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Göttingen „Fridays for Future“: Schüler in Göttingen gehen erneut auf die Straße
Die Region Göttingen „Fridays for Future“: Schüler in Göttingen gehen erneut auf die Straße
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17:32 29.03.2019
Für besseren Klimaschutz: Fridays for Future in Göttingen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Am Freitag haben Schüler und Studierende auf der ganzen Welt unter dem Namen „Fridays for Future“ für eine „konsequente und nachhaltige“ Klimapolitik protestiert. Auch in Göttingen. Ab 11 Uhr gab es eine Kundgebung am Gänseliesel.

„Mega-Steuern auf SUVs“, „Wir haben nur eine Erde“, „H2O –Plötzlich Plastikmüll“ – in Anspielung auf eine Teenie-Meerjungfrauen-Serie – stand auf den Schildern und Transparenten, die rund um das Gänseliesel am Freitagmittag zu sehen waren. Weit mehr als 200 Teilnehmer waren gekommen, um gegen die derzeitige Klimapolitik und gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Und es waren nicht nur Schüler, auch Studenten und ältere Menschen nahmen an der Kundgebung teil.

„Wir sind keine homogene Gruppe“, sagte eine Sprecherin. „Was uns eint, ist der Klimawandel.“ Und der Kampf dagegen. „Wir hören erst auf zu demonstrieren, wenn die Regierung endlich handelt“, rief die Sprecherin unter Jubel der Zuhörer.

Das Ziel der Demonstranten beschreibt Lilian Vorbrüggen (18) von der Göttinger Fridays-for-Future-Planungsgruppe: „Wir wollen die Welt retten.“ Das klinge hochtrabend, sei aber völlig ernst gemeint. Gehe die Entwicklung so weiter, sei in 100 Jahren jeder dritte Mensch auf der Erde ein Klimaflüchtling. Jeder könne bei sich selbst anfangen, um gegen den Klimawandel etwas zu tun, und mit den Dingen anfangen, die für einen selbst akzeptabel sind, sagt Vorbrüggen. Das könne der Verzicht auf Fleisch ebenso sein wie das konsequente Nutzen des Fahrrads.

„Der Klimawandel ist und bleibt eine akute Bedrohung für uns und unseren Planeten“, unterstrich Organisator Hannes Kramer (15) vor der Demo den Grund für den erneuten Streik. Klimaschutz gehe alle an. Das Engagement müsse hier parteiübergreifend sein. Die Demos und Streiks seien ein Sprachrohr für junge Leute, „die sonst keine Bühne“ hätten. Jessica Angermann, Mitglied des Organisationsteams, zeigte sich am Ende zufrieden: „Es waren wieder sehr viele Menschen mit guter Laune und kreativen Ideen da: Es wurden spontan Polonaisen gebildet und ein Limbo-Tanz-Wettbewerb begonnen. Und durch die vielen Kreidemalereien auf dem Platz werden unsere Forderungen auch über diesen Freitag hinaus noch sichtbar sein. Wir hoffen, dass wir für den nächsten internationalen Streik am 12. April noch mehr Göttinger auf die Straße bringen können.“

Der Klimastreik am Freitag, 12. April, soll laut Veranstaltern wieder ein Demonstrationszug sein und um 10 Uhr mit einer Auftaktkundgebung am Bahnhof in Göttingen starten, gegen 11 Uhr am Wilhelmsplatz erreichen und um 12 Uhr am Neuen Rathaus enden.

Mehr als 200 Schüler und Studenten aus Göttingen haben am Freitag in der Göttinger Innenstadt für eine bessere Klimapolitik und gegen den Klimawandel protestiert.

Nach der Demo am 15. März, an der nach Angaben der Planungsgruppe 1600 Menschen in Göttingen teilgenommen hatten – die Polizei sprach offiziell von 850 –, habe die Gruppe etwas Neues ausprobieren wollen und beschlossen, den Ort und die Uhrzeit des Streiks zu ändern. „Dass wir erst um 11 Uhr anfangen, erleichtert die Organisation für uns und ermöglicht es Schülerinnen, noch an Teilen des Unterrichts teilzunehmen“, erläuterte Miriam Giesbert, Mitglied der Planungsgruppe in Göttingen.

Erklärung der Schulleitungen der Göttinger Gymnasien Quelle: R

 

Erklärung der Schulleiter der Göttinger Gymnasien

Nach dem Streikaufruf zur Demo am 15. März hatten die Schulleiter der fünf Göttinger Gymnasien eine gemeinsame Erklärung abgegeben. So seien die Schülervertreter darauf hingewiesen worden, dass die Teilnahme ein unentschuldigtes Fehlen bedeute und dass Demonstrationen zudem auch außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden sollten. Auch auf die Folgen hätten die Schulleiter hingewiesen, Lehrer seien angewiesen, „alle Fehlzeiten wie üblich zu vermerken“, heißt es in der Erklärung.

Und weiter: „Gleichzeitig müssen unseres Erachtens Schulen entsprechend ihrem demokratischen Bildungsauftrag nach Paragraf 2 Niedersächsiches Schulgesetz solche Aktivitäten begrüßen, sind diese doch nach Jahren öffentlich beklagten politischen Desinteresses der Jugendlichen ein deutliches Zeichen der Zunahme des politischen Interesses.“ Und die Beteiligung am demokratischen Willensbildungsprozess, das Wecken des medialen und öffentlichen Interesses sowie das Zeigen von Zivilcourage, so zeige die Erfahrung, könne nicht beziehungsweise dürfe „nicht immer regelkonform geschehen“.

Daneben haben wir den Eindruck, dass es sich bei den beteiligten Schülern um besonnene, gut abwägende junge Staatsbürger handelt, die sich sehr wohl der Risiken bewusst sind, die aber auch für ihre legitimen Auffassungen einstehen wollen“, heißt es abschließend in der Erklärung.

Demos aus in anderen Städten

Rund 700 Schüler haben am Freitag in Niedersachsen und Bremen für mehr Klimaschutz demonstriert und dafür den Schulunterricht bestreikt. Rund 280 Kinder und Jugendliche gingen nach Polizeiangaben allein in Braunschweig auf die Straße. In Göttingen waren es 200, in Bremen 100, in Wolfsburg bis zu 80 und in Osnabrück 50. Bundesweit sollte es in etwa 30 Orten Demonstrationen und andere Protestaktionen geben.

Der Kinderschutzbund Niedersachsen begrüßte es, dass die Kinder und Jugendlichen versuchten, mit demokratischen Mitteln ihre Interessen durchzusetzen. Jetzt sei es Aufgabe der Politik, diese Interessen ernst zu nehmen, sagte der Landesvorsitzende Johannes Schmidt: „Ein Winken mit der Schulpflicht allein ist nicht der richtige Umgang mit dem Protest.“

Wichtig sei vielmehr, die Meinungsäußerung der Schüler von der Straße in örtliche Kinder- und Jugendräte zu tragen, betonte Schmidt. „Wir brauchen auch Jugendklimaräte, denn die Auswirkungen der Klimaveränderungen werden im konkreten Leben vor Ort erlebbar.“

Seit mehreren Monaten gehen junge Menschen weltweit freitags für den Klimaschutz auf die Straße, anstatt die Schule oder die Universität zu besuchen. An den bislang größten Kundgebungen am 15. März beteiligten sich allein in Niedersachsen und Bremen mehr als 30000 Schülerinnen und Schüler – auch in Göttingen. Vorbild für die Streikenden ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit einem mehrwöchigen Schulstreik internationale Aufmerksamkeit erlangte. Thunberg hat mit ihrem im vergangenen Jahr in Schweden begonnenen Schulstreik die mittlerweile weltweiten Proteste junger Menschen für mehr Klimaschutz angestoßen.

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg nimmt an der Abschlusskundgebung der "Fridays for Future"- Demonstration am Brandenburger Tor während die deutsche Klimaaktivistin Lisa Neubauer (2.v.l.) neben ihr steht. Quelle: dpa

Thunberg in Berlin  

Die Gründerin der Protestbewegung, Thunberg, war am Freitag erneut in Deutschland zu Gast. Sie besuchte zunächst eine zentrale Kundgebung in Berlin mit mehreren Tausend Teilnehmern und anschließend das Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam, um dort mit dessen Vorstand Ottmar Edenhofer und dem Co-Direktor Johan Rockström zu sprechen.

Für die 16-jährige Thunberg war es nach Hamburg die zweite Teilnahme an einer Kundgebung in Deutschland. Am Sonnabend soll Thunberg bei Verleihung der „Goldenen Kamera" mit dem „Sonderpreis Klimaschutz" für ihr Engagement ausgezeichnet werden.

Demo in Berlin mit mehreren Tausend Teilnehmern

Tausende Schüler und Studenten in Berlin haben sich am Freitag an dem weltweiten Klimastreik der Bewegung „Fridays for Future“ beteiligt. Nach einer Auftaktkundgebung im Invalidenpark zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesverkehrsministerium in Berlin-Mitte zog der Demonstrationszug durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. Die Veranstalter hatten 15.000 Teilnehmer angemeldet. Sie fordern ein radikales Umsteuern in der Klimapolitik und skandierten „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“.

Eine der Hauptorganisatorinnen von „Fridays for Future“ in Deutschland, die Göttinger Studentin Luisa Neubauer, rief die Demonstranten dazu auf, in ihrem wöchentlichen Protest nicht nachzulassen. „Wir sind die Generation, die dieses Klimachaos ändern kann“, sagte die Klimaschutz-Aktivistin auf der Auftaktkundgebung. „Solange die wichtigen Anzugträger nichts unternehmen, werden wir weiter machen.“ Die junge Generation könne mit ihrem Protest die Klimawende schaffen. „Denn wir sind globaler und vernetzter als die Generation vor uns.“ 

Unterstützung von Altbischof Huber

Unterstützung bekommen die Demonstranten vom Berliner Altbischof und ehemaligen Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber. Er hat die die Klima-Demonstrationen der „Fridays for Future“-Bewegung als konstruktiv bezeichnet. „Der Grund des Protests ist die Erwartung, dass die Pariser Klimaziele eingehalten werden. Ich bejahe diese Initiative inklusive des zarten Elements von zivilem Ungehorsam“, sagte Huber.

Mittlerweile wird in Deutschland über Konsequenzen für Schüler diskutiert, die am Freitagvormittag die Schule schwänzen. Da die Schulpolitik Ländersache ist, gibt es keinen einheitlichen Umgang mit den Protesten während der Schulzeit. Der Vorsitzende der FDP, Christian Lindner, hatte kürzlich gesagt, die Klimapolitik sei eine Sache für „Profis“. Diese Äußerung bezeichnete Huber als „inakzeptabel“. Er sei froh, dass als Reaktion darauf mittlerweile 23.000 Wissenschaftler den Aufruf „Scientists for Future“ unterschrieben hätten – auch er selbst sei dabei. „Professionalität soll uns allen dazu dienen, unsere demokratische Verantwortung besser wahrzunehmen. Aber sie soll nicht an die Stelle der demokratischen Verantwortung treten“, sagte Huber.

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Von Michael Brakemeier / epd

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