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Göttingen Schülerin macht kleines Latinum – ohne eine einzige Unterrichtsstunde
Die Region Göttingen Schülerin macht kleines Latinum – ohne eine einzige Unterrichtsstunde
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15:37 02.07.2019
Elisabeth Marie Frauendorf (2. v.r.) hat das kleine Latinum. Matthias Deters, Gabi Hille-Coates und Gila Behnes waren die Prüfer. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Elisabeth-Marie Frauendorf steht vor ihrer Schule, dem Hainberg-Gymnasium, schaut schüchtern zu Boden und lächelt ein wenig. Die 16-jährige Schülerin hat gerade eine Prüfung hinter sich. Auf der Urkunde, die sich in der Hand hält, steht „Kleines Latinum“ und „15 Punkte“. Schriftlich und mündlich volle Punktzahl. Das Besondere daran: Elisabeth hatte nie Latein.

Ihre Prüferin Gabi Hille-Coates hat noch immer Gänsehaut am Arm. „Sie hat alles in perfekter Aussprache vorgetragen“, sagt die Latein- und Englischlehrerin sichtlich beeindruckt. Hille-Coates ist Beauftragte für Begabungsförderung an ihrer Schule und hat schon einige außergewöhnliche Schüler erlebt. Aber dieses Mädchen sei in vielerlei Hinsicht anders. Elisabeth lächelt wieder ein wenig.

Latein oder Chinesisch

Die Geschichte begann im September vergangenen Jahres, als sich die Schüler bei den Kurswahlen für eine dritte Fremdsprache entscheiden sollten: Latein oder Chinesisch. Elisabeth entschied sich für den Chinesisch-Kurs und dafür, sich die Sprache der alten Römer selbst beizubringen. Mit dem Schulbuch „Lingua Latina“ machte sie sich auf den beschwerlichen Weg durch Grammatik und Vokabeln. Jeden Tag habe sie sich hingesetzt, herausgefunden, was ein Ablativus Absolutus ist und Texte über Caesars Kriegszüge ins Deutsche übersetzt. Es habe nicht immer Spaß gemacht, gesteht die gebürtige Göttingerin.

Aber die Freude an der komplexeren Grammatik habe sie trotzdem auch immer motiviert weiterzumachen. Sie habe sich schon in der fünften Klasse ungern gegen Latein entschieden. Jetzt bot sich die Gelegenheit, die Wissenslücke zu schließen. „Später habe ich dazu bestimmt keine Zeit mehr. Jetzt schon.“ Sätze wie diesen, die vermutlich einen Teil ihrer Mitschüler in den Wahnsinn treiben, sagt Elisabeth häufiger mal. Angeben will sie damit offensichtlich nicht, eher ihre Gedanken erklären. „Sie ist ein tolles, bescheidenes und sehr erwachsenes Mädchen“, sagen ihre Lehrer.

Lehrbuch nach sechs Monaten erledigt

Als sie das Lehrbuch nach sechs Monaten durchgepaukt hatte, suchte die Schülerin nach einem Weg, einen Abschluss zu bekommen. Die Arbeit sollte ich ja gelohnt haben. Eigentlich hätte Elisabeth nämlich wie ihre Mitschüler die Sprache durchgehend bis zur zehnten Klassen belegen müssen, um an das kleine Latinum zu kommen. Die Schulleitung wandte sich an das Ministerium in Hannover und die Landesschulbehörde in Braunschweig. Dort zeigte man dem Anliegen gegenüber wohlwollend und erteilte schließlich eine Sondergenehmigung – als eine Ergänzungsprüfung zum Abitur für eine Zehntklässlerin.

Der Prüfungsablauf ist klar festgelegt: 180 Minuten für die schriftliche, 30 Minuten für die mündliche Prüfung. Die Texte entnahm Hille-Coates aus Uni-Prüfungen und erkundigt sich bei den dortigen Kollegen noch über die Korrekturmodalitäten. Letzteres hätte sie sich sparen können, denn Elisabeth machte keine Fehler. Zunächst lieferte sie eine perfekte Klausur ab und zwei Tage vor den Ferien setzte sie noch einen drauf. Sie rezitierte Caesars Sieg über Britannien und übersetzte ihn nach allen Regeln der Kunst.

Perfekte Aussprache

Wie ihr das mit der Aussprache inklusive gerolltem „R“, „K“ statt „C“ und „EI“ statt „AE“ gelungen ist, erklärt die 16-Jährige nur beiläufig. „Ich habe am Sonnabend nochmal mit Frau Hille-Coates telefoniert, da hat sie es mir kurz vorgemacht.“ Das reichte Elisabeth offenbar, um es zu verinnerlichen. Wieder lächelt die Einserschülerin kurz und erzählt dann, dass sie in den Ferien erst einmal Zeit mit ihren Freunden verbringen wolle, die wegen Latein zuletzt ein bisschen zu kurz gekommen seien. Danach geht es für sechs Monate zum Sprachaustausch nach Cornwall.

Die Freunde hätten oft gefragt: „Warum machst du das überhaupt?“ Elisabeths Antwort auf diese Frage lautete, sie habe Freude daran. Außerdem habe sich sich bewiesen, dass man etwas schaffen könne, wenn man es sich vornehme. Und dann sagt sie wieder einen dieser für andere schwer erträglichen Sätze: Sie würde es nochmal machen, obwohl sie nicht denke, dass sie Latein später nochmal brauche. Das große Latinum wolle sie deshalb voraussichtlich nicht machen. „Ich hatte meinen Spaß mit der Sprache.“

Von Markus Scharf

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