Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Planspiel im Kreishaus: Schüler machen Politik
Die Region Göttingen Planspiel im Kreishaus: Schüler machen Politik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:05 21.11.2019
Die Schüler erarbeiten Anträge und stimmen über diese ab. Quelle: Peter Heller
Anzeige
Göttingen

Wenn Schüler das Kreishaus übernehmen: Zum Planspiel „Pimp your Town“ hatten sich viele Schulklassen aus dem Landkreis Göttingen beworben, um einen Einblick in die Kommunalpolitik zu erhalten. Letztlich wurden zwei Klassen des Eichsfeld-Gymnasiums Duderstadt und jeweils eine der Realschulen Osterode und Duderstadt eingeladen, um aktiv Politik zu machen. Als drei fiktive Fraktionen eingeteilt, erarbeiteten sie Vorschläge und Anträge für die Kommunalpolitik und brachten diese in simulierten Ausschusssitzungen zu Gehör. Das Projekt der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis, Ländlicher Erwachsenenbildung und dem Verein „Politik zum Anfassen“ findet am Freitag seinen Abschluss in einer Ratssitzung. Lob für das Engagement der Schüler gab es von allen Seiten.

90 Kinder und Jugendliche erhielten am ersten Tag einen „Crashkurs in Kommunalpolitik“, erklärt Jonas Huwald vom Fachdienst zur Förderung von Vielfalt, Demokratie und Toleranz, anschließend erarbeiteten sie konkrete Anträge, die teilweise heiß diskutiert wurden. Dabei schlüpften die Kinder der Klassenstufen acht bis zehn in die Rollen von Politikern, die ihre Standpunkte vertreten. Dass es dabei auch manchmal zu Reibereien komme, sei normal, schließlich möchte jeder seine eigenen Interessen gewahrt sehen.

Die Vorschläge der Schüler

Vor dem Ausschuss für Bau, Verkehr und Umwelt brachten die Schüler unter anderem den Vorschlag ein, neue Fahrradwege im Landkreis zu erschließen. So sollten direkte Verbindungen zwischen den einzelnen Orten erneuert und asphaltiert werden. Ebenfalls auf der Agenda: kostenfreie, öffentliche Toiletten.

Im Bereich Jugend und Soziales spiegelte sich der Hintergrund der Veranstaltung wider: „Damit Schüler auch was sagen dürfen und nicht nur da stehen“, solle ein Jugendparlament im Landkreis gegründet werden.In der Stadt Göttingen ist das bereits geplant. Im nächsten Frühjahr soll erstmals ein dauerhaftes Jugendparlament gewählt werden. Obdachlosenhilfe, kostenlose Verhütungsmittel und die Einrichtung eines E-Roller-Verleihs standen zudem bei den Schülern hoch im Kurs.

Ein duales Ausbildungssystem für Erzieher forderten sie vor dem Ausschuss für Kultur, Bildung und Sport. Auch über W-LAN an Schulen, längere Öffnungszeiten von Jugendzentren sowie eine Vergrößerung von Sporthallen in der Region haben sich die Schüler Gedanken gemacht.

„Schnell kapiert, was geht und was nicht geht“

„Die Schüler haben schnell kapiert, was geht und was nicht geht“, lobte Sigrid Jacobi (CDU). Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses leitete die fiktive Sitzung im Bereich Jugend und Soziales. So waren die ersten Antragsentwürfe „zu allgemein gehalten“, doch die Nachwuchspolitiker zeigten sich nach kurzer Erläuterung schnell lernfähig. „Es gab den Antrag: Tierheime verbessern. Was fehlte, waren genaue Beschreibungen, in welchem Bereich und mit welchen Mitteln“, klärte sie auf. Wenn man das nicht spezifiziere, „dann bauen die sich von dem Geld ein neues Büro“.

Denn Anträge seien fast immer „an Haushaltsmittel gekoppelt“, deren Verteilung Jacobi anhand einer Tortengrafik aufzeigte. Mit den Finanzen sei es wie mit einer Bettdecke: „Wenn man an einer Seite zieht, entsteht auf der anderen eine Lücke.“ Die Schüler nahmen die Ratschläge, Tipps und Vorgehensweisen der Lokalpolitiker wissbegierig auf.

Abbildung der Politik-Realität

„Wir wollten die Realität genau abbilden“, sagt Cristina Di Maio vom Verein „Politik zum Anfassen“. Deshalb wurden drei Themenbereiche gewählt, die es wirklich gibt. Neben Jugend und Soziales standen noch Ausschüsse zu Bau, Verkehr und Umwelt sowie Kultur, Bildung und Sport an. Jede Gruppe konnte fünf Ideen einbringen, zu denen Anträge gestellt wurden.

„Alle sind sehr motiviert“, freute sich Werner Wille (CDU), der Vorsitzende des Umweltausschusses. Kontroverse und teils hitzige Diskussionen hätten sich beim Thema „Fridays for Future“ entspannt. Mit der Bewegung sei „richtig was losgetreten“ worden, vielleicht sollten die Aktionen aber „etwas zurückgefahren werden“, gab er die Meinung der Schüler aus den Gesprächen wieder. Das Engagement der Jugendlichen lobte er in höchsten Tönen. „Ich hoffe, dass sich der ein oder andere in den nächsten Jahren auf den Wählerlisten wiederfindet“, sagte er.

Auch Huwald freute sich über die Begeisterung für Lokalpolitik, die unter den Schülern herrscht. „Eine Gruppe hat für die Bewerbung sogar ein überaus professionelles Video gedreht.“ Und nicht nur in die Politik, auch in die Arbeit der Berichterstatter konnten die Kinder blicken: Schließlich stellten die Schüler auch ihr eigenes Presseteam.

Kommentar zum Thema: Hut ab vor den Verantwortlichen

Von Tobias Christ

Schüler, die bereits in der achten Klasse aktiv an politischen Entstehungsprozessen teilhaben? Eine klasse Sache, findet Tageblattreporter Tobias Christ.

21.11.2019

Im Prozess um abgefangene Pakete mit 55 Kilogramm Marihuana hat das Landgericht Göttingen einen Zeugen vorgeladen, der selbst in den Fall verwickelt sein soll.

21.11.2019

Die Kacheln der Stadthalle polarisieren: Viele Göttinger lieben sie, andere finden sie hässlich. Die auffälligen Fliesen werden derzeit abmontiert und dann in Stuttgart für den Wiedereinsatz aufgearbeitet.

21.11.2019