der Schüler sich freiwillig und aus eigenem Antrieb an der Leine habe führen lassen.

Die Landesschulbehörde hatte damals ebenfalls gegen die Lehrerin ermittelt. Die Prüfungen seien inzwischen abgeschlossen, teilte eine Behördensprecherin auf Anfrage mit. Zum Ergebnis könne sie allerdings aus personal- und datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben machen.

Von Heidi Niemann