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Göttingen Straßenkind für einen Tag
Die Region Göttingen Straßenkind für einen Tag
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00:18 30.11.2017
Schüler des Hainberg-Gymnasiums gehen in der Göttinger Fußgängerzone betteln – um sich in die Lage von Straßenkindern zu versetzen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Als Treffpunkt und Anlaufstation hatten die Schüler einen kleinen Info-Stand.

„Das Hainberg-Gymnasium ist eine Unesco-Projektschule, die sich für Menschen einsetzt und regelmäßig einen Beitrag zu Unesco-Themen leistet“, sagt Schüler Julius Wettschereck. Seit dem Sommer 2017 gebe es eine Unesco-Projektklasse. Schüler aus den Jahrgangsstufen fünf, acht und neuen hätten sich an dem Projekt „Straßenkinder“ beteiligt. Die jüngeren Kinder seien von den älteren eingewiesen worden. „Man lernt voneinander, wie man es bei echten Straßenkindern sieht“, beschreibt Anne Weiß, Lehrerin und Unesco-Koordinatorin an der Göttinger Schule.

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Spenden für terres des hommes

„Wir sammeln Spenden für terre des hommes“, erklärt Schülerin Sophia Herdt. Terre des hommes ist ein internationales Kinderhilfswerk, das sich für Kinderrechte weltweit einsetzt. Bundesweit unterstützen Schulen die Projekte. Weiß ergänzt: „Alljährlich findet im November die Aktion „Sichtwechsel – Straßenkind für einen Tag“ statt, da am 20. November 1989 die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet wurde. Jedes Jahr werden Straßenkinder in einem anderen Land unterstützt, dieses Mal gehen die Gelder nach Mexiko.“

Schüler des Hainberg-Gymnasiums haben 921 Euro für terre des hommes gesammelt. Dafür versetzten sie sich in die Lage von Straßenkindern – und zogen einen Tag lang mit Bauchläden und Schuhputzzeug durch die Göttinger Fußgängerzone.

Im Vorfeld seien die Schüler in besonderen Stunden zu Unesco-Themen auf das Projekt vorbereitet worden. Sie hätten sich über Schicksale von echten Straßenkindern informiert und kurze Filme gesehen. „Die Filme waren herzergreifend. Die Kinder hatten kein Zuhause und konnten nicht zur Schule gehen. Uns in Deutschland geht es so gut und trotzdem gibt es auch hier viele Kinder, die auf der Straße leben müssen. Ich möchte helfen“, berichtet Schülerin Lillian Breder.

Der Schüler Robin Neef ist ebenso erschüttert: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Straßenkinder gibt und dass sie wirklich unter so schweren Bedingungen leben. Uns geht es wirklich gut.“ Die Lehrerin Martina Schmidt hat das Projekt zusammen mit Weiß begleitet. „Die Schüler sind sehr ergriffen und angetan von den Aktionen. Ich finde es wunderbar, wie sie sich engagieren“, schildert sie. „Am Anfang war ich sehr aufgeregt, aber mittlerweile fühlt es sich gut an“, erwähnt Schüler Richard Penke. Auch Schüler Robin Neef habe Überwindung gebraucht, helfe aber gerne. „Wenn man so durch die Straßen geht, schauen manche Menschen weg und beachten einen gar nicht“, erzählt er. Vielen seien aber auch hilfsbereit und freuen sich über die Aktion. „Die Sicht von einem selbst verändert sich, man nimmt mehr wahr und versucht zu helfen“, stellt Wettschereck fest.

Ein Tag auf der Straße lehrreicher als wochenlanger Unterricht

Die Schüler der Klassen fünf bis sieben spenden zudem jeden Monat 1,50 Euro vom eigenen Taschengeld. Mit dem Ertrag unterstützen sie eine Partnerschule in Mlalo, Tansania, und ermöglichen Mädchen den Zugang zu Schulen, verdeutlicht Weiß. Am 7. Dezember organisieren HG-Schüler einen Verkaufsstand auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt, mit dem sie zusätzlich für Mlalo sammeln wollen. Weiß sei der Meinung, dass man mit Schülern viel öfter rausgehen und Erfahrungen sammeln sollte: „Was die Kinder innerhalb von zwei Stunden hier in der Fußgängerzone lernen, ist mehr wert als sechs Wochen Unterricht. Die Erfahrungen gehen tiefer, als es ein Schulbuch schafft, und die Kinder verlieren ihre Vorurteile.“

Von Fionn Klawunn

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