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Göttingen Schüsse auf Göttinger Polizisten: Schütze vor Gericht
Die Region Göttingen Schüsse auf Göttinger Polizisten: Schütze vor Gericht
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19:50 06.08.2013
Von Matthias Heinzel
Erst unter Drogen, jetzt „fassungslos“: Dirk R. steht nach Schüssen auf Polizeibeamte vor Gericht. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Denn plötzlich, während ihm ein Polizist beim Herstellen von Fingerabdrücken half, griff er in das Waffenholster des neben ihm stehenden Beamten und zog die Waffe heraus. Es kam zu einer Rangelei, bei der mindestens drei Schüsse fielen. Dabei wurden zwei Polizisten ins Bein getroffen. Nur knapp verfehlte ein weiterer Schuss den Oberkörper einer Beamtin.

Seit Dienstag steht Dirk R., der zurzeit in der Psychiatrie lebt, vor Gericht – und kann sich alles überhaupt nicht erklären. Das Geschehene tue ihm leid, er sei „fassungslos“, sagt der schmächtige Mann dem Richter. Trotz seiner mehrfachen Vorstrafen sei er alles andere als aggressiv oder gewalttätig.

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Der 44-Jährige räumt die Tat zwar ein, sagt aber, jegliche Erinnerung an die sechs Stunden zwischen dem Griff ins Holster und der Einlieferung in die Asklepios-Klinik verloren zu haben.

Methamphetamin regelmäßig konsumiert

Eine Erklärung dafür hat er auch gleich parat: Damals sei er von morgens bis abends mit Methylendioxypyrovaleron (MDPV) zugedröhnt gewesen.

Die Designer-Droge mit sehr hohem Sucht- und Psychosepotenzial, Methamphetamin nicht unähnlich und in Nutzerkreisen auch als „Cloud Nine“ oder „Monkey Dust“ bekannt, habe bei ihm zu massiven Verfolgungsängsten und ebensolchen Gedächtnislücken schon vor dem fatalen Auftritt in der Polizeidienststelle an der Groner Landstraße geführt.

Zum Zeitpunkt der Tat habe er MDPV schon etwa anderthalb Jahre regelmäßig konsumiert – neben einer Vielzahl anderer Drogen.

Als erster Zeuge wurde zum Prozessauftakt gleich jener Polizist vernommen, der am 15. März den ersten Schuss abbekam. Die Prozedur der erkennungsdienstlichen Behandlung sei zunächst völlig normal abgelaufen, Dirk R. unauffällig gewesen.

Den plötzlichen Griff R.‘s nach seiner Dienstwaffe habe er nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen. Nur mit Mühe habe er es geschafft, die Hand mit der Waffe wegzudrücken. Nach einer kurzen Rangelei habe es geknallt. Er habe einen scharfen Schmerz verspürt.

Spontan habe er Dirk R. gefragt, „Was soll das, du Arsch?“ Nachdem der 44-Jährige mit Hilfe von Kollegen überwältigt worden war, habe man ihm das Bein mit einem Gürtel abgebunden.

Angeklagt war ursprünglich gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen. Die Richter hielten jedoch auch versuchten Totschlag für möglich. Jetzt prüft das Schwurgericht, ob nicht doch ein bedingter Tötungsvorsatz vorlag, weil Dirk R. die Waffe auch noch nach dem ersten Schuss festhielt.

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